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Vierbeinige Schnüffler in der JVA Weiterstadt

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Von: Annette Schlegl

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„Brix“ ist einer von zwei Handyspürhunden, die in hessischen Vollzugsanstalten schnüffeln.
„Brix“ ist einer von zwei Handyspürhunden, die in hessischen Vollzugsanstalten schnüffeln. © Michael Schick

Beim Besuch des Justizministers Poseck in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt zeigen Drogen- und Handyspürhunde ihr Können.

Brix ist acht Jahre alt und hat es auf Handys abgesehen. Seine beiden Gefährten Wilma und Jack halten es dagegen mit Drogen. Keine Sorge, alles ganz legal. Brix, Wilma und Jack sind nämlich Spürhunde und schnüffeln an der Leine ihrer Herrchen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Weiterstadt, aber auch in den Strafanstalten in Darmstadt und Dieburg. Am Montag schnüffelten sie sogar direkt vor den Augen eines hohen Besuchs: Hessens Justizminster Roman Poseck (CDU) ließ sich in der JVA Weiterstadt zeigen, wie die Hunde „arbeiten“.

Drogensuche mit Hund in der JVA Weiterstadt vor den Augen des Ministers

Vier Menschen sitzen auf der Bühne in der JVA vor dem Minister auf Stühlen, drei davon sind unverdächtig. Treffsicher findet die sechsjährige Wilma die Person, die Drogen versteckt hat. Wilma ist auf Amphetamine, Kokain oder Haschisch konditioniert, ist in der Lage, die Drogen unter freiem Himmel, in Räumen, an und in Fahrzeugen, an Sachen und in Gepäckstücken sowie an Personen zu finden. Sie sei ein passiver Spürhund, sagt ihr Herrchen Daniel Lee Häfner. Das heißt: Sie zeigt ihren Fund nicht durch Bellen oder Kratzen an. „Ihre Nase ist der Finger, der den Fund anzeigt“, erklärt der Diensthundeführer. Und tatsächlich gräbt die belgische Schäferhündin ihre Nase tief in die Bauchfalte der „verdächtigen“ Frau. Ihr zehnjähriger Kumpel Jack kann das übrigens auch.

Die Hitze macht auch Hunden zu schaffen: Drei Räume könne Wilma durchschnüffeln, dann sei sie müde, sagt Häfner. „Wenn ein Hund intensiv schnüffelt, steigt seine Körpertemperatur aufgrund der Anstrengung um zwei Grad“, erklärt er. Der Vierbeiner bekomme dann quasi Fieber.

„Wilma“ und „Jack“ riechen schon kleinste Anhaftungen von Drogen.
„Wilma“ und „Jack“ riechen schon kleinste Anhaftungen von Drogen. © Michael Schick

Ähnlich agiert wie Wilma im Anschluss der deutsche Schäferhund Brix. Seine Nase bleibt an der letzten Person in der Reihe hängen. Ein Handy sei schwieriger zu erschnüffeln, weil es keinen Geruch hinterlässt, erklärt sein Herrchen Markus Kölsch. Dennoch kann Brix sogar einzelne Handyteile wie den Akku und die Sim-Karte finden. „Was der Hund da genau erschnüffelt, weiß man gar nicht“, sagt der Hundeführer, erklärt aber zumindest, wie man die Spürhunde ausbildet: Das Handy wird in ein Glas gelegt, in das der von Natur aus neugierige Hund seine Nase steckt. Im selben Augenblick wird er mit einem Clicker – eine Art Knackfrosch – konditioniert und erhält ein Leckerli. Innerhalb von zwölf Wochen ist ein Spürhund nach Worten des Hundeführers einsatzfähig.

JVA Weiterstadt

Die Justizvollzugsanstalt Weiterstadt ist die größte JVA in Hessen und gehört zu einer der Anstalten mit der höchsten Sicherheitsstufe. Sie wurde vor 25 Jahren nach zwölfjähriger Bauzeit eröffnet, nachdem der Gebäudekomplex Ende März 1993 durch einen Sprengstoffanschlag der Roten Armee Fraktion (RAF) fast komplett zerstört worden war.

In dem Hochsicherheitsgefängnis werden Männer mit einer Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren sowie alle männlichen Untersuchungshäftlinge aus dem Landgerichtsbezirk Darmstadt untergebracht.

Das Gefängnis mit 613 Haftplätzen sowie 15 Plätzen für psychisch Auffällige ist aktuell nicht komplett belegt. jjo

„Handys werden in Socken versteckt, in der Unterwäsche, im Schritt und sogar in Körperöffnungen. Sie sind zum Teil so klein wie ein Daumen“, erklärt Anstaltsleiterin Jutta Staudt-Treber. Die Arbeit der Vierbeiner sei enorm hilfreich für die Vollzugsanstalten, sagt der Minister. Handys seien nämlich gefährlich, weil mit ihrer Hilfe Absprachen getroffen, Opfer eingeschüchtert, Zeugen beeinflusst oder Fluchthelfer kontaktiert werden könnten. Die Drogen- und Handyspürhunde kommen bei Neuankömmlingen zum Einsatz, bei den Inhaftierten, aber auch bei Besucher:innen. „Sie haben auch eine hohe präventive Wirkung“, sagt Poseck.

Spürhunde suchen in der JVA Weiterstadt gründlicher nach Drogen und Handys

Seit Ende 2020 gibt es in den hessischen Vollzugsanstalten elf Diensthundeführer mit insgesamt 14 Spürhunden, die gründlicher als Menschen nach Drogen und Handys suchen können. Poseck verspricht trotzdem weitere Stellen im Justizvollzug im Doppelhaushalt 2023/24: „Hessenweit eine zweistellige Zahl im allgemeinen Justizdienst.“ Man müsse für die Tätigkeit mit einem interessanten Aufgabenspektrum werben, sagt er. Es sei wichtig, qualifiziertes Personal zu gewinnen.

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