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Vereine sind verzweifelt

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Lauftraining bei Rot-Weiß Darmstadt: Die Mitglieder zahlen  zwei Euro mehr pro Monat.
Lauftraining bei Rot-Weiß Darmstadt: Die Mitglieder zahlen zwei Euro mehr pro Monat. © Roman Grösser

So lange Regierungspräsident Baron den Haushalt der Stadt Darmstadt nicht genehmigt, darf die kein Geld mehr für Sport und Kultur überweisen.

In Darmstadts Vereinen ist die Finanzlage schlecht. Seit Jahresbeginn warten sie auf Zuschüsse der Stadt. „Es gab noch keinen Cent“, sagt Wilhelm Roth, Vorsitzender der SG Eiche. Auch die im Mai von Kämmerer Wolfgang Glenz (SPD) zugesagte Abschlagszahlung ist ausgeblieben. Beitragserhöhungen, überzogene Konten samt hohen Zinsforderungen und Überlegungen, Abteilungen zu schließen, sind die Folgen. „Es sieht sehr schlimm aus“, beschreibt Harry Distelmann, Vorsitzender von Rot-Weiß Darmstadt, die Situation.

Für Juni war ein Teil der Zuschüsse angekündigt worden. Das Stadtparlament hatte Ende Mai den Haushalt verabschiedet, in den vergangenen Jahren war es üblich, dass dann ein Abschlag überwiesen wurde. Nicht so in diesem Jahr. „Der Regierungspräsident hat das abgelehnt“, sagt Glenz. Wilhelm Roth und seine Kollegen können das nicht verstehen, immerhin erfüllten die Vereine eine gesellschaftliche Aufgabe.

Doch der Regierungspräsident bleibt hart. „Bei einer vorläufigen Haushaltsführung sind Abschläge nicht möglich“, begründet sein Sprecher Gerhard Müller das Nein. Die Stadt darf erst Geld für freiwillige Leistungen ausgeben, wenn die Behörde den Etat genehmigt hat. Mit dieser Zustimmung rechnet Müller im Laufe des Monats. Doch entspannen dürfte sich die Lage auch dann nicht. Es ist offen, wie viele Zuschüsse der Regierungspräsident genehmigt.

Die Vereine rechnen mit einer Kürzung von 30 bis 50 Prozent. Bis zu sechs Millionen Euro könnten dieses Jahr fehlen. Besonders trifft es Vereine mit eigenen Sportanlagen, wo die gestiegenen Energiekosten zu Buche schlagen. So kalkulierte Darmstadts größter Verein, die SG Arheilgen, Anfang des Jahres einen Betrag von 120?000 Euro für Fernwärme ein. 60?000 Euro sollte es dafür von der Stadt geben. Ein Energiekostenzuschuss von 22?000 Euro hätte Rot-Weiß Darmstadt zugestanden, zudem 4000 Euro für die Jugendarbeit. Doch Vorsitzender Distelmann rechnet nur noch mit 10?000 Euro. Um die Lücke zu schließen, hat er die Mitgliedsbeiträge um zwei Euro pro Monat erhöht. Langfristig sei das aber keine Lösung. „Wenn sich von Seiten der Stadt nichts ändert, sehe ich schwarz“, sagt Distelmann.

Auch Heinz Schneemann, Finanzvorstand von der TSG 1846 Darmstadt, muss rechnen. Zwei Hallen, Tennis- und Sportplätze hat er zu verwalten, 100?000 Euro sollte der Zuschuss betragen. Noch lebt der Verein von der Substanz. „Wenn sich nichts ändert, müssen wir überlegen, das Angebot zu straffen“, sagt Schneemann. Eine andere Möglichkeit wäre die Kooperation mit anderen Vereinen etwa bei Rollsport und Fußball.

Die wenigsten Vereine haben so viele Rücklagen wie die TSG. „Weil die Zuschüsse ausbleiben, müssen wir die Bank vertrösten“, sagt Wilhelm Roth von der SG Eiche. Auch kulturschaffende Vereine wie die Bessunger Knabenschule sind betroffen. Zwar decken die Einnahmen die laufenden Kosten, doch steht der Verein mit 50?000 Euro in der Kreide, um die Gehälter bezahlen zu können.

Kämmerer Glenz hatte sich für Kulanz eingesetzt und der Sparkasse empfohlen, bei der Überziehung der Vereinskonten nachsichtig zu sein. Aber auf den kompletten Überziehungszins will die Bank nach Angaben von Sprecher Peter Lehr nicht verzichten. Für ein Minus innerhalb des Kreditrahmens zahlen die Vereine 11,75 Prozent. Wird der überzogen, verzichtet die Sparkasse immerhin auf die dann eigentlich fälligen zusätzlichen fünf Prozent.( rf)

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