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Die Jäger im Landkreis Darmstadt-Dieburg bekommen dieser Tage viel Wild zu sehen.

Darmstadt-Dieburg Jäger

Der Wald hat Schwein

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg töten Jäger so viele Tiere wie noch nie zuvor. Der Trend ist klar: Es gibt immer mehr Wildschweine und Rehe im Landkreis. Die Ursache für die Rekordzahlen ist ein Leben im Überfluss.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg sind so viele Wildschweine und Rehe wie nie geschossen worden: Im Jagdjahr 2012/2013 hat die Jagdbehörde 2500 getötete Wildschweine registriert. „25 Prozent mehr als der Rekord vor zwei Jahren“, erläutert Wolfgang Heimer, Leiter der Abteilung Naturschutz- und Landschaftspflege, der auch die Jagdbehörde angehört.

Die Statistik zeige einen Zick-Zack-Kurs, sagt Dietmar Fischer, beim Landkreis betraut mit Jagd- und Fischereirecht: 2001 etwa gab es 1696 getötete Wildschweine, 2006 waren es 746, 2007 zählte die Behörde 1453. Im Jahr 2008 folgte dann der Sprung auf 1894. Im Folgejahr verringerte sich die Zahl auf 1264, um 2010 anzusteigen auf 2028. 2001 folgte der Einbruch auf 1403. 2012 nun die Rekordzahl von 2509 getöteten Wildschweinen.

Die Zahl für 2013 liegt noch nicht vor, aber Fischer rechnet wieder mit einem kleinen Einbruch. „Dafür könnten wir nächstes Jahr einen neuen Rekord haben.“ Der Trend ist klar: Es gibt immer mehr Wildschweine im Landkreis. Die Vermehrungsrate liege bei mindestens 200 Prozent, bei günstigen Umständen bei 400 Prozent, sagt Fischer.

2800 Tiere in Streckenliste des Landkreises

Auch die Zahl des Rehwilds ist ordentlich: Knapp 2800 Tiere stehen in der Streckenliste des Landkreises. Die Ursache für die Rekordzahlen ist ein Leben im Überfluss. „Die Nahrungssituation in Feld und Flur hat sich verbessert“, erläutert Fischer. „Früher hatten wir alle paar Jahre Buchen- und Eichelmast, heute treten fette Mastjahre häufiger auf.“ Auch der verstärkte Anbau von Mais auf riesigen Flächen sei buchstäblich gefundenes Fressen.

Mehr Nahrung bedeutet mehr Nachwuchs, von dem wiederum der nächste in der Kette profitiert – bis es am Ende der Nahrungskette keine Fressfeinde mehr gibt. „An der Jagd führt im Moment kein Weg vorbei, wir können ja nicht den Wolf im Rudel einführen, um große Keiler zu jagen“, gibt Fischer zu Bedenken. „Denn der Wolf würde sich dann auch für Pferde und Schafe auf Weiden interessieren.“

Die Reviere im Landkreis sind unterteilt in Jagdbezirke, die verpachtet werden. Dem Pächter gehört auch das Wild – tot oder lebendig. Die behördliche Aufsicht hat der Kreis. Einen Jagdschein erhält man nicht auf alle Zeiten, die Lizenz sei befristet auf maximal drei Jahre und könne verlängert werden, erläutert Fischer. Alle drei Jahre würden die Waffenbesitzer außerdem bezüglich ihrer Zuverlässigkeit überprüft. Die Kriterien sind streng. „Die Justiz muss Ermittlungsverfahren mitteilen, bis hin zu Trunkenheit am Steuer“, so Fischer.

Anteil der jungen Jäger sinkt

850 Personen im Landkreis haben irgendwann mal eine Jägerprüfung abgelegt, aktuell besitzen laut Kreis knapp 700 Personen einen gültigen Jagdschein. „Ob die zur Jagd gehen, ist eine andere Frage“, schränkt Fischer ein. Der Anteil der Frauen steigt: Knapp acht Prozent der Jäger im Landkreis sind Frauen. „Frauen haben dabei auch den Beweggrund, ein gesundes Lebensmittel zu bekommen“, erzählt Heimer. Und Frauen seien aktiv: „Wenn eine Frau einen Jagdschein macht, jagt sie in der Regel auch.“

Während sich die Quote der Frauen erhöht, sinkt der Anteil der jungen Jäger. Mehr als die Hälfte der Jäger im Landkreis sei über 50 Jahre alt, sagt Wolfgang Heimer: „Was fehlt, ist die Jugend.“ Und der fehlt vermutlich das Geld. Zwischen 3000 und 4000 Euro kostet der Jagdschein mit Funktionskleidung. Dazu kommen noch Waffe und Fernglas. loc

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