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Verfremdete Plakate mit FDP-Chef Lindner in Darmstadt

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Von: Jens Joachim

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Auch an der Pallaswiesenstraße hing ein neu gestaltetes Plakat mit dem Konterfei von FDP-Chef Lindner.
Auch an der Pallaswiesenstraße hing ein neu gestaltetes Plakat mit dem Konterfei von FDP-Chef Lindner. © Maria-Antonia Lothringen

Das Kunstaktionskollektiv „Dies Irae“ wirbt an Haltestellen mit dem Bild des FDP-Bundesvorsitzenden und amtierenden Bundesfinanzministers für den Erhalt des Neun-Euro-Tickets.

Darmstadt – Auch Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) war etwas verblüfft, als er am Wochenende in der Innenstadt Plakate mit dem bekannten Schwarz-Weiß-Bild des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner erspäht hatte. „Ist denn schon wieder Bundestagswahl?“, sei ihm zuerst in den Sinn gekommen, sagte Partsch am Montag (29. August) der FR.

Doch beim zweiten Hinschauen und beim Lesen der magentafarbenen Zeilen erkannte auch das Darmstädter Stadtoberhaupt, dass es sich bei dem an einer Haltestelle angebrachten Plakat um eine Fälschung handeln musste.

Darmstadt: Lindner-Plakate tauchten am Wochende auf

Attacikka Darmstadt, die Jugendgruppe der globalisierungskritischen Bewegungsorganisation Attac, teilte am Wochenende mit, seit der Nacht von Freitag (26. August) auf Samstag (27. August) seien die Plakate mit dem Konterfei des FDP-Vorsitzenden und Bundesfinanzministers in zahlreichen Werbekästen in der Innenstadt zu sehen gewesen.

Angebracht worden seien die Plakate von der Aktivistin Maria-Antonia Lothringen vom Künstler:innen- und Aktionskollektiv „Dies Irae“ an den Haltestellen:

Auf den großen Postern war im Werbedesign der FDP in Anlehnung an Lindners Faible für die deutsche Sportwagenmarke zu lesen: „#9EuroTicket: Kein Geld für den ÖPNV? Sollen sie doch Porsche fahren.“ Die gefälschten Plakate des Künstler:innenkollektivs waren zuvor schon in mehreren deutschen Städten aufgetaucht und waren auch schon Anlass für Ermittlungen des polizeilichen Staatsschutzes.

FDP-Plakataktion Teil einer Kampagne: In Darmstadt wird für den Erhalt des 9-Euro-Tickets gekämpft

Grund für die nächtliche Plakatieraktion war der bundesweite Aktionstag eines Bündnisses, das sich am vergangenen Samstag (27. August) für den Erhalt des Neun-Euro-Tickets eingesetzt hatte. Für das Bündnis sammelten am Samstagmittag außerdem auch Verkehrswendeaktivistinnen und -aktivisten auf dem Luisenplatz Unterschriften. Die Aktivist:innen seien dabei mit einer tragbaren Straßenbahn kostümiert gewesen, berichtete Jakob Migenda von Attacikka Darmstadt.

DAS AKTIONSKOLLEKTIV

Dies Irae, der Name des Künstler:innenkollektivs, bedeutet auf lateinisch „Tag des Zorns“ und ist der Anfang eines mittelalterlichen Hymnus über das Jüngste Gericht. Das Kollektiv bezieht sich auf die Kunstform des „Adbusting“. Dabei wird ein echtes Plakat teilweise überklebt oder ein neuer Text hinzugefügt. Die Gruppe hatte in der Vergangenheit bereits Plakate der CDU und der AfD verändert.

Laut Migenda habe das Neun-Euro-Ticket in den vergangenen drei Monaten „gezeigt, dass ein kostengünstiger Nahverkehr für alle möglich ist“. Wenn es SPD und Grüne wirklich ernst mit einer ökologischen und sozialen Politik meinen würden, dann „müssen sie der kleinsten Partei in der Bundesregierung endlich Einhalt gebieten“.

9-Euro-Ticket Aktion in Darmstadt: Satire kommt auch direkt bei der FDP an

Der Darmstädter FDP-Vorsitzende Christoph Rohloff teilte zu der Aktion mit: „Ja, Satire darf provozieren, sollte gut gemacht sein und darf nicht lügen.“ Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) müsse derzeit jedoch steigende Energie- und Personalkosten sowie eine erhöhte Nachfrage gleichzeitig stemmen. Eine ausreichende Finanzierung des ÖPNV sei hierfür die Voraussetzung.

Die FDP setze sich daher für landes- und bundesweite einheitliche Tarifstrukturen, eine verbesserte Taktung nach Bedarf, WLAN-Zugänge und für integrierte Mobilitätsangebote ein. Dies, so Rohloff, seien „sinnvolle und zukunftsweisende Maßnahmen“, die die Verkehrs- und Energiewende im ÖPNV vorantreiben könnten. Mit einem so gut wie kostenlosen ÖPNV würde dies vor allem im ländlichen Raum für die ohnehin stark belasteten Kommunen jedoch „leider nicht mehr alleine finanzierbar sein“. (Jens Joachim)

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