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Vierbeiner in Not

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Heimleiter Christian Zentgraf bringt einen Hund zur Behandlung.
Heimleiter Christian Zentgraf bringt einen Hund zur Behandlung. © Roman Grösser

Im Tierheim werden in letzter Zeit häufig Fundhunde abgegeben, deren Betreuung personalintensiv und teuer ist. Meist bleibt der Trägerverein, der sich über Spenden und Beiträge finanziert, auf den Kosten sitzen.

Der Jagdhundmischling versucht, sich aus den Armen von Tierpflegerin Stefanie Jüstel zu winden. „Wenn der ein Schlupfloch findet, ist er weg“, sagt Tierarzt Christian Zentgraf. Er versorgt die acht Zentimeter tiefe Wunde des Hundes. Seine Besitzer sind unbekannt. Auf den Behandlungs- und Pflegekosten in Höhe von mehr als 1000 Euro wird das Tierheim wohl sitzenbleiben. Für den Trägerverein, der sich über Spenden und Beiträge finanziert, ist das hart. Zumal es sich nicht um einen Einzelfall handelt.

Im Tierheim werden in letzter Zeit häufig Fundhunde abgegeben, deren Betreuung personalintensiv und teuer ist. Vor einigen Wochen war es ein Schäferhund, der eine abgerissene Achillessehne hatte und dessen blutende Wunde am Hinterlauf in einer Frankfurter Klinik operiert werden musste. Vor einigen Tagen war es ein 16 Jahre alter Dackel, der von seinem Besitzer bei minus drei Grad nachts an den Zaun des Tierheims gebunden wurde.

Solche Fundtiere brauchen viel Pflege und Zuwendung. Der Dackel war die ersten Tage völlig apathisch, der Jagdhund zutiefst verstört. Seine vereiterte Wunde muss derzeit dreimal am Tag gespült werden, und er braucht Antibiotika. Das Tierheim ist auf solche Fälle nur begrenzt eingerichtet. „Wir sind keine Tierklinik“, sagt Zentgraf.

Die Tierheim-Mitarbeiter werden auch immer häufiger zu Ermittlern. Horst Hieronymus, einer der ehrenamtlichen Hundetrainer des Tierheims und ehemaliger Leiter der Hundestaffel der Darmstädter Polizei, hat in stundenlangen Recherchen den Halter des Schäferhundes mit dem Achillessehnen-Abriss ermittelt. Über den Züchterverband hat er herausgefunden, dass sein Besitzer in Berlin lebt. Der hat angeblich den Hund schon vor einiger Zeit verkauft – eine Adresse des neuen Besitzers konnte er allerdings nicht nennen. „Wir werden ihn schon noch herausfinden“, ist Hieronymus sicher. Er geht auch den anderen Fällen nach. Doch die Chance, das Geld von den Besitzern wiederzubekommen, stehen schlecht. Allein die Behandlung des Dackels kostete 1300 Euro. „Viele Menschen haben nicht einmal genug Geld für Lebensmittel – da bleibt für das Tier nichts mehr übrig“, sagt Hieronymus.

Die Gründe für eine anonyme Abgabe sind unterschiedlich. Manche schämen sich, weil sie mit dem Tier überfordert sind, andere tun es aus Gedankenlosigkeit oder weil sie kein Geld haben, um die Arztkosten zu bezahlen. „Es wäre für alle Beteiligten besser, wenn die Tiere nicht anonym bei uns abgegeben werden“, sagt Zentgraf. Er und seine Mitarbeiter helfen gerne. „Gemeinsam finden wir eine Lösung.“ Beispielsweise würden Hunde von Obdachlosen auch schon mal kostenlos versorgt. Möglich sei auch, die Tierarztkosten durch eine freiwillige Mitarbeit abzuarbeiten.

Im Tierheim geht unterdessen der ganz normale Alltag weiter: Allein in den Hundezwingern sind derzeit 35 Tiere untergebracht. Horst Hieronymus wird zudem versuchen, den Besitzer des verletzten Jagdhunds ausfindig zu machen, der zusammen mit einem anderen Hund in der Nähe der Siemensstraße in Kranichstein gefunden wurde. Und die anderen Mitarbeiter werden mit viel Geduld nach und nach ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Fundhunden aufbauen. Das, so viel ist sicher, braucht ganz viel Zeit. ( hin)

Das Tierheim Am Alten Griesheimer Weg 19 ist unter der Telefonnummer 06151/891470 erreichbar.

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