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Wald nach Bombenfund gesperrt

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Von: Claudia Kabel

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Die von einem Kind in Darmstadt gefundene Stabbrandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.
Die von einem Kind in Darmstadt gefundene Stabbrandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. © Polizei Darmstadt

Ein Kindergarten in Darmstadt muss nach einem Bombenfund ausweichen, denn es könnte weitere Blindgänger geben. Eine Fläche von 35 Hektar wird sondiert.

Achtung! Verlassen der Wege verboten! Explosionsgefahr!“ steht auf rund 30 Schildern, die Revierförster Laurenz Pries an Bäumen im Darmstädter Erholungsgebiet Fasanerie und im angrenzenden Waldgebiet angebracht hat. Ein Kind der Kita Menschenskinder hatte bei einem Spaziergang vergangene Woche einen „merkwürdigen Gegenstand“ gefunden und mit in die Einrichtung genommen. Später entpuppte sich das Ding, das wie ein zusammengeklappter, verrosteter Regenschirm aussah, als Stabbrandbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

Jetzt sind 35 Hektar Wald im Nordosten der Stadt gesperrt. Denn das Regierungspräsidium Darmstadt, dessen Experten vom Kampfmittelräumdienst die Bombe sicherten, hat dem Eigentümer Hessen-Forst empfohlen, das Areal abzusperren, wie Sprecherin Nicole Ohly-Müller sagt. Grund: Auf Luftbildern könne man sehen, dass das Gebiet in einem Bombentrichter liege. Es sei also möglich, dass weitere Blindgänger dort liegen.

Betroffen von der Sperrung sind nicht nur zahlreiche Erholungssuchende, sondern vor allem der Waldkindergarten Kranichnest, denn der darf nicht mehr in die ihm zugeteilte Parzelle: „Unser morgendlicher Treffpunkt direkt an einer Schranke liegt genau im Bombenabwurfgebiet“, sagt der Erste Vorsitzende des Trägervereins, Sebastian Kehr, der FR. Die rund 20 Kinder müssten nun täglich statt 100 Meter eine Viertelstunde laufen. Für die kleineren Kinder der Krippe, die nur ab und zu Besuche im Wald unternehmen und sich sonst im Haupthaus in der Siemensstraße aufhalten, bedeute dies, dass sie derzeit gar nicht in den Wald könnten.

Wie lange das Gebiet gesperrt bleibt, ist unklar. „Das können Wochen oder Monate sein“, sagt Revierförster Pries auf Anfrage der FR. Zunächst müsse innerbehördlich die Finanzierung geklärt werden. Denn die Kosten für eine Kampfmittelräumung werden geteilt. Die Sondierung müsste demnach Hessen-Forst tragen, die Entschärfung und Entsorgung das Land Hessen.

Zunächst müssen Büsche weichen

Aber um eine Sondierung vorzunehmen, muss laut Pries zunächst der Bodenbewuchs beseitigt werden – Brombeeren, Gräser, Büsche und junge Bäume. Erst dann könne man den Metalldetektor am Boden entlangführen. Die Vorarbeit mit dem Freischneider sei dabei „nicht ganz ungefährlich“. Dennoch warnt er vor Panikmache: „Seit über 70 Jahren ist hier nichts passiert, obwohl schwere Landmaschinen beim Holzmachen“ zum Einsatz kamen. Allerdings nehme einem auch keiner die Verantwortung ab, wenn etwas passiere. Für Pries ist es nicht das erste Mal, dass er es mit explosiven Überbleibseln aus dem Weltkrieg zu tun hat. Vor zwei Jahren seien zwischen Darmstadt und Roßdorf an der alten Eisenbahnstrecke Reste eines gesprengten Munitionswaggons gefunden worden.

Stabbrandbomben wurden vor allem über Städten abgeworfen, um Dachstühle und andere Holzbauten in Brand zu setzen. Für die Kampfmittelräumer gehören sie laut RP zum alltäglichen Geschäft. Auch die Kinder des Kranichnests wurden über die Blindgänger aufgeklärt und dass man sie besser liegen lässt. Dass ein Ding, das „auf den ersten Blick gar nicht so gefährlich aussieht“, wie Kehr sagt, ihre tägliche Routine durcheinanderbringt, müssen sie ja jetzt am eigenen Leib erfahren.

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