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Umzug der Teichbewohner

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Mitglieder des Anglervereins schleppen die Fische in großen Eimern aus dem Erich-Kästner-See in Kranichstein.
Mitglieder des Anglervereins schleppen die Fische in großen Eimern aus dem Erich-Kästner-See in Kranichstein. © Claus Völker

Für die Sanierung des Darmstädter Erich-Kästner-Sees werden die Fische umgesiedelt. Zwei bemannte Schlauchboote legen dafür ein Netz in einem Kreis aus.

Am Samstagmorgen stehen Rolf Tank, Gewässerwart des Anglervereins, und Karl Schwebel, Fischereiberater der Stadt, mit Helfern, einem Fischtank und einem Kranwagen auf dem so genannten Ablaufbauwerk, wo der Wasserabfluss des Erich-Kästner-Sees in Darmstadt-Kranichstein mit Schiebern geregelt werden kann. Der Bereich davor wurde im Zuge der Sanierung des verschlammten Sees vergangene Woche ausgebaggert. Hier sammelt sich nun der Fischbestand, der umgesiedelt werden muss.

Zwei bemannte Schlauchboote legen ein Netz in einem Kreis aus und fangen an, es einzuholen. Es ist so voller Schlamm, dass sie es gar nicht komplett einziehen können. Mit Kübeln stehen die Mitglieder des Angelvereins in ihren Neoprenhosen bis zu den Oberschenkeln im Schlamm, schwenken ihre Kescher und sortieren die Fische, die sie herausholen. Die wertvollen Teichmuscheln hat Rolf Tank vergangene Woche schon eingesammelt. Rund 500 lebende hat er entdeckt. Aber auch massenhaft tote – und das hat ihn „wirklich erschüttert“, sagt er. Dass selbst derart robuste Teichreiniger nicht überleben, spricht Bände über den Zustand dieses Gewässers.

Teichmuscheln und Fische werden umgesetzt in andere Gewässer. Die Hechte und Welse werden in einen extra Behälter gesetzt, die kommen in einen eigenen Hechtteich, sagt Karl Schwebel. „Die Fische, die nicht in heimische Gewässer gehören, werden getötet und enden als Fischfutter fürs Vivarium.“ Er ist sich ganz sicher, dass sie allerhand finden, was da nicht reingehört: Goldfische, Kois oder ein Giebel.

Der Wasserspiegel sinkt weiter, das Gestrampel wird größer, die Schlauchboote haben jetzt kaum noch Wasser unterm Kiel. Kleine und große Brassen wandern aus dem Kescher in den Bottich, Rotaugen und viele kleine Hechte, dann kommt der erste größere Karpfen und sogar ein Zander. Abfischaktionen wie diese sind nicht nur Stress für Rolf Tank, der sich sichtbar um die Fische sorgt, sondern auch für die Fische selbst. Da die Tiere wechselwarm sind, verlangsamt sich ihr Stoffwechsel mit sinkenden Temperaturen. So ein Karpfen könne bei dieser Witterung ohne Weiteres eine halbe Stunde im Schlamm liegen, erst recht mit einem feuchten Tuch überm Kopf, sagt Rolf Tank. Im Sommer sei so eine Aktion undenkbar, die Fische ruckzuck tot.

Die Helfer beeilen sich trotzdem, sortieren Fisch für Fisch, wuchten die Behälter mit den Tieren im brackigen Wasser die Uferböschung hoch, setzen sie in die verschiedenen Tanks auf dem Fischtanklaster. Das Wasser wird währenddessen noch weniger, die Männer werden immer dreckiger, die herausgeholten Fische immer mehr. Aber bis mittags kein Goldfisch, kein Koi, kein Giebel. Und dann gibt’s doch noch eine Überraschung. Im Kescher landen zwei Rapfen. Wie die da rein kommen, kann sich weder Rolf Tank noch Karl Schwebel erklären. rwb

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