1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Tierkrematorium Darmstadt: Eine Urne für Atias Asche

Erstellt: Aktualisiert:

Von: May-Britt Winkler

Kommentare

Die Kerze brennt und ein letzter Gruß steht auf einer Decke: Eine Katze ist zum letzten Abschied aufgebahrt.
Die Kerze brennt und ein letzter Gruß steht auf einer Decke: Eine Katze ist zum letzten Abschied aufgebahrt. © May-Britt Winkler

Ein Tierbestattungsunternehmen äschert in einem Krematorium in Darmstadt tote Haustiere ein.

Wenn jemand stirbt, ordnet sich alles neu. Obwohl die Welt noch die alte zu sein scheint, ist doch alles anders. Für die Zurückgebliebenen bricht oftmals ihre Welt zusammen und je nach Intensität der Liebe gibt es keinen Unterschied, ob es sich um Mensch oder Tier handelt.

So wünschen sich manche für ihren Hund, ihre Katze oder ihr Kaninchen den gleichen würdigen Abschied wie für Opa oder Großtante. Besonders dann, wenn der tierische Begleiter auch noch deutlich liebenswerter war. „Viele Menschen brauchen ein Relikt zum Trauern und das Wissen, dass das Tier auch nach dem Tod würdig behandelt wurde“, sagt Carsten Weber, Geschäftsführer der Pax-Animalis-Tierbestattung.

Tierkrematorium Darmstadt: Wöchentlich um die 40 Einäscherungen

In dem an die Tierbestattung angegliederten Tierkrematorium werden wöchentlich um die 40 Tiere eingeäschert. Tierbestattungen boomen und das nicht erst im 21. Jahrhundert. Bereits die alten Ägypter führten rituelle Tierbegräbnisse durch. Krokodilfriedhöfe waren am Nil keine Seltenheit und mumifizierte Katzen und Falken bekamen eigene Sarkophage. Der erste Tierfriedhof der Neuzeit wurde 1889 in der Nähe von Paris gegründet. Dort liegt beispielsweise der berühmte Filmhund Rin Tin Tin.

In Darmstadt selbst gibt es keinen solchen Friedhof. Die nächste Gelegenheit findet sich in der Gemeinde Mühltal im Landkreis Darmstadt-Dieburg zwischen Frankenhausen und Nieder-Beerbach auf dem „Tierfriedhof Eichenwald“. Auch im eigenen Garten darf man sein Tier begraben, allerdings, sagt Weber, „mit ausreichend Abstand zu Wegen und Nachbargrundstücken sowie abseits von Wasserschutzgebieten“. „Und sie müssen tief genug begraben werden, damit Wildtiere sie nicht wittern können.“

Teamwork: Pax animalos-Geschäftsführer Carsten Weber (l.) und Kremierer Achim Lochmann, der einen feuerfesten Schamottstein mit einer Nummer in der Hand hält, mit dem die Asche des jeweils verbrannten Tieres identifiziert werden kann.
Teamwork: Pax animalos-Geschäftsführer Carsten Weber (l.) und Kremierer Achim Lochmann, der einen feuerfesten Schamottstein mit einer Nummer in der Hand hält, mit dem die Asche des jeweils verbrannten Tieres identifiziert werden kann. © May-Britt Winkler

Darmstadt: Asche aus dem Tierkrematorium eignet sich als Dünger

Die pragmatische Lösung nach dem Ableben des Haustieres ist der Verbleib beim Tierarzt. „Von dort wird es zu einer Tierkörperbeseitigungsanstalt gebracht. Das ist zwar ökologisch in Ordnung, aber eben nicht pietätvoll“, sagt der Bestatter, denn gemeinsam mit verunfallten Wildtieren und Schlachtabfällen enden so unsere einst geliebten Freunde als Tiermehl oder -fett, aus denen Futtermittel oder Biodiesel hergestellt werden.

