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Totschlag statt Trennung

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Zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags hat das Landgericht Darmstadt am Donnerstag einen 25-jährigen Afghanen verurteilt. Der Anfang 2009 nach Deutschland gekommene Schneider hatte Ende März 2010 seine 19-jährige Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in der Kirchstraße erstochen.

Das Urteil lautete auf Totschlag, da die Kammer das Mordmerkmal „niedrige Beweggründe“ nicht erfüllt sah. Das Gericht folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Vater der Getöteten hatte als Nebenkläger auf Mord plädiert. Seinen Willen durchzusetzen und seine Macht zu demonstrieren, seien die für Mord erforderlichen „niedrigen Beweggründe“ des Angeklagten.

Der 25-Jährige war mit seiner in Deutschland aufgewachsenen Frau immer wieder in Streit geraten. Die Familie der Frau versuchte zu vermitteln, auf Streitereien mit Schlägen folgten Versöhnungen. Sogar eine Anzeige und einen Scheidungsantrag gegen ihren Mann hatte die Frau zurückgenommen, obwohl er ihr einmal ein Messer an den Hals gehalten hatte. Ein gemeinsamer Ägyptenurlaub war geplant, die Tickets schon gekauft.

Streit um Hausarbeit eskalierte

Als aber die Frau ihren Mann am 29. März aufforderte, ihr zu helfen anstatt fernzusehen, weil die Waschmaschine ausgelaufen war, eskalierte die Situation: Der Mann stach im Wohnzimmer sechsmal mit einem Küchenmesser in Kopf und Hals seiner Frau. Ein Stich war laut rechtsmedizinischem Gutachten so heftig, dass der Schläfenknochen und das Gehirn durchstoßen wurden.

Der Vorsitzende Richter Volker Wagner sagte in der Urteilsbegründung, die Beziehung sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Die Frau und ihre Familie waren 2008 nach Afghanistan gereist, dort trafen sie den jungen Mann. „Man darf nur eine halbe Stunde zusammen sein, bevor man sich verlobt.“ Der Afghane kam zu seiner Frau nach Deutschland.

Man sei davon ausgegangen, er werde sich schon einleben, aber „seine Vorstellungen waren ganz andere als die seiner Frau“ , sagte Wagner. Eine Trennung schien nicht möglich, weil der Mann dann 80 000 Euro an seine Frau hätte zahlen müssen. Für ihn sei schließlich Totschlag das Mittel gewesen, um aus der Geschichte herauszukommen.( mawi)

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