1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Vision von der einwegfreien Stadt

Erstellt:

Von: Jens Joachim

Kommentare

Auch kleine Standbetreiber in Darmstadt nutzen das Mehrweg-Pfandgeschirr von Fair Cup.
Auch kleine Standbetreiber in Darmstadt nutzen das Mehrweg-Pfandgeschirr von Fair Cup. © Jens Joachim

Das Darmstädter Mehrwegpfandsystem wurde mit dem Nachhaltigkeitspreis prämiert.

In und um Darmstadt hat die Heag Fair Cup GmbH – eine Tochterfirma der Holding der Darmstädter Stadtwirtschaftsunternehmen – in den vergangenen zwei Jahren ein System mit Mehrwegbechern, -boxen, Menüschalen, Besteck und Trinkhalmen etabliert. Finanziell unterstützt wurde das Unternehmen zum Projektstart mit 60 000 Euro vom hessischen Umweltministerium im Rahmen der Plastikvermeidungsstrategie.

Im Darmstädter Klinikum war im August 2020 ein erster Rücknahmeautomat aufgestellt worden. Inzwischen geben nach Angaben von Geschäftsführer Daniel Pfeffer mehr als 60 Partner ihre Speisen und Getränke in den Polypropylen-Mehrwegprodukten gegen eine Pfandgebühr aus. Bundesweit zählen zum Fair Cup-Netzwerk mehr als 1000 Partnerbetriebe. In Darmstadt bieten inzwischen etliche Cafés, Restaurants, Kantinen sowie Betreiberinnen und Betreiber von Ständen auf Wochenmärkten die Mehrwegprodukte an.

Nicht mehr genutzte Artikel können bei allen teilnehmenden Unternehmen oder einem der Pfandautomaten in ganz Deutschland zurückgegeben werden. Pfeffer zufolge haben die Produkte eine Lebensdauer von bis zu 1000 Spülgängen, und sie sind vollständig recyclingfähig und somit Teil eines geschlossenen Kreislaufs. Zudem entsprechen sie den Anforderungen des Umweltzeichens Blauer Engel.

Die Heag Fair-Cup GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, eine Million Einwegbecher pro Jahr in und um Darmstadt einzusparen. Dies entspricht etwa zwanzig Prozent der in Verkehr gebrachten Menge an Einwegbechern in Darmstadt.

Joint Venture mit Start-up

Hervorgegangen ist das Unternehmen 2018 aus einer Ringvorlesung an der Hochschule Darmstadt. Auf der Suche nach einem Projektpartner war die Heag 2019 auf das Start-up Fair Cup aufmerksam geworden und gründete mit dem Göttinger Unternehmen im September 2020 die Heag Fair Cup GmbH als Joint Venture in Darmstadt.

Bereits zum Projektstart konnte das Unternehmen 35 regionale Systempartner gewinnen. Ziel ist es, das Mehrwegsystem so einfach wie möglich zu gestalten – ganz ohne Nutzungsbeschränkung oder zeitliche Begrenzung bei der Rückgabe. Langfristig sollen Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Mehrwegbehälter sogar im Leergutautomaten von Supermärkten zurückgeben können. Mit den Fördermitteln des Umweltministeriums wurde ein Laser angeschafft, der die Becher so kennzeichnet, dass Supermarktkassen direkt erkennen können, um welche Bechergröße und Befüllungen es sich handelt. Die Becher und Behälter werden nicht bloß mit Kaffee befüllt, sondern auch mit Joghurt, Eis, Suppen oder Oliven.

Erst vor gut zwei Monaten zeichnete die Zeitung für kommunale Wirtschaft das Darmstädter Unternehmen mit dem Nachhaltigkeits-Award in Gold in der Kategorie Entsorgung aus. Das Joint Venture überzeugte die Jury „durch die Verbindung von Kreativität und Ideenreichtum aus Hochschulen mit unternehmerischer Kompetenz sowie durch den gelungenen Austausch zwischen Kommunen“, wie es in einer Mitteilung hieß.

Nach den Worten von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ermöglicht es das Mehrwegpfandsystem, „vermeidbare Abfälle durch qualitativ hochwertige Alternativen zu ersetzen und wertvolle Ressourcen zu erhalten“. Mit dem System könne es gelingen, die „Zukunftsvision einer einwegfreien Stadt“ zu realisieren, so Partsch.

Informationen zu den Produkten der Heag Fair Cup gibt es online unter www.fair-cup.de

Wegen eines Hackerangriffs ist die Seite derzeit aber nicht abrufbar. Interessierte Unternehmen oder Kommunen können sich per E-Mail an Geschäftsführer Daniel Pfeffer (d.pfeffer@fair-cup.de) wenden.

Auch interessant

Kommentare