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Zu viele putzige Pelztiere

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Die Nutrias im Naturschutzgebiet sind zu einem Besuchermagnet geworden.
Die Nutrias im Naturschutzgebiet sind zu einem Besuchermagnet geworden. © Hans Dieter Erlenbach

Die große Nutria-Population bedroht die Natur am Mönchbruchsee. Die Tiere sollten daher nicht mehr gefüttert werden.

Wer am malerischen Mönchbruchsee entlang spaziert, entdeckt dort seltsame Zeitgenossen. Dutzende Nutrias, auch als Wasserratten bekannt, bevölkern das Ufer. Kaum bleiben Spaziergänger stehen, paddeln die braunen Tiere mit ihrem auffallend roten Gebiss ans Ufer, schnuppern an Hosenbeinen und Schuhen, machen Männchen und zeigen keinerlei Scheu. Denn von vielen Passanten werden die Nutrias gefüttert. Das ruft Naturschützer auf den Plan.

Einer von ihnen ist Dietfried Wanka, der seit mehr als 20 Jahren im Naturschutzgebiet Mönchbruch unterwegs ist. „Nutrias sollte man nicht füttern“, sagt er. Manchmal schüttelt er den Kopf, wenn Passanten tütenweise altes, zum Teil verschimmeltes Brot in den Teich schütten. „Die Leute meinen, die Tiere würden alles fressen.“

Spaziergänger füttern Tiere

Streng genommen macht sich jeder strafbar, der Nutrias oder Enten füttert. Denn laut Gesetz ist es ausdrücklich untersagt, in einem Naturschutzgebiet Tiere zu füttern. Darauf hat Helmut Ortwein vom Ortsverband Mörfelden-Walldorf des Naturschutzbundes (Nabu) schon 2010 hingewiesen. Aber ohne Erfolg. „Die werfen sogar Pizza ins Wasser“, empört sich Ortwein, der für den Nabu mit seiner Tochter Ruth das Naturschutzgebiet Mönchbruch betreut. Dabei seien Nutrias Pflanzenfresser.

Damals hat Ortwein 26 Nutrias im Mönchbruchsee gezählt, heute sollen es weit mehr sein, denn die Tiere vermehren sich schnell. Zeitweise seien es mehr als 60 gewesen, kurz vor Weihnachten 32. Aktuell seien viele Nutrias über den Gundbach bis nach Nidda abgewandert, weil es ihnen im Mönchbruchsee wohl zu kalt ist. Doch die Nutrias, da ist sich Ruth Ortwein sicher, kommen wieder zurück.

Optimal für den Mönchbruchsee sei eine einzige Nutriafamilie, die in der Regel zwei bis drei Junge bekomme. Es könnten aber auch mal zehn sein. Würden die Tiere nicht gefüttert, wanderten die Jungen irgendwann in andere Gewässer ab. Dann halte sich der Bestand am Mönchbruchsee in Grenzen. Doch je mehr Futter, umso weniger Tiere wollten den See verlassen.

Nicht nur das achtlos in den See geschüttete Futter bedroht das Gewässer, sondern auch der Kot der Nutrias. Je mehr sie fressen, um so mehr nährstoffhaltige Ausscheidungen produzieren sie. Der kleine See drohe deshalb im Sommer umzukippen, gibt Ruth Ortwein zu bedenken. Dann wäre auch der Fischbestand gefährdet.

Schon heute sei die in einem Graben neben dem See wachsende und vom Aussterben bedrohte Wasserfeder in Gefahr. Denn Nutrias bauen unterirdisch Tunnel zwischen See und Graben, wodurch nährstoffreiches Seewasser in den Graben fließe. Die Wasserfeder brauche aber nährstoffarmes Wasser.

Da Nutrias keine heimische Wildart sind, müssten sie eigentlich von Jägern dezimiert werden, damit sie nicht überhand nehmen. Darauf werde aber verzichtet, weil das den Passanten kaum zu vermitteln sei. (hde)

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