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Tigerdame wird Pfälzerin

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Die Hilfsorganisation „Vier Pfoten“ hatte Cara in Rüsselsheim untergebracht.
Die Hilfsorganisation „Vier Pfoten“ hatte Cara in Rüsselsheim untergebracht. © E

Nach einem Jahr verlässt Raubkatze Cara das Rüsselsheimer Tierheim, um in ein Großkatzenrefugium in Maßweiler bei Pirmasens umzuziehen. Die Tigerin war im vergangenen Jahr aus einer Mängelhaltung befreit worden.

Die Tage, an denen sich Besucher des Rüsselsheimer Tierheims verwundert die Augen reiben, weil sie statt der erwarteten Hunde, Katzen und Meerschweinchen auch einem waschechten Tiger im Großgehege neben dem Eingang begegnen, sind gezählt. Die ungefähr 16 Monate alte Tigerdame, die im Juli vergangenen Jahres aus italienischer Mängelhaltung befreit und nach Rüsselsheim gebracht worden ist, wird im August in ein Großkatzenrefugium in Maßweiler bei Pirmasens umziehen.

Für den Tierschutzverein um die Vorsitzende Claudia Kemmler, die Bediensteten und Helfer des Tierheims und die ehrenamtlichen Tigerpfleger Harald und Martin Konrad heißt es dann nach einem Jahr Abschied nehmen von Cara. Vor allem für Harald Konrad und Sohn Martin werde das nicht einfach sein, sagt Claudia Kemmler. Cara sei ein „unglaublich zutrauliches und kommunikatives Tier, ungemein menschenbezogen“. Menschen, so Kemmler, „findet sie einfach Klasse“. Wenn sich etwa die ehrenamtlichen Hundeausführer einstellen, um ihre schwanzwedelnden Schutzbefohlenen zum Auslauf abzuholen oder am Wochenende verstärkt Besucher kommen, sei Cara immer ganz vorne am Zaun und versuche, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und allen zu zeigen, wieviel Spaß sie am Leben hat.

Umso schöner sei es, sagt Kemmler, dass sie jetzt in Maßweiler vor einer „glücklichen Zukunft“ stehe, in einem 1000 Quadratemter großen Gehege inklusive eigenem Schwimmbecken und Klettermöglichkeiten.

Bei einer Razzia der italienischen Polizei in Neapel entdeckt, kam die damals nur wenige Monate alte Tigerin über den italienischen Tierschutzbund und die auf Großkatzen spezialisierte Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ nach Rüsselsheim. Die Tierschutzorganisation hatte schon gute Erfahrungen mit dem Rüsslesheimer Tierheim gemacht, das bis September 2013 über mehrere Jahre sogar zwei Tiger gepflegt hatte, bis Natascha und Ghandi schließlich in das Großkatzenrefugium Lions Rock in Südafrika kamen. Einige Monate nach dem Transfer um den halben Globus gab es mit diesen Zöglingen sogar ein Wiedersehen, als Kemmer und Konrad senior nach Südafrika reisten.

Das Wiedersehen mit Cara dürfte im knapp 130 Kilometer entfernten Maßweiler einfacher und öfter gehen. Dort hat die deutsche Tierschutzorganisation „Tierart e.V.“ ein früheres Übungsgelände der Bundeswehr in ein Refugium für Wildtiere umgewandelt. Dort gibt es laut Kemmler bereits Auffangstationen für Waschbären, Füchse und auch Wildkatzen und in Kooperation mit „Vier Pfoten“ jetzt auch ein Gelände zur Aufnahme von Großkatzen. Die Bald-Pfälzerin Cara wird dort eine der ersten Raubkatzen sein. Laut Kemmler steige der Bedarf an Refugien für Großkatzen, da die stets strenger werdenden Auflagen des Tierschutzes vor allem Zirkusse in Zugzwang brächten, ihre Großtierhaltung aufzugeben.

Stets bereit für neue Raubkatzen

Wann Caras Abreise kommt, stehe noch nicht fest, sagt Kemmler. Nur so viel: „Irgendwann vor dem 15. August“. Bis dahin wolle man die Tigerin, die in dem einen Jahr Rüsselsheim zu einem schlaksigen „Teenager“ (Kemmler) herangewachsen ist, an eine Transportbox gewöhnen, um sie im Lastwagen transportieren und ihr vor allem die Narkose zu ersparen zu können.

In ihr Rüsselsheimer Gehege werden dann Hunde ziehen. Man sei aber stets bereit, erneut eine Großkatze aufzunehmen, sagt Kemmler. Auch weil nach dem Südafrika-Transfer von Natascha und Ghandi mit Cara ein weiterer Baustein der guten Kooperation mit „Vier Pfoten“ hinzugekommen sei: Die Organisation mit Hauptsitz in Wien habe sämtliche Pflegekosten – Futter, Medikamente und Tierarzt – für Cara übernommen.

Beim Verabschiedungstag für Cara am Samstag, 18. Juli, hat das Tierheim von 13 bis 16 Uhr geöffnet, es gibt Kartoffelsalat und Würstchen sowie selbstgebackenen Kuchen und Kaffee für die Besucher. „Cara, die Abwechslung liebt, würde sich über zahlreiche Besucher sehr freuen“, sagt Claudia Kemmler. (plu)

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