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Vision von der grünen Welle soll in Darmstadt Realität werden

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Von: Jens Joachim, Claudia Kabel

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Den neuen Ampelphasenassistenten sollen künftig in Darmstadt sowohl Straßenbahn-, Bus-, Auto- sowie Radfahrerinnen und -fahrer mit Hilfe einer App nutzen können.
Den neuen Ampelphasenassistenten sollen künftig in Darmstadt sowohl Straßenbahn-, Bus-, Auto- sowie Radfahrerinnen und -fahrer mit Hilfe einer App nutzen können. © Michael Schick

Die Stadt Darmstadt installiert in den kommenden Monaten einen innovativen Ampelphasenassistenten. Eine App wird Daten nutzen, die Sensoren an Ampeln in Echtzeit übertragen.

Wer mit dem Auto auf den Hauptdurchgangsstraßen durch die Innenstädte der Rhein-Main-Region fährt, der kennt das Problem nur zu gut: Es ist kaum möglich, sein Ziel ohne oder mit nur wenigen Stopps an einer Ampel zu erreichen. Digitale Technik und Produkte könnten einen Beitrag dazu leisten, Autofahrten durch die Stadt effizienter zu machen und gleichzeitig eine nachhaltigere und schadstoffärmere Mobilität zu ermöglichen. In Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt gibt es inzwischen vielversprechende Projekte, um diesem Ziel nun endlich näher zu kommen.

Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) war schon im Sommer 2017 in Darmstadt zu Besuch, und ihm wurde seinerzeit in einem Technologieunternehmen eine Applikation vorgeführt, die in Autos eingesetzt werden sollte. Die entsprechende Smartphone-App befand sich damals in der Erprobungs- und Testphase und war noch nicht marktreif.

Darmstadt: Grüne Welle-App nutzt aktuelle Verkehrsdaten in Echtzeit

Zwei Jahre später wurde dann im Rahmen der Projekte der Digitalstadt Darmstadt auf einer Konferenz der Ampelphasenassistent als App „EnLighten“ kostenlos in einschlägigen App-Stores zur Verfügung gestellt. Doch das amerikanische Start-up-Unternehmen überlebte die Corona-Krise 2020 nicht, so dass nach Angaben der Stadt Darmstadt die Server nicht weiterbetrieben wurden.

Die App habe seinerzeit als „sehr innovativ und einzigartig in Deutschland“ gegolten, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Innovation habe darin bestanden, dass – trotz der sehr hohen Verkehrsabhängigkeit der Ampelanlagen in Darmstadt – die jeweiligen Schaltzeiten mit Hilfe von an den Ampelmasten installierten Sensoren exakt prognostiziert werden konnten.

Darmstadt: Frühere App zeigte optimales Tempo für Grüne Welle an

Auf GPS-fähigen Endgeräten zeigte die App stadtweit für die jeweils nächste und zum Teil auch für die übernächste angefahrene Lichtsignalanlage die optimale Geschwindigkeit an, in dem die Ampel bei Grün passiert werden konnte. Stand ein Autofahrer oder eine Autofahrerin an einer roten Ampel, wurde die jeweilige Zeit bis zum Grünsignal auch mit akustischer Rückmeldung angezeigt.

Rückwirkend sei die App „ihrer Zeit voraus“ gewesen und habe „stadtweit zuverlässige Prognosen der optimalen Reisegeschwindigkeit und Restdauer bis zum Grün-Signal geliefert“, teilte die Stadt der FR mit.

„DANALYTICS“

Grundlage für eine nachhaltige und emissionsarme Mobilität in Darmstadt ist das Projekt „DAnalytics“. Die Abkürzung steht für „Advanced Analytics für die Wissenschaftsstadt Darmstadt“.

Ziel des mit bis zu 3,5 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium geförderten Projekts ist es, die Möglichkeiten von Big Data auch im Bereich des Verkehrsmanagements auszuschöpfen. Zu den wichtigsten Zielen gehört die Reduktion der durch den Verkehr ausgestoßenen Schadstoffemissionen und die Schaffung eines datengetriebenen Verkehrsmanagements auf der Basis von Echtzeitdaten. jjo

Darmstadt: Nieder-Ramstädter Straße wird Teststrecke für Grüne Welle-App

Derzeit wird nun im Zuge der Digitalisierungsprojekte „DAnalytics“ und der „Kooperativen Leitstelle“ an der Nieder-Ramstädter Straße, die auch am Fußballstadion am Böllenfalltor vorbeiführt, der künftige verkehrstechnische Standard für die Stadt realisiert.

