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Mit 30 über die Buckelpiste

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Die Heidelberger Landstraße wird im Frühjahr saniert.
Die Heidelberger Landstraße wird im Frühjahr saniert. © Roman Grösser

Die gnädige Schneedecke ist weitgehend geschmolzen, darunter tritt in Darmstadt nun Schlagloch an Schlagloch zutage. Doch anhaltende Kälte und große Schneemengen allein erklären den desolaten Zustand der Fahrbahnen nicht.

Die gnädige Schneedecke ist weitgehend geschmolzen, darunter tritt in Darmstadt nun Schlagloch an Schlagloch zutage. Doch anhaltende Kälte und große Schneemengen allein erklären den desolaten Zustand der Fahrbahnen nicht. Die Witterung legt schonungslos Versäumnisse der vergangenen Jahre und Jahrzehnte offen, wie Stadtrat Dieter Wenzel (SPD) einräumte: "Was wir bisher für die Straßensanierung getan haben, war zu wenig", erklärte der Bau- und Verkehrsdezernent (im Amt seit 2003) am Freitag bei einem Ortstermin an der Landgraf-Georg-Straße.

Die wichtige Durchgangsstraße gleicht einer Schlaglochpiste. Verschärft wird die Lage durch die alten Straßenbahnschienen. Bis die gröbsten Schäden beseitigt sind, gilt hier zwischen Fiedlerweg und Pützerstraße Tempo 30, erklärte Reinhold Schuster vom Tiefbauamt. Wegen der bauunfreundlichen Witterung sei die Dauer schwer vorauszusagen, es könne sich über mehrere Wochen hinziehen.

Wenzel gesteht Versäumnisse

Wenzel erklärte, Magistrat und Stadtparlament müssten sich vorwerfen, in den vergangenen Jahren nicht ausreichend Haushaltsmittel für die Straßenerhaltung vorgesehen zu haben. Auch er selbst nehme sich von der Kritik nicht aus. "Die Stadtverordneten sind nun gefordert, die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen." Er wolle zusätzlich 750 000 Euro für die Sanierung beantragen. Zunächst einmal geht es um die Beseitigung der gröbsten Frostschäden. Zur Schlagloch-Ausbesserung seien im Januar 88 Tonnen Kaltmischgut verarbeitet worden, erklärte Thomas Bittner, für Straßenunterhaltung zuständiger Abteilungsleiter beim Eigenbetrieb Abfallwirtschaft (EAD) - Kostenpunkt 40 000 Euro. Ewig wird das Material nicht halten, aber für nachhaltige Flickarbeiten sei es zu kalt.

3500 Arbeitsstunden hätten EAD-Mitarbeiter im Januar allein in Straßenreparaturen investiert, sagte Bittner. "Eine Kolonne ist eigens abgestellt zur schnellen Reaktion auf Bürgerhinweise. Die Priorität liegt allerdings ganz klar auf den Hauptverkehrsstraßen."

An vielen Stellen kommt unter der aufgeplatzten Fahrbahndecke das darunter liegende Kopfsteinpflaster zum Vorschein - oft nur von einer dünnen Asphaltschicht bedeckt. "Optimal ist das nicht", sagte Schuster zu dem uralten Untergrund. Bei grundhafter Erneuerung einer Straße wird das Kopfsteinpflaster beseitigt, um geeignetere Tragschichten unterhalb der Fahrbahndecke aufzubringen. Wo dies in den vergangenen Jahren geschehen ist, sind die Frostschäden spürbar geringer - etwa in der Frankfurter Landstraße in Arheilgen.

Schuster gab zu erkennen, dass er den Verfall der Darmstädter Straßen wegen unzureichender Erhaltung mit Schmerzen verfolgt hatte. Eine Studie eines Ingenieurbüros ergab bereits 2006, dass nahezu die Hälfte der Darmstädter Hauptverkehrsstraßen in die schlechteste Zustandsklasse 5 falle: Das steht für starke Schäden und dringend nötige Instandsetzungs-Maßnahmen. Bei weiteren 18 Prozent der Hauptverkehrsstraßen in Zustandsklasse 4 sind Baumaßnahmen innerhalb der nächsten drei Jahre nötig. (bad)

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