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Vier Zentren beruflicher Bildung

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Bis zu 12 500 Berufsschüler lernen derzeit an sieben verschiedenen Standorten.
Bis zu 12 500 Berufsschüler lernen derzeit an sieben verschiedenen Standorten. © Claus Völker

Die Berufsschulen werden sortiert und gebündelt. Aus sieben Standorten sollen nur noch Vier werden. Zum ersten Mal wagen sich die Stadt und der Landkreis an dieses Projekt.

Sieben Standorte (sechs in Darmstadt, einer in Dieburg), 12 000 bis 12 500 Schüler aus ganz Südhessen, 500 Lehrer, unzählige Ausbildungsberufe, sich stetig verändernde Anforderungen an Betriebe und Lehrlinge, ein seit Jahrzehnten akuter Nachholbedarf bei der Sanierung: Berufsschullandschaft und Kommune stehen vor großen Herausforderungen.

Erstmals nehmen die Stadt und der Landkreis das heiße Eisen gemeinsam in die Hände und haben sich darauf verständigt, Angebote zu bündeln, um konkurrierende Berufsfelder zu verhindern und die Ausbildung auf maximal vier Zentren – drei in der Stadt, eines in Dieburg – zu konzentrieren.

So sollen die Außenstellen nach und nach abgebaut werden. Die beiden Schuldezernenten, Rafael Reißer (CDU) und Christel Fleischmann (Grüne), erläuterten nun die Beweggründe für dieses erste abgestimmte Vorgehen der Schulträger und skizzierten die künftige Berufsschullandschaft.

Zusammenführug der grünen Berufe

Reißer räumte ein, die bauliche Situation der sechs Schulen sei „stiefmütterlich“ behandelt worden. Die nun – auch mit Schulleitungen, Staatlichem Schulamt und Kultusministerium – vereinbarten Eckpunkte für die Berufsschulentwicklungsplanung sehen außer der Konzentration auf drei Zentren vor, mehrfach angebotene Berufsfelder zusammenzulegen, so zum Beispiel Friseure, Tischler, Metallbauer und Industriemechaniker.

Als gelungenes Beispiel nannte Fleischmann das Zusammenführen der sogenannten grünen Berufe (Gärtner, Landwirt, Florist) in Dieburg. Dorthin war im August 2009 mit rund 300 Schülern aus ganz Südhessen die Außenstelle der Behrensschule gezogen. Der Kreis-Schuldezernent erinnert sich an „deutlich höhere Widerstände“, als sie aktuell spürbar seien und ist der Ansicht, ein gemeinsamer Berufsschulentwicklungsplan sei „durchaus ein Thema“.

Räumliche Grenzen würden, außer von der Politik, nicht mehr als solche wahrgenommen, wie sich auch an der Verteilung an den Darmstädter Berufsschulen zeige: 20 Prozent der Schüler aus Darmstadt, 50 Prozent aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, je 10 aus den Kreisen Bergstraße, Groß-Gerau und dem Odenwaldkreis.

Reißer und Fleischmann sagten, die Atmosphäre in der unter fachlicher Begleitung von Uwe Fasshauer (Pädagogische Hochschule Schwäbisch-Gmünd) das Konzept ausarbeitenden internen Arbeitsgruppe sei „supergut“ gewesen. Das stimme optimistisch, um die exakte Verteilung der Berufsbilder bis März in trockene Tücher zu bringen. Fleischmann betonte, der Kreis sei bereit, das Zentrum Dieburg um einen weiteren Fachbereich baulich zu erweitern. Welche Berufsfelder infrage kämen, sagte er nicht.

90 Millionen Euro

Reißer kündigte an, die Finanzierung des schulpolitischen Kraftakts werde „in den nächsten Tagen“ geklärt. Er sei im Gespräch mit einem Investor, der Erfahrungen in erfolgreicher Schulbausanierung habe – die Rede ist von der Helaba-Tochter OFB.

Bei Projekten dieser Größenordnung – Reißer nannte einen Betrag von 90 Millionen Euro („das ist die oberste Grenze“) – müssten externe Fachleute, zugleich aber auch Kämmerer und Immobilienmanagement gefragt werden. Mit welcher Methode die Finanzierung gestemmt werden soll, sei offen: in Eigenregie oder mit Hilfe öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP). Reißer verwies auf gute Erfahrungen im Landkreis Kassel, die man sich zum Vorbild nehme.

Als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Direktoren der südhessischen Berufsschulen kann sich Gerhard Bruckmann mit dem Gedanken an eine gemeinsame Schulträgerschaft der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg gut anfreunden. „Daraus ergeben sich Perspektiven, um die Entwicklung der Berufsschullandschaft als fortwährenden Prozess zu sehen“, sagte Bruckmann. Dies sei auch in der Zusammenarbeit mit den Kammern und Innungen von Vorteil. how

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