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Zu viele Hürden für Rollis

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Nur mit Hilfe können Rollstuhlfahrer am Luisenplatz in die Straßenbahn einsteigen.
Nur mit Hilfe können Rollstuhlfahrer am Luisenplatz in die Straßenbahn einsteigen. © Claus Völker

Nur ein Teil der Haltestellen in der Stadt ist barrierefrei. Per Gesetz ist die Barrierefreiheit vorgeschrieben, doch die Umsetzung passiert auch in Darmstadt aus finanziellen Gründen nur langsam.

Weiße Rillen auf dem Fußweg, Noppenplatten an Bushaltestellen, abgesenkte Bürgersteige - das sind Hilfsmittel auf Darmstadts Straßen, die behinderten Menschen das Leben einfacher machen. Rillen und Noppen erleichtern die Orientierung für Blinde, Akustische Signale und Vibrationen zeigen an, ob die Ampel rot oder grün ist. Niederflurhaltestellen ermöglichen nicht nur Rollstullfahrern ein einfacheres Einsteigen in Bus und Bahn. Auch Reisende mit Koffern, Eltern mit Kinderwagen und Gehbehinderte mit Rollator freuen sich über den erleichterten Einstieg.

Per Gesetz ist Barrierefreiheit vorgeschrieben, doch die Umsetzung passiert auch in Darmstadt aus finanziellen Gründen nur langsam. "Wir wissen, dass wir viele Defizite haben, versuchen aber, einen Grundstock zu bekommen," sagt Norbert Stoll, Abteilungsleiter für Verkehrsentwicklung im Tiefbauamt. Zunächst würden die Hauptrouten im Stadtgebiet umgebaut.

Wege gut planen

Alfred Konhäuser vom Club Behinderter und ihrer Freunde, Darmstadt und Umgebung (CBF), zieht ein ähnliches Resümee. Die Lage habe sich zwar verbessert, doch nach wie vor seien Rollstuhlfahrer auf Hilfe angewiesen oder müssten Umwege in Kauf nehmen. "Wir müssen vorher gut planen, wohin wir wollen", sagt er. So könnten Rollstuhlfahrer den Nahverkehr nur schlecht nutzen. "Ohne erhöhte Bordsteinkante kommen wir nicht in Bus und Bahn." Laut Tiefbauamt sind von 460 Haltestellen 161 umgebaut. Im Haushalt sei jährlich Geld für fünf bis sechs Haltestellen vorgesehen.

Zentraler Umsteigepunkt ist der Luisenplatz und aus Sicht mobilitätseingeschränkter Menschen ein großes Problem. "Für Blinde ist das eine Sperrzone", sagt etwa Frank Schäfer, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenbundes für Darmstadt und Hessen. Durchgängige Pflasterung und fehlende Leitsysteme erschweren die Orientierung. "Als Blinder merkt man nicht, ob man auf einer Straßenbahnlinie läuft oder nicht", sagt er.

Auch Alfred Konhäuser beklagt die Situation am Luisenplatz. Dort ein- oder auszusteigen sei praktisch nicht möglich. Alternativ gibt es nur die Haltestelle am Schloss mit erhöhtem Bordstein für Geh- und Leitstreifen für Sehbehinderte.

Manchmal ist es jedoch schwierig, die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern und Blinden zu vereinbaren. Für die einen muss es schwellenfrei sein, die anderen brauchen eine durchgehende sensorischen Orientierung. An einigen Stellen in Darmstadt gibt es deshalb Bordsteine, die auf Fahrbahnniveau abgesenkt sind gleichzeitig aber ein Rillenprofil haben, das Sehbehinderte auf den Übergang hinweist. (jule)

Einen Stadtplan, in dem beispielsweise barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Gebäuden eingezeichnet sind gibt es auf der Webseite der Stadt Darmstadt unter www.darmstadt.de.

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