Mit diesem Wissen entscheiden sich viele dann lieber für eine Kremierung. „Die Asche kann entweder in einer Urne zu Hause aufbewahrt oder in der Natur ausgestreut werden. Im Gegensatz zu menschlichen Überresten ist das überall möglich“, erklärt Weber, und Kremierer Achim Lochmann betont die Wirkung von Asche auf die Natur: „Sie ist ein hervorragender Dünger. Mikroorganismen siedeln sich daran an, und Blumen und Pflanzen wachsen damit ganz wunderbar.“

So kommen die Überreste der Tierkadaver aus dem Ofen bevor sie zu feiner Asche gemahlen werden. Oben auf den Überresten liegt der Schamottsteien. Die Nummer darauf identifiziert das jeweils verbrannte Tier.
So kommen die Überreste der Tierkadaver aus dem Ofen bevor sie zu feiner Asche gemahlen werden. Oben auf den Überresten liegt der Schamottsteien. Die Nummer darauf identifiziert das jeweils verbrannte Tier. © May-Britt Winkler

Was eine Tierbestattung in Darmstadt kostet

Natürlich ist ein pietätvoller Abschied auch immer eine Frage der finanziellen Mittel. Wenn die Tierarztbehandlung schon das Ersparte verschlungen hat, ist eben manchmal nichts mehr übrig für eine Bestattung, die inklusive Kremierung und Urne bei etwa 110 Euro - je nach Größe des Tieres- beginnen kann. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Und wer seinen tierischen Schatz für immer verewigen will, lässt die Asche zu einem Diamanten verarbeiten.

Infos zu Tierbestattungen in Darmstadt

Die Pax-Animalis-Tierbestattung, Pallaswiesenstraße 146, hat 2015 das Tierkrematorium Darmstadt übernommen. Infos über Bestattungsmöglichkeiten unter paxanimalis.de und telefonisch unter 06151/154 1332.

Eine Einzeleinäscherung kostet ab 138 Euro für Kleintiere und bis zu 368 Euro für einen schweren Hund. Auch günstigere Gemeinschaftseinäscherungen sind möglich.

Für die Abholung vom Tierarzt oder von zu Hause, die Aufbewahrung in der Kühlzelle bis zur Einäscherung, die Aufbahrung zur Verabschiedung, den Versand sowie die Auslieferung der Urne oder des Aschekartons fallen zudem weitere Zusatzkosten an.

So manch einer belächelt diese Tierfreunde, die ihren Liebling menschengleich betrauern, aber für viele ist ein Haustier eben genau das, was das Menschliche ausmacht: Es leistet Gesellschaft, spendet Trost, lässt Liebe zu und scheint gar selbst zu lieben, ist treu und geduldig. Tiere betrügen nicht, kritisieren nicht und urteilen nicht. Sie begleiten Familien durch das Leben, Kinder durch das Großwerden und unzählige Menschen durch die Einsamkeit.

Tierkrematorium Darmstadt: Asche von Hündin Atia steht auf dem Klavier

Jennifer Guerrieri kommen heute noch die Tränen beim Gespräch über ihre 2021 verstorbene Hündin Atia. Diese war Sonnenschein, Spielkameradin, Kuscheltier, aber vor allem Familienmitglied. Als sie starb, flossen unzählige Tränen, doch die Urne, die seitdem auf dem Klavier seht, ist großer Trost. „Ich streichele dann darüber und das gibt mir Kraft. Die fehlte uns anfangs, aber das Team von Pax Animalis hat alles organisiert, Atia bei uns abgeholt und die Bestattung sehr einfühlsam abgewickelt. Das macht so einen Verlust etwas erträglicher.“

Die letzten Überreste in Form von Asche, ob nun auf dem Klavier oder verstreut in der Natur, erhalten schöne Erinnerungen am Leben. Denn, so brachte es schon Immanuel Kant auf den Punkt: „Tot ist nur, wer vergessen wird.“

Eine Auswahl an Urnen: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Eine Auswahl an Urnen: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. © May-Britt Winkler

Auch interessant

Kommentare