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Über jede Hürde

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Für einen Moment fliegen können – das ist Parkour.
Für einen Moment fliegen können – das ist Parkour. © Günther Jockel

Eine Gruppe junger Männer betreibt in Pfungstadt die Trend-Sportart Parkour und filmt sich dabei.

Die ganze Stadt ist ihr Spielplatz, der Sport ihre Leidenschaft: Für die Jungs aus dem Pfungstädter Parkourteam 3arts gibt es keine Hindernisse, nur neue Herausforderungen.

Parkourlaufen ist die Kunst, den kürzesten Weg zum Ziel zu finden – auch über Mauern, an Wänden entlang und auf den Dächern. Wenn das auch noch gut aussehen soll, heißt es Free Running – freies Laufen – und verbindet das Überwinden von Hindernissen mit actionreichen Sprüngen und Figuren.

„Unser Name 3arts bedeutet drei Künste und steht für Parkour, Free Running und Akrobatik. Das halten wir dann auf Film fest“, erklärt der 20 Jahre alte Dinja. In fetten Lettern steht sein Name auf der leuchtend grünen Jogginghose, die er lässig mit einem Tanktop trägt. Genauso lässig schwingt sich der Pfungstädter beim Parkourtraining über eine zwei Meter hohe Mauer und landet federnd auf den Füßen. Was einfach aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger Übung.

Angefangen hat alles im Freundeskreis vor sechs Jahren. „Wir sind einfach überall runtergesprungen, haben uns selbst als Stunt-Team gesehen“, erzählt Jack (21). „Erst vor zwei Jahren haben wir Parkour entdeckt und angefangen, das professionell zu betreiben.“

Angst springt mit

Professionell sind auch die Videos des siebenköpfigen Teams. „Mit dem Filmen fingen wir an, als unser Kameramann eine Kamera geschenkt bekommen hat. Mit der Zeit wurden die Videos immer besser und geplanter.“ Was die Jungs beim Training üben, sieht allerdings nur halb so gewagt aus, wie die Tricks in den Kurzfilmen, die sie im Internet veröffentlichen. Ob aus fünf Metern Höhe oder über tiefe Schluchten zwischen Häusern – kein Sprung scheint ihnen im Film zu gefährlich.

„Angst ist oft da“, sagt Dinja. „Das ist es aber, was unseren Sport ausmacht: Parkour hat immer neue Höhepunkte, man muss sich immer wieder neu überwinden.“ Und wenn die Landung gelingt, „dann fangen die Leute an zu klatschen, der Film ist im Kasten, ein geiles Gefühl.“

Ernste Verletzungen hat es bei 3arts bisher keine gegeben. Ein paar Schrammen und ein ausgekugelter Arm seien das schlimmste gewesen. „Wir üben immer Basistechnik und Köperkontrolle, damit wir uns nicht verletzen, falls etwas schief geht“, erklärt der 14 Jahre alte Lucas aus Crumstadt. Er ist erst seit einem Jahr dabei. „Zuerst muss man zielgenau auf einen Punkt springen und sich abrollen können.“ Klein anfangen heißt die Grundregel. Wer später wie Raphael (14) gekonnt der Länge nach über eine Tischtennisplatte hopsen will, ohne sie mehr als einmal mit den Händen zu berühren, sollte vorher an niedrigen Hindernissen üben.

„Diesen Sprung nennen wir Katze“, sagt Jack. „Man stützt sich mit den Händen ab und zieht die Beine dazwischen durch.“ Mit etwas Übung lässt sich die Katze auf fast alle Hindernisse anwenden. „Am Anfang sollte man aber auf einer Wiese, auf Kork oder im Sand üben.“

Ein Zusammenstoß beim Salto mitten in der Luft kann böse enden. „Im Felsenmeer bei Reichenbach üben wir gemeinsam“, erklärt Dinja, „die oberste Regel lautet: Niemanden behindern.“ Das gilt für andere Teammitglieder wie für Spaziergänger. Auch die Sprungpräzision trainieren 3arts im Felsenmeer, einer Steinlandschaft am Hang. Von Stein zu Stein sind Entfernung und Höhe anders, die Landung muss trotzdem klappen. „Wir sind super aufeinander abgestimmt und können alle gleichzeitig springen, ohne uns zu berühren.“

Für Mädchen zu angeberisch

Neben der Technik ist die Optik wichtig. „Das, was wir machen, soll gut aussehen“, sagt Jack. „Die Leute bleiben oft stehen und schauen zu. Das ist ein cooles Gefühl.“ Die Mädchen hingegen sind nicht allzu begeistert. „Die meisten denken, wir sind Angeber und gehen weg“, sagt Dinja.

Den Wettkampf mit anderen Parkourteams suchen die Jungs nicht. „Es geht uns darum, das Beste aus uns herauszuholen, nicht besser zu sein als alle anderen.“ Gelegenheit, sich zu präsentieren bieten kleine Showauftritte, etwa auf Schulfesten. Den Traum vom Stuntman oder Werbeheld hegt keiner der Jungs. „Wir wollen durch Parkour nicht berühmt werden“, sagen sie. Die Freundschaft ist ihnen wichtiger – und der Kick. „Das Beste“, findet Rafael, „ist das Gefühl, wenn man in der Luft ist und für einen Moment fliegen kann“. ( cel) Videos von 3arts und Infos zu Parkour gibt es im Internet auf www.3arts.info.

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