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Verbraucherschutz mit Herzblut

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Für Gabriele Beckers ist Verbraucherschutz eine Leidenschaft gewesen.
Für Gabriele Beckers ist Verbraucherschutz eine Leidenschaft gewesen. © Guido Schiek

Die Verbraucherschützerin Gabriele Beckers geht in den Ruhestand. Über 30 Verbraucher-Projekte hat sie verwirklicht. Besonders wichtig waren ihr die Altersversorgung von Frauen, Schuldnerberatung, Rad-Mobilität und Verbraucherbildung.

Früher waren die Beraterinnen der Darmstädter Verbraucherzentrale Alleskönnerinnen. Sie wussten, wie man Rotweinflecken entfernt, Marmelade einkocht, Knopflöcher näht und ein Haushaltsbuch führt. Heute sind sie akademisch gebildete Expertinnen und Experten für Versicherungs-und Rechtsfragen, Datenschutz, Energieberatung, Baufinanzierung und Altersvorsorge.

Gabriele Beckers (65) hat die zunehmende Spezialisierung nicht nur miterlebt, sondern auch beeinflusst. Als Beraterin fing sie am 1. November 1989 in der Darmstädter Verbraucherzentrale an. Acht Wochen später wurde ihr schon deren Leitung anvertraut. Im Lauf von zwölf Jahren zog sie mit der Beratungsstelle mehrmals innerhalb des Stadtgebiets um. Erst 2001 war diese aufreibende Odyssee beendet, das seitherige Domizil am Luisenplatz 6, in der Carreegalerie, konnte bezogen werden.

Acht Beratungsstellen

Zum 31. Dezember 2002 verließ Beckers ihr Büro mit dem 1a-Blick auf den Langen Ludwig, um in der Frankfurter Verbraucherzentrale, die für acht Beratungsstellen in Hessen zuständig ist, die Arbeit als stellvertretende Geschäftsführerin anzunehmen. Doch ihr Lebensmittelpunkt und der ihrer Familie blieb Darmstadt. „Ich bin mit Herzblut gekommen, und ich gehe mit Herzblut“, sagt die scheidende Chefin, die sich mit ihrem beruflichen Abschied noch nicht so recht anfreunden kann.

Über 30 Verbraucher-Projekte hat sie verwirklicht, besonders wichtig waren ihr die Altersversorgung von Frauen, Schuldnerberatung, Rad-Mobilität und Verbraucherbildung. In enger Zusammenarbeit mit Schulen probierte sie erfolgreich neue pädagogische Modelle rund um Ernährung und Internet aus. Auf europäischer Ebene förderte sie ein Onlinemagazin für Verbraucherthemen, das für Jugendliche konzipiert ist.

Auch war sie für die Fortbildung der Berater verantwortlich. Verbraucherzentralen haben eine Marktwächterfunktion. Ihre Mitarbeiter erfahren aus erster Hand, welche Ungleichheiten am Markt herrschen. Sie sammeln diese Fälle und geben sie an ihre Experten in den jeweiligen Bundesländern weiter. Hessen zum Beispiel ist spezialisiert auf den „grauen Kapitalmarkt“.

Die Beratungsstellen entwickeln Standards zum Schutz der Verbraucher, sind mit der Landes- und Bundesregierung vernetzt und mahnen – oft erfolgreich – Verbesserungen an. Als Beispiel nennt Beckers die Buttonlösung im Internet, die gegen Abo-Fallen schützen soll. Aufgewachsen ist Beckers im Ruhrgebiet. Nach ihrer Ausbildung als Ernährungsberaterin studierte sie Erwachsenenpädagogik in Bremen und wollte dort auch politisch aktiv werden, jedoch nicht in einer Partei. Sie sah sich als Kämpferin für die Interessen der Bürger. Nachdem sie einen Lehrgang zum Verbraucherrecht absolviert hatte, wurde sie die Rechtsexpertin für „weiße Ware“ – Kühlschränke, Waschmaschinen, Herde – in der Bremer Verbraucherberatung.

1982 folgte sie ihrem Mann nach Darmstadt, zog die beiden Kinder groß und unterrichtete in der Volkshochschule, bis sie 1989 in der Darmstädter Verbraucherberatung anfing. „Verbraucherschutz war meine Leidenschaft“, sagt sie. „Ein Stück Kür“ seien für sie die beiden Auslandsaufenthalte gewesen, bei denen sie als organisatorische Beraterin beim Aufbau von Verbraucherzentralen in Russland und Ägypten gefragt war. In Berlin wirkte sie als Expertin in Fachgruppen mit.

Ihre Erfahrung, ihr Wissen und ihren Überblick über das schier unerschöpfliche Feld des Verbraucherschutzes nimmt sie nun in den Ruhestand mit. Heute, Donnerstag, 11 Uhr, wird sie am Luisenplatz 6 (Carreegalerie) im Kreise ihrer Wegbegleiter verabschiedet. (pyp)

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