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Der vergessene Sohn

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Klaus-Joachim Rink will   den Lokalpolitiker Aloys Georg Rink in den Fokus rücken.  Das Foto zeigt ihn rechts sitzend.
Klaus-Joachim Rink will den Lokalpolitiker Aloys Georg Rink in den Fokus rücken. Das Foto zeigt ihn rechts sitzend. © M. Müller

Rödermark Klaus-Joachim Rink forscht über seinen Großvater und Ehrenbürger

Von Nina Lenhardt

Schwarzweiße Fotos schmücken den Wohnbereich, über dem Kamin hängt Steinzeug, in der Mitte ein großer Wandteller mit dem „Wappen der Familie Rink“. Das Symbol mit dem Buch, den Krügen und Ringen hat Klaus-Joachim Rink vor 30 Jahren anfertigen lassen, etwa zu der Zeit, als er begann, die Familienhistorie zu recherchieren.

Vor allem dem Lebenslauf seines Großvaters, dem ehemaligen Politiker und Urberacher Ehrenbürger Aloys Georg Rink, widmet sich Klaus-Joachim Rink seit fünf Jahren intensiv. Er nennt ihn den vergessenen Sohn Urberachs.

Beim Durchsehen der verschiedenen heimatgeschichtlichen Publikationen – veröffentlicht durch die Stadt, den Heimat- und Geschichtsverein und die SPD – sei ihm aufgefallen, dass der vor 40 Jahren gestorbene Großvater nicht immer erwähnt werde. Dabei sei er doch ein „Mann der ersten Stunde“ gewesen, weil er 1946 sofort im Hessischen Landtag für die SPD tätig wurde. Zudem habe er mehrere Ortsvereine der Partei ins Leben gerufen, sagt Rink der selbst Mitglied der SPD und im Geschichtsverein ist.

Falsche Angaben

Zudem hat der pensionierte Lehrer für Sport und Polytechnik bei seinen Recherchen, in Nachschlagewerken und Chroniken falsche Angaben über seinen Großvater entdeckt. Zum Beispiel sei dieser in Wirklichkeit in Groß-Umstadt gestorben und nicht in Urberach, der Taufname sei Aloys Georg und nicht Georg Aloys Rink. „Das muss aufgearbeitet werden“, äußert er sich dazu, „und die Erkenntnisse, die ich bis heute gesammelt habe, müssten eingearbeitet werden.“

In anderen Städten sei es üblich, etwas über Galionsfiguren – als solche bezeichnet Rink seinen Großvater – zu dokumentieren. „Wenn es nicht dokumentiert wird, kann es auch nicht gewusst werden“, sagt Rink. Zwar würden die Urberacher die „Georg-Alois-Rink-Straße“ kennen, die die Kurt-Schumacher-Straße mit dem Hallhüttenweg verbindet, nicht aber den Namensgeber. „Für mich ist das enttäuschend“, sagt Rink, der selbst fünffacher Großvater ist.

Es gehe ihm nicht um seinen Großvater alleine, betont der 1947 geborene Enkel. Auch andere Nazi-Gegner aus Urberach und die Arbeiterbewegung würden in den Veröffentlichungen zur Stadthistorie vernachlässigt. Das störe ihn. Einiges sei vielleicht auch bewusst weggelassen worden, wegen der konservativen Ausrichtung im Rathaus und „innerparteilicher Gründe“ in der SPD, meint Rink. Er sei enttäuscht, dass man bisher nicht wegen einer Publikation über seinen Großvater auf ihn zugekommen sei.

Die Vorsitzende des Heimat-und Geschichtsvereins, Patricia Lips, sagt, sie arbeite seit 20 Jahren mit Rink in Gremien zusammen: „Ich bin verwundert, dass Herr Rink sich nicht geäußert hat.“ Der Verein könne nur auf Material zurückgreifen, dass die Familien bereitstellen. Es sei kein böser Wille gewesen, wenn der Großvater möglicherweise bei der Erstellung einer Publikation „durchgeflutscht“ sei. Sie sehe den Großvater aber genauso wie die anderen Ehrenbürger behandelt. Nach ihrem Urlaub möchte sich Lips mit der Stadt und Rink zusammensetzen, um „die Wogen zu glätten“.

Fragt man Rink nach Erinnerungen an seinen Großvater, so sagt er: „Er war ein ausgeglichener Mann mit großem Gerechtigkeitsempfinden.“ Eines der schönsten Erlebnisse sei gewesen, als er von ihm ein Fahrrad geschenkt bekommen habe: „Das war damals schon etwas Besonderes.“

Seine Recherchen will Rink weiter betreiben, denn es tauchten immer wieder neue Quellen auf. Er wolle die Zusammenhänge zwischen Familiengeschichte und Zeitgeschichte verstehen, sagt er. Im nächsten Jahr will er in die Heimat der Großmutter fahren, in das heutige Tschechien. Und falls es seine Recherchen hergeben, plant Rink auch eine eigene Veröffentlichung in Buchform.

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