+

Buch

Tief geschürft

  • schließen

Ein Buch gibt Einblicke in die Grube Messel.

Es muss ein gewaltiger Knall gewesen sein, der vor gut 48 Millionen Jahren ein tiefes Loch in die europäische Kontinentalplatte sprengte. Entstanden war ein Maar, ein Vulkankrater, der sich mit Wasser und Sediment zu füllen begann. Eine Million Jahre lang bildeten sich dort Ölschiefer, bis der See schließlich verlandete und von weiteren Sedimenten bedeckt wurde.

Dann passierte rund 47 Millionen nichts, jedenfalls nichts, was der Erwähnung wert wäre. Bis im Jahr 1875 das erste fossile Krokodil aus dem Ölschiefer der heutigen Grube Messel bei Darmstadt geborgen wurde. 

Forscher der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung haben aus dem, was im Laufe von einer Million Jahre, in der der Maarsee existierte, dort lebte oder hineingeplumpst ist, ein eindrucksvolles Buch gemacht. Der Band „Messel – ein fossiles Tropenökosystem“ versammelt so ziemlich alles, was seit 1875 aus den Schichten des Ölschiefers geborgen worden ist.

Das sind – natürlich – die Urpferdchen, kaum größer als ein Foxterrier, deren erstes 1975 vom Licht der Gegenwart beschienen wurde. Eine ganze Herde ist schon zum Vorschein gekommen. Gleich vier Arten konnten die Paläontologen identifizieren. 

Oder Ida, ein früher Primate, die ein privater Gräber aus der Grube geholt hatte. Dieses Fossil hielt für die Forscher eine besondere Überraschung bereit: Ein kleines rundes Objekt im Bauchraum, das man zunächst für eine Fischschuppe hätte halten können, entpuppte sich als Samen einer Frucht. Im Ölschiefer erhielt sich nicht nur das Skelett, sondern auch das Fell bis in einzelne Haarspitzen hinein. 

Und selbstverständlich gab es im tropenwarmen See von Messel vor gut 47 Millionen Jahren auch jede Menge Schildkröten, Frösche, Schlangen und Fische. 
All das findet sich nun auf 360 Seiten und in teils großformatigen Bildern und Illustrationen in dem von Stephan Schaal, Krister Smith und Jörg Habersetzer herausgegebenen Senckenberg-Band wieder. 

Auch die mühevolle Arbeit der Forscher ist dort nachzulesen. Dokumentiert ist außerdem die abenteuerliche Geschichte der Grube, die zur Mülldeponie werden sollte und die – im weltzeitlichen Maßstab – in der wirklich allerletzten Hundertstelsekunde vor dem Zuschütten bewahrt wurde. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare