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Vier Vorschläge für Lilien-Stadion

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Von: Frank Sommer, Claudia Kabel

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Das Stadion am Böllenfalltor.
Das Stadion am Böllenfalltor. © Monika Müller

Stadt und SV 98 stellen vier mögliche Orte für den Stadionneubau vor. Keiner ist ohne Nachteile: Überall müssten Wald oder landwirtschaftliche Flächen verschwinden.

Ein erster, ganz wichtiger Schritt ist getan“, sagt Rüdiger Fritsch, Präsident des SV Darmstadt 98. Die Stadt und der Verein haben sich auf vier Standorte geeinigt, an denen ein Neubau für ein bundesligataugliches Stadion möglich sei.

Ein Neubau ist notwendig, da ein Ausbau des bestehenden Stadions am Böllenfalltor wegen rechtlicher Einsprüche nicht möglich ist.

Das neue Stadion soll eine Kapazität zwischen 20 000 und 25 000 Zuschauern haben und eine Fläche von rund 18 Hektar, davon knapp zehn Hektar Parkfläche, besitzen. Ein besonderes Augenmerk legen Stadt und Verein auf die verkehrliche Anbindung und dass keine Nutzungskonkurrenz mit anderen Projekten entsteht.

Zwölf mögliche Standorte in und um Darmstadt haben Stadt und Verein gemeinsam mit dem Planungsbüro Albert Speer und Partner geprüft, vier sind in die engere Wahl gekommen. „In den nächsten vier, fünf Monaten werden wir diese Standorte eingehend prüfen“, sagt Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne); noch vor der Sommerpause sollen die Stadtverordneten über einen finalen Vorschlag beraten.

Wenig überraschend ist der Standort Arheilgen-West gegenüber der S-Bahnstrecke in der engeren Auswahl; auch der Standort Gehaborner Hof bei Weiterstadt an der A5 wird untersucht. Ein weiterer möglicher Standort für das Stadion liegt südlich der B26, direkt an das Telekom-Gelände angrenzend. Auch Darmstadts Süden, an der A5 zwischen Eberstadt und Pfungstadt, ist im Gespräch.

„Egal, wo das Stadion gebaut wird, wir werden überall in Flächen eingreifen müssen“, sagt Partsch. Keiner der Standorte sei ohne Nachteile, alle werden bisher land- oder forstwirtschaftlich genutzt. In Arheilgen-West befindet sich nur ein geringer Teil der benötigten Fläche in städtischem Besitz; außerdem verläuft eine Hochspannungsleitung durch das Gebiet. Die Fläche südlich der B26 ist bisher als Bannwald vorgesehen, ein Stadionneubau würde einen erheblichen Waldeinschlag bedeuten. Von Vorteil dagegen wäre, dass sich nahezu das komplette Gebiet in städtischer Hand befinde. Auch in Eberstadt gehört zwar das vorgesehene Gelände der Stadt, allerdings wären für die verkehrliche Anbindung umfangreiche Absprachen mit der Deutschen Bahn nötig. Am Gehaborner Hof hat schließlich Weiterstadt die Planungshoheit; zudem müsste mit der Autobahndirektion wegen einer eigenen Abfahrt von der A5 verhandelt werden.

„Es gibt überall noch erhebliche Fragen zu klären“, sagt Partsch. Genaue Zahlen zum Flächenankauf oder für den Neubau wollen weder Partsch noch Fritsch nennen. Es werde von dem Investitionsvolumen ausgegangen, das auch für den Umbau am Böllenfalltor vorgesehen war, sagt Partsch.

Während Fritsch betont, dass der Neubau vornehmlich ein Projekt von Stadt und Verein sei, sagt Partsch, dass auch Gespräche mit Dritten als Investoren gesucht würden.

Vom Böllenfalltor müssen sich die Fußballfreunde nicht verabschieden; Fritsch betont, dass der Verein nach einem Stadionneubau dort seine Heimat haben werde. Ein Verkauf des Geländes zur Refinanzierung des Neubaus sei nicht möglich: Ein Teil des Böllenfalltor-Geländes gehöre dem Land. „Wir werden auch weiterhin einen Sportpark am Böllenfalltor haben“, sagt Partsch, „ansonsten müssten wir im Stadtgebiet neue Sporthallen und -plätze bauen.“

Als Reaktion auf die Präsentation möglicher Standorte erneuerte die SPD ihre Kritik an der „fehlenden Bereitschaft der die Stadtregierung tragenden Fraktionen, sich finanziell an einem Stadionneubau zu beteiligen“, wie der SPD-Stadtverordnete Tim Huß mitteilte. Die SPD hatte gefordert, zehn Millionen Euro für den Stadionbau im Haushalt 2017 einzustellen. Die Haushalte 2016/2017 mit Millionenüberschüssen gäben dies her. Dies war in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung abgelehnt worden. „In diesen wirtschaftlich guten Zeiten muss die Stadt Geld zurücklegen, um in Zukunft einen Stadionneubau finanzieren zu können“, so Huß.

Natürlich stimme der Einwand von Grün-Schwarz, dass man sich auch später um die Finanzierung kümmern könne. Auf einen wirtschaftlichen Aufschwung folge aber immer auch ein Abschwung, der die Einnahmensituation deutlich verschlechtern werde. Hohe Investitionen würden dann vom Regierungspräsidium nicht mehr genehmigt.

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