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Auf der Überholspur

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In Teamarbeit und mit Hilfe von Sponsoren wurde der F 11 gebaut.
In Teamarbeit und mit Hilfe von Sponsoren wurde der F 11 gebaut. © Roman Grösser

Dass junge Männer gern an Autos herumschrauben, ist bekannt. Dass sie ganze Rennwagen bauen eher selten. Und dass sieben Frauen im Konstrukteursteam sind auch. Leidenschaft fürs Gerät in Verbindung mit ihrem Studium bringen an der Hochschule Darmstadt rund 50 Studierende im Formula Student Team Darmstadt zusammen.

„Die Formula Student ist eine anerkannte Rennserie“, erklärt Sven Krauß, studentischer Teamleiter Organisation.

An der Hochschule werden seit 2009 Rennwagen für den Wettbewerb gebaut; der F?11 ist das dritte Auto, das sie ins Rennen mit anderen Hochschulen schickt. Obwohl es um Fahrzeugentwicklung geht, sind die Maschinenbau- und Elektrotechnikstudenten nicht unter sich: Studierende aus den Fachbereichen Media, Gestaltung und Wirtschaft machen auch mit.

„Da steckt sehr viel organisatorische Arbeit drin“, sagt BWL-Studentin Denise Petker. So gehe es auch um Sponsorengewinnung und Vorführungen. „2011 war der große Umbruch“, sagt Krauß, „vom Team des Jahres 2010 sind nur noch zehn Leute dabei.“

Erfahrung wichtiger als Noten

Viele Interessenten schreckt der Aufwand. Von Erstsemestern springen 80 bis 90 Prozent schnell wieder ab, berichtet Technik-Teamleiter David Saar. Das Budget für eine Saison liegt bei rund 70?000 Euro. 40?000 Euro kosten Motor-, Fahrwerk- und Karosserieanfertigung. Verschleißteile, Reifen und Werkzeuge verschlingen weitere 20?000 Euro, 7000 Euro gehen ins Marketing und 3000 Euro in die Startgebühren für die Rennen in Deutschland, Österreich und Italien.

Die studentischen Entwicklungen sind für die Industrie interessant, erzählt Mario Säglitz, Dozent am Fachbereich Maschinenbau und Kunststofftechnik. So wurden etwa die Querlenker aus einem besonders leichten Karbon entwickelt. Große Teile des Fahrzeugs sind Eigenkonstruktionen, die mit Sponsoren oder in den Hochschulwerkstätten hergestellt werden.

Der Rennwagen ist kein Formel 1-Wagen: Er fährt mit Superbenzin, ist deutlich kleiner, kompakter gebaut und erinnert an einen Strandbuggy. Der Wettbewerb ist auch kein wirkliches Rennen, Technik und Sicherheit stehen im Vordergrund. So bewertet eine Jury Konstruktion, Kalkulation, Effizienz und Präsentation des Geschäftsmodells. Gefahren wird auch, aber nicht gegeneinander. Es gibt einen Beschleunigungstest über 75 Meter und einen Dauerbelastungstest über 22 Kilometer.

Auch wenn auf dem Ingenieur-Arbeitsmarkt zur Zeit Vollbeschäftigung herrscht und fast jeder Absolvent unterkommt, erhöht die Mitarbeit bei einem Formula-Student-Team die Chancen auf einen Wunschjob. „Der Student, der im vergangenen Jahr den Rahmen konstruiert hatte, konnte sich aussuchen, ob er zu AMG, Porsche oder Audi geht“, erzählt Krauß.

„Praktische Erfahrung in der Formula Student zählt mehr als die Note“, bestätigt David Saar. Er hat seinen Abschluss noch nicht, aber einen Vertrag bei einem Automobilhersteller in Aussicht.

Wer fährt das Auto? „Der, der reinpasst“, sagt Krauß lachend. Das Reglement schreibe vor, dass ein 1,82 Meter großer Mensch ins Cockpit passen müsse. Aber meist sitze kein Student am Steuer: Für die Fahrten habe man zwei professionelle Kartfahrer und einen früheren Motorradprofi. ( mawi)

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