1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Umziehen lohnt sich nicht

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Mordfälle wie der Mitte April in Babenhausen kommen  im Landkreis selten vor.
Mordfälle wie der Mitte April in Babenhausen kommen im Landkreis selten vor. © Karl-Heinz Bärtl

Weniger als 4000 Delikte pro 100.000 Einwohner verzeichnet die Kriminalitätsstatistik 2008 für den Landkreis Darmstadt-Dieburg. "Damit stehen wir spitze da", sagt Helmut Biegi, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg.

Otzberg ist die friedlichste Kommune im Landkreis. Dieser Schluss liegt zumindest nahe beim Betrachten einer Statistik der Polizei für das Jahr 2008. Die Häufigkeitszahl, die Anzahl der angezeigten Delikte hochgerechnet auf 100 000 Einwohner, ist in Otzberg am niedrigsten. Doch für plakative Erkenntnisse auf den ersten Blick taugt das Zahlenwerk nicht, betont Helmut Biegi, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg.

Die Häufigkeitszahl etwa unterscheidet nicht nach Art des Delikts, sie rechnet Drogendelikte, Betrug, Sachbeschädigung, Diebstahl und Rohheitsdelikte ein - von Körperverletzung bis Mord. Die Sicherheitsanalyse soll Diskussionsgrundlage für die Polizei und die einzelnen Kommunen in Sachen Prävention sein. So hat sich etwa Reinheim jüngst mit Daten in Zusammenhang mit dem freiwilligen Polizeidienst beschäftigt. Reinheim liegt im deliktärmeren Drittel der Auflistung. Wer in der Pauschalansicht besser oder schlechter abschneidet, sei von vielen Faktoren abhängig, sagt Biegi.

Maßgeblich ist die Zahl der Einwohner. Verkürzt: wo viel los ist, macht Gelegenheit Diebe. Diesmal wurden in Dieburg die meisten Delikte pro Einwohner gezählt. Auf den folgenden Plätzen rangieren mehrere Kommunen westlich von Darmstadt. Grund: Ein weiterer wichtiger Faktor seien Transitwege wie die A 5. In Weiterstadt wurden der Polizei 2008 bei gut 24 000 Einwohnern 576 Diebstähle gemeldet, in Griesheim 448 Diebstähle bei knapp 26 000 Einwohnern - in Fischbachtal 17 Diebstähle bei etwas mehr als 2600 Einwohnern.

Vandalismus treibt Zahlen

"Autobahn, S-Bahn, überhaupt ÖPNV-Wege spielen eine Rolle", sagt Biegi. Alsbach-Hähnlein ist ein Beispiel dafür. Mit 367 Straftaten rutscht die Kommune im Vergleich über den kreisweiten Durchschnitt. Auffällig ist, dass 56 Fälle von Sachbeschädigung angezeigt wurden. 2007 waren es nur 18 gewesen. Biegi erläutert: "Das hängt zusammen mit der neuen Endhaltestelle, dort gab es Vandalismus. So gibt es immer wieder kleinere Brennpunkte, die sich in der Statistik niederschlagen."

Auswirkungen hat auch die Struktur der Kommune. Roßdorf etwa gehört zu den Orten mit den wenigsten Delikten pro Einwohner. Biegi erklärt dies mit dem Status Roßdorfs als Mittelzentrum. "Für viele Jugendliche ist der Anziehungspunkt Darmstadt." Vandalismus oder manche andere Delikte verlagerten sich.

Andere Delikte beeinflussen die Statistik, aber haben kaum Bedeutung für die Nachbarschaft. Modautal etwa bildete 2007 das Schlusslicht in der Häufigkeitenliste, verschlechterte sich 2008 aber um elf Plätze. Die Ursache liegt im Kleingedruckten der Statistik: Die Zahl der Betrugsfälle ist um 64 gestiegen. Zwischen Neunkirchen und Ernsthofen lebt es sich allerdings nicht unsicherer: "Das war ein Täter, der von dort aus beim Internetauktionshaus Ebay aktiv war", berichtet Biegi.

Auch Einkaufsmöglichkeiten in der realen Welt beeinflussen die Statistik. Ein großes Angebot lockt nicht nur Kunden, sondern auch Kriminelle an. Beispiel Weiterstadt oder Groß-Zimmern. "Einkaufsmärkte - die Tatgelegenheiten sind ganz andere", erläutert Biegi. Stellen Märkte Ladendetektive ein, um Diebstählen zu begegnen, erreichen sie statistisch mitunter das Gegenteil: "Dann ändert sich die Zahl möglicherweise nach oben, weil einfach mehr angezeigt wird, obwohl nicht mehr passiert als vorher." (loc)

Auch interessant

Kommentare