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Regina Olbricht stellt ihre Balkonbrüstung für ein Experiment zur Verfügung.

Darmstadt

Warmes Nest für Mauersegler

Im Martinsviertel sind Brutplätze für die kleinen Vögel knapp. Derzeit läuft ein Versuch mit Nistkasten am Balkon. Regina Olbrichts wartet gespannt auf gefiederte Untermieter.

Das Darmstädter Martinsviertel ist Lebensraum von Mauerseglern. Doch Gebäudesanierungen und Dämmmaßnahmen machen es den Flugakrobaten zunehmend schwer, geeignete Brutstellen zu finden. Peter Kondriniewicz und Regina Olbricht wollen das ändern.

„Noch vor ein paar Jahrzehnten waren hier abends ganze Schwärme unterwegs. Aber durch Sanierungsmaßnahmen sind viele Bruthöhlen verloren gegangen“, sagt Peter Kondriniewicz. Er selbst wohnt in der Heimstättensiedlung, wo er am eigenen Haus ein Dorado für Schwalben und Mauersegler geschaffen hat.

Seine Erfahrungen gibt er gerne an andere weiter. Auch an Regina Olbricht. Die Erzieherin lebt seit mehr als 40 Jahren im Martinsviertel. Ihre Wohnung liegt im von Schuhknecht-, Barkhaus-, Mollerstraße und Rhönring begrenzten Solex-Block.

Als an einem der Nachbarhäuser für Sanierungsarbeiten ein Gerüst gestellt wurde, sorgte sie sich um die dort befindliche Mauersegler-Brutstätte. Gemeinsam mit dem im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) engagierten Kondriniewicz und dem Hauseigentümer wurde eine Lösung gesucht und umgesetzt. Und es entstand die Idee, ein gemeinsames Experiment zu starten.

Bauverein zeigt Interesse

Seit einigen Wochen hängt deshalb ein Nistkasten mit drei Bruthöhlen an Regina Olbrichts Balkonbrüstung. „Wir wollen einfach mal den Mauerseglern nicht nur unter schwer zugänglichen Dachtraufen Brutplätze anbieten“, sagt Kondriniewicz, dessen selbstgebastelter Prototyp wie ein Blumenkasten einfach am Balkongitter aufgehängt wurde.

Nun braucht es nur noch Geduld. „Bis Mauersegler einen neuen Brutplatz annehmen, können zwei bis drei Jahre vergehen“, berichtet Kondriniewicz, „aber dann sind sie sehr ortstreu“. Für Regina Olbricht ist die ungewisse Wartezeit kein Problem: „Ich mache ein Wohnungsangebot und schaue einfach mal, was daraus wird.“

Gänzlich untätig ist Olbricht jedoch nicht. Sie nutzt den Leerstand, um die Temperatur in den Kästen zu kontrollieren. „An Pfingsten stieg das Thermometer im Innern auf 41 Grad“, entnimmt sie ihren Notizen. Zum Vergleich misst sie die Temperatur an der ebenfalls der Sonne ausgesetzten Hauswand: Dort war es noch heißer.

Kästen gut isoliert

„Wir wollen damit sicherstellen, dass es in den Nisthöhlen nicht zu heiß wird“, erklärt Kondriniewicz. Denn dann bestünde die Gefahr, dass die Jungvögel vor der eigentlichen Flugreife das Nest verlassen. Die Kästen sind deshalb gut isoliert. „Aber da Mauersegler auch direkt unter Dächern brüten, wo es im Sommer ebenfalls sehr heiß wird, dürfte die Wärme in den Nistkästen kein Problem sein“, meint Peter Kondriniewicz.

Wichtig bei den künstlichen Nisthilfen ist zudem ein ausreichender Abstand zum Boden: Eine Höhe von fünf Metern muss es mindestens sein. „Man muss sich immer die konkrete Situation vor Ort anschauen“, betont Kondriniewicz, der auch auf eine freie Einflugschneise achtet.

Seine Anregungen wurden im Martinsviertel bereits vom Bauverein sowie einigen privaten Hauseigentümern aufgegriffen. Und für den gemeinsam mit Regina Olbricht gestarteten Balkonnistkastenversuch ist er mehr als optimistisch: „Die Segler werden kommen.“

Wer an seinem Haus Mauerseglern Brutgelegenheiten bieten will, kann sich beim Nabu per E-Mail an info@nabu-darmstadt.de melden. (wka)

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