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Ein ungezwungener Austausch

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Familienzentrum und Rotes Kreuz organisieren Sprachtreff.

Grit Umstätter deutet auf ein zur Hälfte mit Wasser gefülltes Glas. „Mein Glas ist halb was?“, fragt sie in die Runde. „Es ist halb voll“, sagt Naqibullah Scherzai. „Es ist halb leer. Man kann doch beides sagen“, weiß sein Cousin Scherullah Kawsari. Recht hat er. Doch was die jeweilige Aussage laut Redewendung über die Person sagt, das erklärt Umstätter den beiden Afghanen. Der eine sei ein eher negativ denkender Mensch, der andere sehe die Dinge eher positiv.

In ungezwungener Runde die Alltagssprache vertiefen – das ist die Idee hinter dem noch jungen Projekt „Sprich Deutsch!“. Organisiert werden die monatlichen Treffen vom Familienzentrum und der neu gegründeten Wohlfahrts- und Sozialarbeit des DRK Mörfelden. Es ist das erste gemeinsame Projekt der beiden Institutionen, das seit drei Monaten läuft und abwechselnd im DRK-Heim und dem Familienzentrum stattfindet.

In lockerer Runde erzählen

Die Idee zum offenen Sprachtreff hatte Grit Umstätter, die sich schon lange als Patin für Flüchtlinge engagiert. Das Angebot sei aber kein weiterer Deutschkurs, betonte sie. „Wir wollen hier nicht schulmeisterlich vor den Leuten stehen“, so Umstätter. Die Teilnehmer sollen in lockerer Runde Deutsch sprechen und von sich erzählen können. Die Themen seien dabei immer offen, auch können die Teilnehmer eigene Ideen einbringen. Gewisse Grundkenntnisse der Sprache sind jedoch erforderlich. „Anfänger, die noch kein Wort sprechen, fühlen sich verloren“, sagte Gritt Umstätter. Aktuell wird das Angebot vor allem von Flüchtlingen angenommen, die schon seit einiger Zeit in Deutschland leben und Deutsch- und Integrationskurse besuchen.

Von Beginn an dabei ist Scherullah Kawsari, der seit acht Monaten in Deutschland lebt. „Ich komme gerne hierher, es macht mir Spaß“, sagt der 25-jährige Jurist. Hier könne er das Erlernte aus den Sprachkursen üben. „Ich bin den Leuten hier wirklich dankbar, dass sie uns so unterstützen“, sagt Kawsari.

Aber auch Deutsche und Migranten, die länger in Deutschland leben und ihre Sprachkenntnisse verbessern möchten, sind willkommen. Es gehe darum, sich kennenzulernen und Vorurteile abzubauen, damit ein gutes und offenes Miteinander gewährleistet ist, sagte Umstätter.

„Es ist ein offenes Treffen für alle Nationalitäten“, ergänzt Tim Thielecke vom DRK Mörfelden, der das Projekt zusammen mit Hanna Bieske und Sami Tanetschek unterstützt. Zu dem Treffen kommen im Schnitt etwa fünf Teilnehmer. Ideen für die künftigen Treffen gibt es schon, darunter Filmvorführungen mit Dokumentationen über die Herkunftsländer der Teilnehmer, ergänzt mit deren eigenen Berichten. (eda)

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