Die Straße wird in den nächsten Monaten auch die erste Anwendungsstrecke sein, auf der ein neuer Ampelphasenassistent erprobt werden soll. Der Assistent wird dabei die von den an den Ampeln installierten Sensoren generierten Verkehrsdaten in Echtzeit nutzen. Mit Hilfe der App können sich dann alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer – egal ob Straßenbahn-, Bus-, Auto- oder Fahrradfahrer:in – über die optimale Reisegeschwindigkeit für eine grüne Welle informieren.

Mit Ampelphasenassistent soll in Darmstadt der Verkehr besser fließen

Ziel des Projekts ist es, den Verkehr besser fließen zu lassen, unnötige Brems- und Beschleunigungsvorgänge zu vermeiden und somit Kraft- und Schadstoffe zu verringern. „Da Stop-and-go-Situationen für einen Großteil der Verkehrsemissionen verantwortlich sind, trägt der Ampelphasenassistent zur Verbesserung der Luftqualität bei“, sagte Darmstadts Mobilitäts- und Umweltdezernent, Stadtrat Michael Kolmer (Grüne).

Zugleich soll mit dem Projekt erreicht werden, dass Autofahrerinnen und -fahrer entspannter durch die Stadt fahren können. Sollte der Test – wie von der Stadt erhofft – erfolgreich verlaufen, soll es auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt werden.

Darmstadt: App berechnet grüne Welle fast zu 100 Prozent

Zusätzlich, so Stadtrat Kolmer weiter, sollen die Daten aus dem Ampelphasenassistenten an die Plattform von „DAnalytics“ zurückgespielt werden. Dort stünden sie sowohl für den zentralen Verkehrsrechner in Echtzeit als auch für die Verkehrsplanung als Datenbasis zur Verfügung und ermöglichten ein „umweltsensitives Verkehrsmanagement“.

Die Sicherheit der Vorhersage des Ampelphasenassistenten, der mit Hilfe der Echtzeitverkehrsdaten und Algorithmen die optimale Geschwindigkeit für eine Fahrt auf der grünen Welle berechnet, liegt laut dem Hersteller, Yunex Traffic aus München, bei 99,8 Prozent.

Darmstadt: Smartphone-App kostenfrei erhältlich

Über die Smartphone-App „Signal2X“, die erstmals auf der Intertraffic 2022, der internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik, vorgestellt wurde, können die Daten dann abgerufen werden. Diese ist aktuell für Smartphones mit IOS- und Android-Betriebssystemen kostenlos im App-Store erhältlich.

Künftig wird Signal2X erstmalig in Deutschland auch für „Apple CarPlay“ und „Android Auto“ verfügbar sein. Langfristig sollen die Geschwindigkeitsempfehlungen damit nicht nur über die App verfügbar sein, sondern über ein Cloudsystem in gängige Navigationssysteme integriert werden.

Nach Startschuss in Darmstadt wird System auch in anderen Städten angeboten

Nach dem Startschuss in Darmstadt plant Yunex Traffic, das System auch in anderen Städten und Ländern anzubieten. „Mit nur einer App profitieren Fahrer:innen und Städte dann weltweit von den Grünzeitprognosen“, so das Unternehmen. Erste Testanlagen seien hierfür bereits installiert. Langfristig sollen die Geschwindigkeitsempfehlungen auch in Navigationssystemen integriert werden können.

Die Stadt Darmstadt baut seit 2018 im Rahmen ihres „Green City Plans“ das digitale Verkehrsmanagement mit einem umweltorientierten Gesamtkonzept hin zu einer Verkehrssteuerung in Echtzeit nach und nach aus. Neben Investitionen in passgenaue Verkehrstechnik, insbesondere in Sensoren und Kameras, sollen den Bürgerinnen und Bürgern verkehrsrelevante Informationen wie etwa der Ampelphasenassistent zur Verfügung gestellt werden.

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