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Vierbeinige Senioren mit Charme

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Die betagte Hundedame Olga, hier mit Tierheim-Mitarbeiterin Claudia Kadow, sucht ein neues Zuhause.
Die betagte Hundedame Olga, hier mit Tierheim-Mitarbeiterin Claudia Kadow, sucht ein neues Zuhause. © Claus Völker

Im Darmstädter Tierheim warten sechs betagte Hunde auf eine liebevolle Altersresidenz. Auch wenn es die Senioren unter den Vierbeinern schwerer haben, ein neues Zuhause zu finden, sind die Mitarbeiter voller Zuversicht.

Wer Schäferhündin Olga zum ersten Mal sieht, würde nicht unbedingt auf die Idee kommen, dass sie schon eine sehr alte Dame ist. Neugierig schnuppert sie an Fremden herum, lässt sich bereitwillig streicheln. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man zwar, dass sie schon einige graue Haare ums Maul hat. „Aber sonst ist sie putzmunter und geht noch sehr gerne spazieren“, sagt Tierheim-Mitarbeiterin Claudia Kadow. „Sie kommt gut mit Menschen, sogar mit Kindern zurecht, eignet sich also perfekt als Einsteigerhund. Und sie hat einen guten Grundgehorsam.“

Vergebliches Warten

Wenn Hunde im Darmstädter Tierheim landen, die keine jungen Hüpfer mehr sind, dann warten viele von ihnen vergeblich auf ein neues Zuhause. Sechs vierbeinige Senioren hoffen derzeit darauf, für ihre letzten Lebensjahre doch noch eine schöne Altersresidenz zu finden. Die neun Jahre alte Olga hat schon einiges durchgemacht: Vor einem halben Jahr wurde sie von der Autobahnpolizei aufgegriffen, weil sie an der A 5 auf- und ablief. „Wir dachten, sie wäre vielleicht weggelaufen und ihre Besitzer würden sich bald melden“, erzählt Kadow. Gechipt war Olga zwar, auf einen Besitzer registriert war dieser Chip allerdings nicht. Und es meldete sich auch nie jemand.

„Bislang hat sich leider auch sonst keiner für sie interessiert“, schildert Kadow, „die meisten Leute fragen nach jungen Hunden oder sogar Welpen.“ Die Tierheim-Mitarbeiterin findet aber, dass auch die Hunde-Senioren eine Chance verdient haben. „Alte Hunde haben einfach einen ganz besonderen Charme.“ Sie seien naturgemäß ruhiger als die Jungspunde und müssten nicht erst mühsam erzogen werden. Außerdem würden sie sich für ihre zweite Chance oft mit ganz besonderer Treue bedanken.

Weihnachten im Tierheim

Und Olga ist bei Weitem nicht die einzige Hunde-Oma, die auf eine schöne Altersresidenz hofft: Da gibt es zum Beispiel die beiden 14 Jahre alten Mischlingsdamen Sissi und Sheela, die kurz vor Weihnachten im Tierheim gelandet sind. „Beide können überhaupt nicht alleine bleiben“, sagt Claudia Kadow. Das war wohl auch der Grund, warum sie abgegeben wurden. „Die neuen Besitzer müssten viel Zeit für sie haben und bereit sein, sie überall hin mitzunehmen“, sagt Kadow.

Ein schweres Schicksal hat auch die 15 Jahre alte Nelly, ein Beagle, hinter sich: Sie wurde in Nordhessen aus extrem schlechter Haltung gerettet, erzählt Kadow. Vielleicht ist Nelly gerade deshalb extrem anhänglich und kann auch nicht alleine bleiben. „Dafür versteht sie sich aber super mit anderen Hunden und sogar mit Katzen.“ Komplizierter ist dagegen Barbie. Sie heißt nicht umsonst wie die berühmte Plastikpuppe – Barbie ist eine Golden-Retriever-Dame mit glänzender, blonder Mähne. Allerdings hat ihr gehobenes Alter von acht Jahren auch schon körperliche Spuren hinterlassen. Barbie leidet an Hüftdysplasie und Arthrose und kann deshalb keine Treppen laufen. Außerdem sieht sie nicht mehr gut. Barbie würde ihre letzten Jahre am liebsten in einem ruhigen Haushalt verbringen – der Stress im Tierheim setzt ihr nämlich sehr zu.

Der größte Problemfall unter den vierbeinigen Senioren ist derzeit allerdings Wolle. Der neunjährige Schäferhundmischling wartet im Tierheim schon seit zweieinhalb Jahren auf ein neues Herrchen oder Frauchen. „Dadurch leidet er schon regelrecht an Depressionen“, bedauert Kadow. Ganz leicht zu handhaben sei Wolle darum leider nicht. „Der neue Besitzer sollte auf jeden Fall jemand mit Hundeerfahrung sein, und im Haushalt sollten keinesfalls Kinder leben.“

Die Tierheim-Mitarbeiter hoffen, dass sich doch noch ein paar Hundefreunde finden, die ihren Senioren einen schönen Alterswohnsitz bieten können. Denn nach einem entspannten, erfüllten Lebensabend sehnt man sich ja schließlich auch als Zweibeiner. (mmi)

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