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Unterwegs mit Mikrofon

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Junge Radiomacher aus Groß-Gerau bei Radio Radar.
Junge Radiomacher aus Groß-Gerau bei Radio Radar. © Giudo Schiek

Achtklässler der Luise-Büchner-Schule machen Radio in Darmstadt. Ziele des Radio-Unterrichts seien „Wissens- und Bewusstseinserweiterung“, so LBS-Lehrer Sprenger und Redakteur Wetzel.

Fairer Handel ist nicht selbstverständlich. Dies lernten Schüler der Luise-Büchner-Schule am Beispiel der Handyproduktion in den armen Ländern der Erde. Ihre Einsichten bündelten sie in einer Radiosendung.

Dass manche Produkte, die in Deutschland zu kaufen sind, unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden, ist der hässliche Teil der globalen Wirtschaft: Dies lernten Achtklässler der Luise-Büchner-Schule (LBS) anhand intensiver Recherche sowie durch Information des Entwicklungspolitischen Netzwerks Hessen (EPN). Politiklehrer Philip Sprenger hat die brisante Thematik in Kooperation mit Vincent da Silva vom EPN in den Unterricht geholt, um kritisches Bewusstsein zu wecken.

Höhepunkt: Drei Tage lang arbeiteten die Dreizehn- und Vierzehnjährigen im Studio von Radio Darmstadt (Radio Radar) unter Anleitung des Gastredakteurs Nils Wetzel. Sie setzten ihre Recherchen in Hörspielszenen um und flankierten sie mit Straßeninterviews. Gestern nachmittag sollte ihre Sendung zum Thema „Fair Trade“ am Beispiel der Handyproduktion in ärmsten Ländern der Erde über den Sender gehen. Vorher war das Gewusel im Radiostudio groß.

Ziele des Radio-Unterrichts seien „Wissens- und Bewusstseinserweiterung“, so LBS-Lehrer Sprenger und Redakteur Wetzel. „Wo Gewinnmaximierung Priorität hat, werden Menschenrechte oft missachtet“, ergänzte Vincent da Silva. Die drei erläuterten, dass das kritische Hinterfragen von Konsum gestärkt werde, indem Kenntnisse über unfaire Wirtschaftswege vermittelt würden. Zum anderen gehe es um Stärkung des Selbstvertrauens durch Einblick in professionelle Medienarbeit.

Die Schüler waren angetan, den Umgang mit Mikrofon, Aufnahme- und Schneidetechnik zu lernen und am Ende ihre eigenen Stimmen auf den Probebändern zu hören. Zugleich packte sie die Thematik um fairen Handel, denn kaum einer hatte zuvor darüber nachgedacht, wo und wie sein Handy produziert wurde.

Schlimme Bedingungen

„Viele Unternehmen betreiben billige Produktion, um die Gewinnspanne zu erhöhen“, berichteten nun Abdul, Bellal und Lisa. Sie erklärten, dass aufgrund geringer Bildung und fehlender Gesetze in armen Ländern Menschen unter schlimmen Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienen müssten.

„Das wollen wir mit unserer Radiosendung den Hörern sagen“, meinten die Schüler engagiert: Im Rollenspiel leiht Lisa einer Frau aus Pakistan ihre Stimme, andere stellen Waffenhändler, brutale Chefs und ausgebeutete Arbeiter dar. Beispiel Kongo: Ein Minenarbeiter sagt: „Chef, ich brauche Geld. Meine Familie hungert.“ Der Chef antwortet kühl: „Drei Dollar, oder du bist gefeuert.“ Ein Schüler moderiert, sagt: „Söldner bewachen die unterernährten Arbeiter. Sie können sich nicht wehren und dürfen nicht mit der Presse sprechen. Manchmal stürzen Wände in den Minen ein und Leute sterben.“

Schülerin Mia sagt: „Wenn man weiß, wie unfair produziert wird, geht es einem irgendwie schlechter. Man fühlt sich hilflos. Aber ich würde jetzt ein fair gehandeltes Handy kaufen. Die Arbeitsbedingungen in Minen und Fabriken – in China etwa – sind zu schlimm.“ Lehrer und Radioredakteur betonen, dass die Schüler mit ihrer Sendung einen Schritt tun, um auf Handys aufmerksam zu machen, die zu Hungerlöhnen produziert wurden und auch nicht recycelt werden, sondern Gift hinterlassen.

„Es sind kleine Schritte, die etwas verändern. Viele Leute hören heute unseren Radiosender“, macht Redakteur Wetzel den Schülern Mut. LBS und Vincent da Silva haben das Lernprojekt für fairen Handel inklusive Radio-Workshop gemeinsam mit dem ehemaligen Schulleiter der Martin-Buber-Schule, Heiner Friedrich, initiiert. (lot)

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