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Verkehrsplan in der Warteschleife

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Klaus Peter Schellhaas (SPD) ist Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg.
Klaus Peter Schellhaas (SPD) ist Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg. © Privat

Streitpunkt Nordostumgehung: Die Verabschiedung des Verkehrsentwicklungsplans lässt weiter auf sich warten. Klaus Peter Schellhaas, Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg, setzt jetzt auf die Stimmen der CDU.

Herr Schellhaas, der Verkehrsentwicklungsplan sei nur noch Altpapier, sagen die Darmstädter Grünen. Dass er gestern nicht wie geplant verabschiedet wurde, könnte das unterstreichen.

Soll ich dazu wirklich was sagen? (lacht).

Ja, bitte. Die Frage ist doch, warum der Plan im Kreistag nicht zur Abstimmung stand, wo er doch fertig ist und als „alternativlos“ bezeichnet wurde.

Die CDU sagt, dass sie mit stimmen will, ihr aber noch Unterlagen fehlen. Ich komme dem nach, weil ich mir wünsche, dass dieser Plan mit einer breiten Mehrheit im Kreistag beschlossen werden kann. Deshalb habe ich die Abstimmung in die nächste Wahlperiode verschoben. Wir haben da keinen Zeitdruck.

Sind Gründe auch bei der rot-grünen Kreiskoalition zu suchen?

Nein. Wir entscheiden ja mit dem Plan nicht, ob die Nordostumgehung kommt oder nicht. Das Papier sagt lediglich, dass sie notwendig ist. Die Darmstädter Grünen haben sich nicht wirklich mit den Inhalten unseres Verkehrsentwicklungsplans beschäftigt.

Wird der Verkehrsentwicklungsplan überarbeitet, wenn die Nordostumgehung beerdigt werden sollte?

Warten wir ab, wie das Verfahren ausgeht, ob Darmstadt wieder einmal bei Null anfangen muss. Es würde uns aber Jahre zurückwerfen. Ich gehe davon aus, dass irgendwann die Vernunft in Darmstadt siegt. Die Nordostumgehung dient doch nicht allein dem Interesse des Landkreises. Sie ist für Darmstadt genauso bedeutend. Wer für die Region Politik machen will, muss sie im Blick haben. Dazu braucht es auch ein bisschen Weitsicht. Daran aber fehlt es den Darmstädter Grünen ebenso wie an Verantwortungsbewusstsein für die Region.

Das Angebot einer finanziellen Unterstützung steht noch im Raum.

Dieser Ball ist von Darmstadt nie aufgenommen worden, das wundert mich heute noch. Aber das Angebot, die Region mit in die Verantwortung zu nehmen, steht nach wie vor. Die Nordostumgehung ist die wichtigste Infrastrukturmaßnahme für die Region und für Darmstadt. Deshalb sind wir bereit, flankierend zu helfen.

Könnte die Region Darmstadt nicht einfach links liegen lassen?

Natürlich nicht. Aber genauso selbstverständlich darf Darmstadt die Region nicht links liegen lassen. Am Lückenschluss in Darmstadt und damit der Nordostumgehung führt kein Weg vorbei.

Sie haben ans Darmstädter Verantwortungsbewusstsein appelliert. Galt das nur den Grünen dort?

Das galt nur den Grünen in Darmstadt. Darmstadt allgemein auf keinen Fall. Ich bin ein Kind dieser Stadt, bin in Darmstadt zur Schule gegangen, habe hier studiert. Mein Arbeitsplatz ist in Darmstadt. Ich nehme kulturelle Angebote in Darmstadt wahr wie Darmstädter Angebote im Landkreis wahrnehmen. Diese Region lebt zusammen – Darmstadt ist eine Stadt umgeben von Freunden.

Wie steht es um die Darmstädter Rolle als Oberzentrum?

Diese Region braucht ein Oberzentrum. Das kann zwischen den Ballungsräumen Rhein-Main und Rhein-Neckar nur Darmstadt sein. Wir würden das Oberzentrum auch gern in dieser Rolle mehr unterstützen. Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied, unser Kreis hat für starke Glieder in der Kette gesorgt – in Darmstadt geht aber nichts voran. Schmucke Titel auf Ortsschildern und nette Innenstadt-Events reichen nicht aus, da muss mehr kommen! Denn: Was die Verantwortlichen in Darmstadt in den vergangenen Jahrzehnten an Altpapier produziert haben, ist unter Mitverantwortung der Darmstädter Grünen entstanden.

Stimmt der Vorwurf, die Region bediene sich Darmstädter Dienstleistungen, ohne etwas beizutragen?

Das ist Unsinn. Schwimmbäder, Naherholung, kulturelle und musikalische Angebote, Theater und Ausstellungen und vieles mehr gibt es auch im Landkreis. Ist das nichts? Das ist keine Einbahnstraße. Menschen aus der Region sorgen in Darmstadt für Wertschöpfung, Darmstädter umgekehrt auch in der Region. Was die Darmstädter Grünen da behaupten, wollen die Menschen nicht hören. ( tim)

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