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V wie vegan

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Björn Moschinski kocht in der Mensa der TU. Vegan und lecker, so sein Credo.
Björn Moschinski kocht in der Mensa der TU. Vegan und lecker, so sein Credo. © André Hirtz

Ein Koch zeigt in der Mensa der TU Darmstadt, wie Essen ohne tierische Produkte gelingt. Der Experte und Aktivist für nachhaltige, gesunde Ernährung ist auf Einladung des Studentenwerks im Rahmen der „Veganen Klima-Woche“ an der TU.

Die Ansichtsexemplare in der Mensavitrine sehen alle ähnlich auf den Teller geworfen aus. Alle Nase lang bleiben Studierende am Dienstagmittag davor stehen und begutachten das Angebot des Tages: Chicken Wings mit Pommes links, Mangold-Kartoffel-Gratin rechts, dazwischen etliche andere Gerichte. Dass eins davon vegan ist und unter Zutun des Kochs Björn Moschinski zubereitet ist, sieht man nicht.

Der 36-jährige Experte und Aktivist für eine nachhaltige, gesunde Ernährung ist auf Einladung des Studentenwerks im Rahmen der „Veganen Klima-Woche“ noch bis Freitag in der Mensa der Technischen Universität (TU) an der Lichtwiese zu Gast. Die Idee dazu kam von Studierendenvertretern. Dabei geht es in erster Linie darum, das Küchenteam weiterzubilden im Kochen ohne jegliche Tierprodukte.

Zwar wird seit 2014 jeden Tag ein veganes Essen in der TU-Mensa angeboten; jeder dritte Besucher wählt fleischlose Speisen. Doch Ulrike Laux, Geschäftsführerin des Studentenwerks und Vegetarierin, möchte das vegane Angebot ausbauen.

Moschinski, seit 20 Jahren Veganer, wirkt da recht zuversichtlich. „Wenn das Essen schmeckt und die Qualität hoch ist, ist es den Menschen egal, was sie essen“, sagt der junge Mann aus Berlin, dessen Dreadlocks unter der Kochmütze zu einem dicken Zopf zusammengebunden sind. Viele schätzten am Fleisch bestimmte Aromen und die Konsistenz. Die vegane Küche biete jede Menge alternativer Produkte, die Fleisch in nichts nachstehen.

Nicht nur eine Frage des Geschmacks

Man nehme zum Beispiel das vegane „Chili sine Carne“. Moschinski lässt hierfür Sojagranulat mit etwas Wasser quellen und brät es so lange in Öl an, dass es Röstaromen entwickelt und knusprig wird. Für das Mangold-Kartoffel-Gratin wurde eine Bechamelsoße auf Basis eines Sojadrinks gekocht und der Auflauf mit veganem Käse überbacken.

Schmeckt das denn wirklich, veganer Käse? „Um ehrlich zu sein, wusste ich gar nicht, dass es veganer Käse ist“, kommentiert Student Patrick. Er findet sowohl das Essen als auch die Aktion gut. Doch er gibt auch zu bedenken, dass die meisten seiner Freunde eher Fleisch wählen würden.

Für Koch Moschinski ist vegane Ernährung nicht nur eine Frage des guten Geschmacks. Er spricht neben tierethischen auch ökologische Aspekte an: Veganes Essen spare jede Menge Wasser, denn die Produktion von einem Kilo Rindfleisch verbrauche von der Wässerung der Futterpflanzen bis Kühlung am Ende der Kette 15 000 Liter Wasser. Auch sei Essen ohne tierische Produkte bekömmlicher. „Es macht voll, aber belastet nicht so.“

Auch was die Küchenpraxis angeht, ist veganes Kochen laut dem Food-Aktivisten kein Hexenwerk. Die Abläufe seien meist nicht anders, sondern in erster Linie die Produkte. Lob gibt es hier für die Mensaküche, da sie einen hohen Anteil an Frischware habe.

Also alles Friede, Freude, veganer Eierkuchen? Nicht ganz. Vegane Gerichte seien nicht nur auf Gegenliebe gestoßen, berichtet Mensaküchenleiter Christoph Löwel. Gefordert sei es heutzutage dennoch. Moschinski habe schon das eine oder andere Aha-Erlebnis beschert. Die Produkte, die der Berliner Koch empfehle, seien günstiger und besser.

„Mir geht es in erster Linie darum, die Köche zu motivieren“, betont Moschinski. „Und bewusst zu machen, dass es auch lecker sein kann ohne tierische Produkte.“ Die entsprechende Botschaft trägt er die ganze Zeit auch mittels Tattoo auf dem Unterarm mit sich herum: v wie vegan. (aw)

„Hier und jetzt vegan“ heißt der Vortrag, den Björn Moschinski am Donnerstag, 9. Juli, um 16 Uhr in der Mensa der TU (Otto-Berndt-Halle, Alexanderstraße 4) hält.

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