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Die Bilder des Künstlers Günther Rechn hängen überall in Sigrid Aschenbachs Haus an der Ludwigshöhstraße.
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Die Bilder des Künstlers Günther Rechn hängen überall in Sigrid Aschenbachs Haus an der Ludwigshöhstraße.

Neues Galerie-Konzept

Das Tierporträt über der Wohnzimmer-Couch

Sigrid Aschenbach lädt kunstsinnige Menschen lieber in ihren Salon als in eine Galerie: Wohin Besucher sich in ihrem Haus an der Ludwigshöhstraße verirren: Überall hängen Bilder von Günther Rechn. Von Astrid Ludwig

Von ASTRID LUDWIG

Im 18. und 19. Jahrhundert luden die Damen der Gesellschaft in Paris, Wien oder auch Berlin Künstler, Literaten, Musiker in ihre Salons. Es waren kleine private, sehr kunstsinnige Zirkel.

In Anlehnung daran gibt es seit Samstag in Darmstadt die "Galerie Maximilian". Galeristin Sigrid Aschenbach lädt Künstler und Kunstinteressierte statt in Ausstellungsräume in ihr Wohnzimmer in Bessungen ein. Die Gemälde des ostdeutschen Malers Günther Rechn hängen in ihrem Treppenhaus, im Bad, in der Küche und über der Couch.

Die Situation ist ungewohnt. Fast fühlt sich der Besucher wie ein Eindringling in die Privatsphäre, wenn er durch die Stockwerke des Hauses in der Ludwigshöhstraße streift, mal einen Blick ins Gästezimmer wirft, in den Flur oder das Bad. Überall hängen die expressiv farbigen Gemälde von Günther Rechn - sogar auf der mit einem Tuch dekorierten Wand der Dusche - passenderweise sind es hier nackte Badende.

Kunst hautnah und nicht in der oftmals sterilen Anonymität einer Galerie zu präsentieren - das war schon lange Sigrid Aschenbachs Traum. 1985 hatte sie dieses Konzept bereits in der ehemaligen DDR in ihrer Wohnung umgesetzt, "weil öffentliche Ausstellungsräume rar waren", erzählt sie.

Aschenbach war damals Kunsterzieherin für Jugendliche. 1996 kam sie nach Darmstadt, stellte im Kunstzelt auf dem Weihmachtsmarkt erstmals aus. Keine eigenen Arbeiten, sondern die Gemälde, Schmuck und Keramiken anderer Kunstschaffender. Sie fühlt sich als Galeristin, nicht als Künstlerin.

Ihrem Mann und ihr gehören Haus und das Café "Linie 3" in Bessungen. Vor drei Jahren begann sie dort erstmals in den Räumen des Kafeehauses Kunst auszustellen.

Nun hat sie die Ausstellungsfläche auf das ganze Haus und drei Stockwerke ausgedehnt. 78 Bilder des ostdeutschen Künstlers sind derzeit gehängt. Besichtigungen sind nach Vereinbarung möglich.

Es stört sie nicht, dass Menschen durch ihr privates Reich laufen. "Ich habe genug Platz", lacht sie. Weil sie keine Miete für Ausstellungsräume zahlen müsse, könne sie hohe Qualität bei der Kunst anbieten. Käufer können in lockerer Atmosphäre betrachten und auswählen.

Hallenser Tradition

Lutz Fichtner, Kunsthistoriker und Mitarbeiter des Hessischen landesmuseums Dramstadt, ist angetan von der "ungewohnten, aber reizvollen Atmospäre" und Idee, Kunst in Privaträumen zu zeigen.

Er lobt die Menschen - und auch vielen Tierporträts und Naturstudien des Malers Günther Rechn, der bei Willi Sitte, einem der bekanntesten Künstler der ehemaligen DDR in die Schule gegangen ist. Rechns flüchtig aufgetragener, dynamischer Pinselstrich stehe in der Hallenser Tradition.

Rechn selbst findet Gefallen an der privaten Präsentationsform. "Ich habe gute Ausstellungsbedingungen vorgefunden", sagt er.

Sigrid Aschenbachs Mann Germann Halcour erträgt den Menschenauflauf bei der Vernisage am Wochenende in seinem Wohnzimmer mit Gelassenheit. "Man muss seine Frau sehr lieben, um das mitzumachen", scherzt er. Dem schwarzweißen Kater Kasimir ist das alles zu viel. Er verzieht sich nach oben ins Schlafzimmer- - dem einzigen privaten Bereich, wo keine Bilder ausgestellt sind.

Günther Rechn, Ausstellung bis 1. Februar 2009, Galerie Maximilian, Ludwigshöhstraße 1a, Darmstadt, Termine nach Vereinbarung: 06151 / 65822, www.galerie-maximilian.de

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