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Viel höheres Defizit als geplant

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Strukturänderungen kündigt Klinikdezernent André Schellenberg fürs Marienhospital an
Strukturänderungen kündigt Klinikdezernent André Schellenberg fürs Marienhospital an © André Hirtz

Das Marienhospital und das Dieburger St. Rochus schreiben rote Zahlen.

Das Marienhospital und St. Rochus Krankenhaus in Dieburg schreiben derzeit nur rote Zahlen. Die Lage im St. Rochus ist sogar schlimmer als bisher bekannt. Beide Häuser gehören seit vergangenen Jahr zur städtischen Klinikum Darmstadt GmbH. Die Aussichten für beide Häuser sind unterschiedlich.

Fragt man den Darmstädter Klinikdezernenten André Schellenberg nach der Situation des Dieburger St. Rochus-Krankenhaus, wird er ganz still, er verweist auf eine Verschwiegenheitserklärung mit dem Bistum Mainz. Doch muss er einräumen, dass die Defizite deutlich über dem liegen, was im Businessplan vorgesehen war. So sollten in den Jahren 2015, 2016 und 2017 zusammen nicht mehr als fünf Millionen Euro Defizit gemacht werden. Dieses Defizit sei aber bereits heute deutlich überschritten. Nach Informationen um weitere fünf Millionen Euro. Offensichtlich hat die damalige Klinikleitung bis zu 3,5 Millionen Euro zu wenig an Sozialversicherungsbeiträgen abgeführt.

Personalabbau hat bereits begonnen

Anscheinend hatte das St. Rochus scheinselbstständige Mitarbeiter beschäftigt – ein Missstand, den die neue Klinikführung abgestellt hat. Auch diese Informationen quittiert Schellenberg mit Schweigen. Insofern beantwortet er auch die Frage nicht, ob eine Strafanzeige erstattet worden sei. Nach Informationen wurde keine Strafanzeige erstattet. Weitere 1,5 Millionen Euro sollen sich aus Rückforderungen der Krankenkassen ergeben.

Die Dimension der finanziellen Schieflage der Dieburger Klinik ist den Verantwortlichen erst nach dem Kauf deutlich geworden. Das finanzielle Risiko wurde im August 2015 mit fast 17 Millionen Euro beziffert. Dennoch sagt Schellenberg: „Es war richtig das St. Rochus und das Marienhospital zu kaufen.“ Wie berichtet, läuft für das St.- Rochus seit Anfang des Jahres ein sogenanntes Schutzschirmverfahren, das heißt unter anderem: Über einen Zeitraum von drei Monaten zahlt die Löhne die Bundesagentur für Arbeit.

Dieses Schutzschirmverfahren sei nur möglich, betont Klinikdezernent Schellenberg, „weil wir eine positive Fortführungsprognose haben“. Vor allem mit den lukrativen Bereichen Weaning (Entwöhnung von der künstlichen Beatmung) und mit dem Linksherzkatheter. Allerdings liegt das Linksherzkatheder-Labor, für das mal 1,5 Millionen Euro investiert worden waren, seit gut drei Jahren still. Mit Unterstützung des Kreiskrankenhauses in Groß-Umstadt hatte das Labor betrieben werden sollen, nach einem Streit wurde die Kooperation beendet.

Da allerdings der Herzkatheter so lange stillsteht, ist eine neuerliche Betriebserlaubnis des hessischen Sozialministeriums nötig. Wenn die Genehmigung ausbleibt, „müssen wir den Businessplan neu justieren“, sagt Schellenberg. Dann werde es noch schwieriger. Mit dem Kauf ist ein Bestandsschutz von fünf Jahren für das St. Rochus vereinbart worden. Laut Schellenberg schließt dieser aber keinen Kündigungsschutz mit ein. Bereits unter dem katholischen Träger sind 40 Mitarbeiter abgebaut beziehungsweise in eine Transfergesellschaft überstellt worden.

Auch das Darmstädter Marienhospital, das Teil des Kaufpaketes war, wird das Jahr 2015 mit einem Defizit abschließen, mit einem Minus von 2,5 Millionen Euro. Auch dieses Ergebnis fällt wohl schlechter aus, als geplant. „Wir haben hier eine so gute Struktur und solch ein Zukunftspersonal, das macht uns nicht nervös.“ Allerdings müsse es Strukturänderungen geben. So hat der Personalabbau auch schon begonnen. Nach Angaben von André Schellenberg sollen 17 Mitarbeiter (vorwiegend Reinigungs- und Küchenpersonal) des Marienhospitals „zum Klinikum Darmstadt oder in das Tochterunternehmen SSG wechseln“. Elf Verträge seien bereits abgeschlossen, sechs weitere Verträge befänden sich noch in Verhandlung. (ers)

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