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Bis in 250 Meter Tiefe soll die Bohrung in Darmstadt führen.

Darmstadt

Mit Wärme aus der Tiefe heizen

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Probebohrung auf ehemaligem Kasernengelände: Neues Quartier soll auch mit Geothermie versorgt werden.

Schon im städtischen Klimaschutzpaket 2013 wird das große CO2-Einsparpotenzial von Erdwärme genannt. Sechs Jahre später findet jetzt in Darmstadt die erste Geothermie-Probebohrung im Auftrag des Darmstädter Energieversorgers Entega und der städtischen Bauverein-Tochter BVD New Living statt. Derzeit unternimmt das Schwarzwälder Bohrunternehmen Burkhardt auf dem Gelände der ehemaligen Cambrai-Fritsch-Kaserne und Jefferson-Siedlung die Probebohrung. 85 Rohre, jedes drei Meter lang, sollen über den Bohrturm auf einem ehemaligen Tennisplatz in den Boden getrieben werden.

„Aktuell sind wir bei 150 Metern Tiefe“, sagt Entega-Projektmitverantwortlicher Martin Freystein am Montag bei einer Ortsbegehung. Das Ziel ist, 250 Meter Tiefe zu erreichen. Dann könne man das geothermische Potenzial untersuchen, indem eine Sonde eingebracht werde. „Wie gut leitet der Boden die Wärme? Wie viel Wasser kann in einer bestimmten Zeit erhitzt werden? Und wie viel Wärme kann man dem Boden entziehen, ohne das Gleichgewicht zu stören?“ Das sind laut Freystein die Fragen, denen die Experten in der kommenden Zeit nachgehen werden. Begleitet werde das Projekt von Geologen, die auch die Risiken abwägen.

Ludwisghöhviertel

Im neuen Wohnquartier sollen auf 34 Hektarn östlich der Heidelberger Straße rund 1400 Wohnungen für mehr als 3000 Menschen entstehen.

Davon sind 25 Prozent sozial gefördert, 20 Prozent für niedrige und mittlere Einkommen. Bis August 2024 sollen 630 öffentliche geförderte Wohneinheiten bezugsfertig sein.

Geplant sind außerdem eine Grundschule, drei Kindertageseinrichtungen, ein Familienzentrum, ein Jugendzentrum und drei Quartiersgaragen für den privaten Individualverkehr.

Vier denkmalgeschützte Gebäude bleiben erhalten und sollen Raum für Dienstleistungen und Nahversorgung bieten. Auch die Turnhalle und Baptistenkirche bleiben stehen. Der Rest der Fläche soll ab Winter 2019 geräumt werden. 

Mit der Tiefe von 250 Metern gehört das Projekt noch zu den oberflächennahen geothermischen Bohrungen. Für die spätere Nutzung gibt es verschiedene Varianten, wie etwa Erdwärmekollektoren oder Erdwärmesonden. Eingeleitetes Wasser wird dabei über die Wärme des Gesteins erhitzt und nach oben befördert, wo es zum Heizen dient.

Der mobile Bohrturm muss ständig überwacht werden. 

Gerade der Stadtteil Bessungen, wo das geplante Wohnquartier „Ludwigsviertel“ auf der Konversionsfläche entstehen soll, sei aufgrund seines homogenen felsigen Untergrunds sehr für Erdwärmenutzung geeignet, sagt der verantwortliche Entega-Abteilungsleiter Joachim Krein. Es gebe bereits einige private Bohrungen in der Umgebung. Erstmals finde allerdings eine Bohrung in dieser Größenordnung statt. Falls diese geeignete Ergebnisse liefert, könnten an mehreren Stellen Anlagen installiert werden, die für die geplanten neuen Gebäude Wärme liefern. Laut Freystein bieten Flächen, die neu gestaltet werden, bessere Möglichkeiten für Erdwärmeversorgung als bestehende Quartiere.

„Die Geothermie hat das Potenzial zur Teilversorgung des Quartiers“, sagt Stadträtin Barbara Stadträtin Boczek (Grüne). Klimaschutz und Reduktion von CO2-Emissionen seien ein zentrales Ziel der Stadt und somit auch in der Entwicklung des Ludwigshöhviertels. Je nachdem, was die Probebohrung ergebe, wolle man bis Jahresende ein Konzept zur Wärmeversorgung erstellen, das alternative Quellen einbezieht.

Bisher setzt die Entega gemeinsam mit Projektträgern an zwei Standorten Geothermie ein: Die laut Freystein tiefste Bohrung Hessens befindet sich mit 800 Metern im Großumstädter Stadtteil Heubach (Kreis Darmstadt-Dieburg). Eine weitere Anlage liefert in Mörfelden-Walldorf aus 100 Metern Tiefe Wärme.

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