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Heirat hinter Gittern

Vor der Trauung durchsucht

Die neunzehnte Hochzeit des Jahres fand im Gefängnis statt. Mit Pfarrer, Anzug und Brautkleid, aber ohne Sekt und Hochzeitsnacht.

Von Michael Grabenströer

Ihr langes cremefarbenes Kleid flattert unter einem dunklen Überwurf, als die Braut auf dem tristen Hof noch einmal nervös aber entschlossen an der Zigarette zieht. Doch auf dem Weg ins Trauzimmer wird sie noch einmal zurückgeschickt. "Die wollen, dass ich mich ausziehe!" ruft sie entsetzt. Bei der schwarzhaarigen Annika K. (Name geändert) hat die elektronische Sicherheitsschleuse gefiept. Vermutlich der Metallverschluss am BH. Deshalb wurde sie abgewiesen in letzter Minute vor der Trauung.

Die Ehe, die mit der Registernummer 19/2009 in Weiterstadt geschlossen wurde "die neunzehnte in diesem Jahr", erläutert Standesbeamtin Jutta Zimmermann die Ziffern der Hochzeitsurkunde fand an einem ungewöhnlichen Ort statt: im Gefängnis in Weiterstadt.

Das schlichte, steril wirkende Trauzimmer ist der Besuchsraum des Gefängnisses einfache Stühle mit hölzerner Sitzfläche für zwei Dutzend Leute, dazwischen aneinandergeschobene Resopaltische. Ein Tisch wurde für die Zeremonie an die Stirnseite gerückt, dekoriert mit einer roten Decke, dauerhaften Kunstblumen in Zartrosa und zwei Kerzen.

Gefängnispfarrer Heinz Zeyer ist da mit seinem Fotoapparat, die Standesbeamtin und natürlich die Braut. Der Bräutigam kommt durch die Seitentür des Besuchsraums, die erst entriegelt werden muss.

Ahmed Z. (Name geändert), erscheint im braunen Anzug. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, die Braut lächelt eher schüchtern zurück. Ein inniger Händedruck. Beider Hände verschlingen sich während der ganzen Zeremonie immer wieder.

Die Standesbeamtin stellt ihren schwarzen Aktenkoffer ab, entnimmt das vorbereitete Dokument. Sie sitzt an der Stirnwand des langen schmalen Raums, hinter ihr befindet sich ein Alarmknopf.

Eine Ansprache, über zwei Boote, die auf einem bewegten Meer die gleiche Richtung haben, den gleichen Hafen anlaufen, aber noch nicht angekommen sind. Ein kräftiges Ja der Braut, der Ringtausch, dann ist die Trauung vollzogen.

"Ich erkundige mich nie nach dem Hintergrund, weshalb der Häftling da ist." Zimmermann will unbefangen sein soweit das hinter den verschlossenen Türen möglich ist. Der Gefängnispfarrer fotografiert.

Es gibt Kaffee aus einer Warmhaltekanne und zwei Kuchenstücke, die der Pfarrer besorgt hat. Sekt zum Anstoßen ist tabu genauso wie die Hochzeitsnacht.

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