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Verantwortung ist sein Ding

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André Ponzi will sich für die Chancengleichheit von Schülern einsetzen.
André Ponzi will sich für die Chancengleichheit von Schülern einsetzen. © Guido Schiek

André Ponzi aus Darmstadt-Bessungen ist neuer Landesschulsprecher in Hessen und damit Interessenvertreter von rund 850.000 Schülern.

„Schule hat mir nie wirklich Spaß gemacht“, sagt André Ponzi. Er spricht in der Vergangenheitsform, dabei liegt noch ein Jahr vor ihm bis zum angestrebten Abitur. „Die Methode, wie dort versucht wird, Wissen zu vermitteln, hat mir nicht gefallen. Vor allem der strikte Zeitplan stört mich am System Schule. Aber ich hatte immer den Willen, etwas dazuzulernen.“

Für einen, der mit dem System seine Probleme hat, engagiert sich der Bessunger recht stark für die uralte Institution Schule: Ponzi, der auf eine jahrelange Karriere in Schülervertretungs-Gremien zurückblickt, ist Ende Mai zum Landesschulsprecher und damit zum Interessenvertreter von rund 850 000 Schülern in Hessen gewählt worden. „Eine Riesenverantwortung“, sagt er. Und auch sein persönlicher Zeitplan ist seither noch deutlich straffer.

Diese Art von Termindruck liege ihm jedoch, erklärt Ponzi. Im Alter von 13 Jahren war er auf den Geschmack gekommen, sich für die Interessen der Schüler einzusetzen – damals allerdings nicht in Darmstadt, sondern in Rom. Dorthin war seine Familie 2006 aus Darmstadt gezogen: Der Vater stammt aus der italienischen Hauptstadt. André war damals zehn Jahre alt. „Es ist ein Vorteil, dass ich immer neugierig auf solche Abenteuer war“, sagt er im Rückblick. Neue Sprache, neues Lebensgefühl, neue Freunde: „Ich habe es nie bereut.“

Spannend fand André Ponzi auch die ersten Demonstrationen, an denen er noch in Rom teilnahm: gegen Kürzungen im Bildungsbereich. 2012 zog die fünfköpfige Familie zurück nach Bessungen. Wegen Querelen um die Anerkennung seines italienischen Mittelschulabschlusses kam André Ponzi nicht an einer Darmstädter Schule unter, sondern wenige Tage vor Schuljahresbeginn an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Griesheim.

Gegen Privatschulen

Klassensprecher, Delegierter beim Kreisschülerrat, Kreisschulsprecher, Delegierter bei der Bundesschülerkonferenz – Ponzis Marsch durch die Institutionen kam nun richtig in Schwung. Und nun die Wahl zum Landesschulsprecher. Zudem engagiert er sich bei den Darmstädter Jusos. Was sind seine Ziele? Ein Schlüsselwort ist für Ponzi die Chancengleichheit für alle Schüler. Aus diesem Grund macht er sich etwa für die Abschaffung von Privatschulen stark, an denen Kinder aus betuchteren Familien eine bessere Bildung erhielten.

Vor Kurzem startete eine weitere Kampagne der Landesschülervertretung: „Auslaufmodell Hausaufgaben“. Hausaufgaben, sagt Ponzi, widersprächen wie Privatschulen dem Gedanken der Chancengleichheit. Kinder mit gebildeten Eltern seien klar im Vorteil. Sozial schwache Familien könnten sich auch keinen Nachhilfeunterricht leisten. Ende des Monats gibt es zu dem Thema eine Pressekonferenz im Landtag, am 7. Juli eine Demo in Wiesbaden.

Wer so in die Schulpolitik eingespannt ist, der muss im Privatleben Abstriche machen. Auch das Fußballtraining schaffe er nicht mehr, bedauert André Ponzi. Abends Freunde treffen, das müsse aber noch drin sein. Und wie soll es nach dem Abi 2017 weitergehen? Ein Lehramtsstudium kann sich der Bessunger vorstellen – Politikwissenschaft und Philosophie. Das wäre am Ende dann doch wieder das System Schule. (bad)

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