1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Überzeugt vom neuen Konzept

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Zukunft der Kreisklinik in Groß-Gerau ist weiterhin ungewiss.
Die Zukunft der Kreisklinik in Groß-Gerau ist weiterhin ungewiss. © Alexander Heimann

Landrat und Partner wollen in Kreisklinik Zentrum für Altersmedizin.

Die Zukunft der Kreisklinik Groß-Gerau ist Dauerbrenner in der politischen Debatte, in Gesprächen von Mitarbeitern und Patienten. Bis in den Bericht der Patientenfürsprecherinnen und Fragen werdender Eltern, ob die Geburtshilfe in der Groß-Gerauer Klinik wohl erhalten bleibt, spiegelt sich die Sorge um den Fortbestand des Krankenhauses mit seinen Einrichtungen. Die Klinik ist hoch defizitär, der Kreis gleicht seit Jahren ihre Millionenverluste aus.

Nun gibt es ein in die Zukunft weisendes Konzept – aus der Klinik ein altersmedizinisches Zentrum zu machen – und strategische Partner dafür: das Klinikum Darmstadt, Vitos Riedstadt und das GPR Rüsselsheim. Zusammen sprachen Vertreter dieser Einrichtungen im Sozialministerium vor, um die Pläne zu präsentieren, Geld aus dem Krankenhaus-Strukturfonds loszueisen.

Ernüchterung nach Gesprächen in Wiesbaden

„Das Gespräch war sehr ernüchternd“, sagt Landrat Thomas Will (SPD). Es sei deutlich geworden, dass Wiesbaden die Groß-Gerauer Klinik nicht mehr als Einrichtung der Grund- und Regelversorgung nach dem Krankenhausentwicklungsplan einplane. Das hessische Sozialministerium sehe Groß-Gerau künftig nur noch als Filiale eines anderen Krankenhauses, nicht mehr als eigenständigen Standort.

Auf diese Art wolle allerdings Vitos nicht mitmachen, so Will. Der Partner habe auch in Wiesbaden betont, dass die Notfallversorgung im Bereich Chirurgie und Innere Medizin weiterhin in Groß-Gerau gebraucht werde, gerade auch bei der Umsetzung des Konzepts Altersmedizin. Weil klar geworden sei, dass es Geld aus dem Strukturfonds wohl nur für eine Schließung der Klinik und nicht für die Umstrukturierung gäbe, habe man unter den Partnern Überlegungen gestartet, das Geld für den in ihren Augen nötigen Neubau (50 Millionen Euro) ohne das Land zu finanzieren.

Was das Zentrum für Altersmedizin in Eigenregie angehe, so seien derzeit Überlegungen und Sondierungsgespräche im Gang. In der vergangenen Woche stellten Landrat und Klinikleitung die Eckpunkte der gemeinsamen Planung (Medizinkonzept und Finanzen) der Darmstädter Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) vor. Lindscheid lasse die Konzepte nun in der Fachabteilung ihrer Behörde prüfen und habe eine Antwort innerhalb einiger Wochen in Aussicht gestellt.

Will möchte eine Entscheidung vorantreiben, dafür wird es höchstwahrscheinlich Sitzungen der parlamentarischen Kreisgremien im Juli geben. Diese seien indes nicht öffentlich, kündigte der Landrat an, weil es bei der Diskussion auch um Planzahlen der strategischen Partner gehe.

Die Ergebnisse würden hinterher natürlich bekanntgegeben. Auch im Interesse der rund 450 Mitarbeiter der Klinik, die sich schon lange bange fragen, wie es weitergeht. Und für die nicht nur der Landrat eine Schließung des Groß-Gerauer Kreiskrankenhauses verhindern will. Will ist jedenfalls vom Konzept des altersmedizinischen Zentrums überzeugt. Die Bevölkerungszahl im Kreis steige, auch die Zahl der älteren Menschen nehme zu. Bei Akutgeriatrie und Versorgung von Demenzkranken gebe es noch Bedarf in der Region.

Die Zusammenarbeit mit den drei Partnern, das gemeinsame Vorgehen würde eine Konkurrenzsituation ausschließen, nennt Will einen weiteren Pluspunkt: „Wir werden alles daran setzen, dass der Klinikstandort erhalten bleibt.“

Nach Überzeugung von Groß-Geraus Bürgermeister Stefan Sauer (CDU) schadet die derzeitige Debatte der Kreisklinik, belastet die Stimmung der Beschäftigten und den Ruf des Krankenhauses. Für die Stadt Groß-Gerau sei die Kreisklinik ein zentraler Standortfaktor und für die medizinische Versorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung.

Die Neuausrichtung der Kreisklinik und die damit einhergehenden betrieblichen Umbrüche müssten jetzt zügig erfolgen. Denn die Kreisklinik verliere spürbar an Attraktivität, eine zunehmende Unsicherheit belaste die Arbeitssituation im Krankenhaus, und die Stimmung drohe immer schlechter zu werden, so der Bürgermeister weiter.

Ziel müsse es sein, einen Strukturverbund mit anderen Kliniken zu schaffen und verbindliche Absprachen zu treffen, wer wo welche Leistungen anbietet. Dem Erhalt der Notfall- und Akutversorgung komme dabei eine herausragende Rolle zu, betonte Sauer. (ers)

Auch interessant

Kommentare