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Trauung ohne Tränen

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Kerstin und Irma bei der England-Party
Kerstin und Irma bei der England-Party © roman grösser

Mit Kosmetiktüchern beim Public Viewing: In der Darmstädter Centralstation schauen Fans der englischen Royals Kate und William gemeinsam beim Ja-Sagen zu.

Als sich Kate Middleton zum ersten Mal auf der Übertragungsleinwand blicken lässt, bricht am Tisch ganz hinten links Verzückung aus: „Da ist sie, da ist sie, da ist sie“, ruft Gabi Rau und haut ihrer Nachbarin aufgeregt gegen den Oberarm. „Wie gut die aussieht, obwohl die nicht geschlafen hat“, stellt Freundin Britta Bolsmann anerkennend fest, während die Braut im Fernsehen lächelt und winkt. „Tja, wenn Millionen Menschen dir zusehen, nimmst du vorher schon mal ein paar Kilo ab.“

Und wer dem Ereignis auf besondere Art beiwohnen will, der nimmt auch schon mal ein paar hundert Kilometer auf sich: Aus der Nähe von München und aus Nordhessen sind die beiden Frauen mit dem selbst kreierten „Wir sind dabei“-Bekenntnis auf ihren T-Shirts angereist, um den „Royal Wedding Day“ in der Centralstation mitzuerleben. „Ich hab’ schon lange vorher im Internet geguckt, wo es Public Viewing gibt“, erzählt Bolsmann. Die Wahl fiel auf Darmstadt.

Also sitzen sie an diesem Freitagmittag im Herzen der Heinerstadt mit rund hundert weiteren Zuschauern kaffeekränzchenartig an weiß gedeckten Tischen und blicken auf die Großbildleinwand, wo das Spektakel der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton abläuft. „Wir sind eventverrückt“, begründen sie ihr Dabeisein. Das lässt sich nicht nur an ihrem feucht fröhlichen Sekt-Konsum ablesen. Für die Teatime mit mehrstöckiger Hochzeitstorte am Nachmittag in der Zoo-Bar und die Wedding-Party mit dem Fish’n Chips Soundsystem später haben sie sich extra Hüte im Internet ersteigert. Und für anrührende Momente steht eigens ein Karton Kosmetiktücher vor ihnen. Die Kleiderfrage ist im vorwiegend weiblichen Publikum der zentrale Aspekt hinsichtlich des Geschehens in der Londoner Westminster Abbey, wenn sich auch die allermeisten nicht besonders schick gemacht haben. Das gilt auch für die jüngsten Zuschauerinnen. „Ich bin gespannt, wie ihr Kleid aussieht“, sagt die neunjährige Claire. „Ich glaube nicht, dass die so eine lange Schleppe hat wie die Diana“, vermutet sie. „Das wird nicht so märchenhaft.“

„Am meisten interessiert das Kleid“, stellt auch Franziska Müller klar, die parallel zur Royal Wedding ihren 19. Geburtstag feiert. Dass die Robe nicht schulterfrei ist, findet sie schade.

„Normalerweise müsste man sagen, so ein Quatsch, was ein Wirbel“, kommentiert ihre Mutter Ute die enorme Aufmerksamkeit, die die königliche Hochzeit auf sich zieht. „Aber es ist schon faszinierend.“ Warum, das bringt die kleine Claire auf den Punkt: „Dass royale Leute heiraten, das passiert ja nicht jeden Tag.“

„Und so ein bisschen Glamour mag doch jeder“, steuert Nordhessin Gabi bei. Allerdings hätte es aus Sicht der beiden eventfreudigen Frauen etwas glamouröser sein können. „Ich hab es mir ein bisschen opulenter vorgestellt“, lautet die ernüchterte Bewertung des Brautkleids. „Alles ein bisschen emotionslos, wir haben noch kein Taschentuch verbraucht.“

Doch als sich Kate und William schließlich das Ja-Wort geben, ist ein allgemeines Innehalten zu spüren. Da sind auch die beiden kommentierfreudigen Freundinnen Gabi Rau und Britta Bolsmann still. Bis das Handy in die Stelle schrillt. „Das geht ja gar nicht“, frotzelt Rau. „Tschuldigung“, sagt Bolsmann. „Ich schalt mal auf lautlos.“ Schon im nächsten Moment wird das Brautpaar zu Mann und Frau erklärt. „So, Prost“, sagt Gabi Rau und stößt mit ihrer Freundin an. „Sie haben es geschafft.“ ( aw)

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