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Thriller im Kurzformat

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Von: Andreas Hartmann

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Eine Szene aus dem beklemmenden Kurzfilm „Lebensraum“.
Eine Szene aus dem beklemmenden Kurzfilm „Lebensraum“. © Philipp Seifert

Sebastian Weissgerber aus Ober-Ramstadt beteiligt sich mit seinem Drehbuch am Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken – schon die Einladung gilt als Riesenerfolg in der Filmbranche

Der Saarbrücker Max-Ophüls-Preis ist nach eigener Darstellung „das wichtigste Festival für den jungen deutschsprachigen Film“, das sich der „Entdeckung junger Talente aus Österreich, Deutschland und der Schweiz“ widmet. Schon die Einladung zur Teilnahme ist eine Auszeichnung. Dass Sebastian Weissgerber, den Darmstädter Leser:innen als FR-Autor im Lokalteil und vielleicht auch als Künstler kennen, neben Regisseur Hannes Maar mit seinem Drehbuch zu dem cleveren Science-Fiction-Film „Lebensraum“ am 24. Januar in Saarbrücken sein darf, ist also etwas sehr Besonderes in der Branche. 20 Filme sind in diesem Jahr im Wettbewerb.

Weissgerber, der in Ober-Ramstadt lebt, hat nach einem Studium in Darmstadt eine Ausbildung zum Drehbuchschreiber an der Filmarche Berlin gemacht, einer freien, vor 18 Jahren gegründeten selbstorganisierten Filmschule. „Die Studierenden machen dort wirklich alles selbst, vom Sekretariat über die Bar bis zum Putzen der Toiletten“, sagt er. „Ich finde das Konzept der Filmarche großartig.“

Gerade mal 14 Minuten lang ist das verstörende Bewerbungsgespräch für einen WG-Platz, dem sich eine junge Frau aussetzt. Denn hier geht es nicht um schöner Wohnen, sondern ums nackte Überleben, sie kämpft nach offenbar schrecklichen Ereignissen in der Welt um einen Platz im Bunker.

Das kommt uns in Zeiten, wo es wieder Krieg gibt in Europa und eine Pandemie gerade erst abklingt, vielleicht gar nicht so utopisch vor, doch sei daran im Jahr 2019, als er das Drehbuch zusammen mit Regisseur Maar durchsprach, noch gar nicht zu denken gewesen, wie Weissgerber sagt. Nun jedoch ist es ein Film, der genau in die Zeit passt.

Das Filmfestival

Die 44. Auflage des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis findet vom 23. bis 29. Januar 2023 in der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken statt. Im Rahmen des Festivals werden in den vier Kategorien Spielfilm, Dokumentarfilm, mittellanger Film und Kurzfilm 18 Preise mit einem Preisgeld von insgesamt 118 500 Euro verliehen.

Das Filmfestival steht seit mehr als vier Jahrzehnten für die Entdeckung junger Talente aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Die Preisverleihung am Samstag, 28. Januar, kann von 19.30 Uhr an via ffmop.de/das_festival/preisverleihung gestreamt werden. jjo

„Ich war gerade in Berlin an der Filmschule, als dort Wohnungsnot ein ziemliches Thema war, aber wir wollten für unseren Film kein normales Vorstellungsgespräch für eine Wohngemeinschaft zeigen, sondern es sollte schon schärfer sein“, berichtet er. Das Kammerspiel, das so entstand, spielt auf engstem Raum in kurzer Zeit, fast nur in einem einzigen düsteren Zimmer, mit kleiner Besetzung. Das hat auch ganz praktische, ja fast banale Gründe, man ist vom Wetter und der Tageszeit unabhängig, hat elektrischen Strom und fließendes Wasser, kann die rund 20 Leute am Filmset auch mit Essen versorgen. „So ein Drehtag dauert ja mindestens acht Stunden“, sagt er.

Der fertige Kurzfilm ist intensiv. „Ein Kammerspiel ist für das Team einfacher zu drehen, macht es aber für den Drehbuchautor schwieriger“, wie Weissgerber betont. „Alles muss stimmen, es ist sehr dicht, und es kommt auf jedes Detail an. Das wird oft unterschätzt.“

Das Skript für „Lebensraum“ sei, so berichtet er, erst sein zweites Drehbuch, das verfilmt worden sei, und sogar das erste mit großem Aufwand und professionellen Schauspieler:innen. Leben kann der 38-Jährige aber nicht davon. „Die Leute, die Drehbücher schreiben, wurden bisher kaum wahrgenommen“, sagt er. „Bei Preisverleihungen wurden die Autoren oft gar nicht erst eingeladen, da hieß es, man habe keinen Platz.“

In Saarbrücken ist das allerdings anders – obwohl der Drehbuchschreiber Weissgerber auf einer ganz aktuellen Liste von Filmen mit Hessenbezug, die das Festival in dieser Woche verschickt hat, offenbar auch vergessen wurde. Immerhin erfährt man da, dass Lebensraum-Hauptdarstellerin Lena Reinhold aus Darmstadt stammt und auch etliche weitere junge Talente aus der Region kommen. Der Kurzfilm „Manchmal will ich schreien“ von Vanessa Rösgen ist sogar an der Hochschule Darmstadt entstanden. Es ist das Abschlussprojekt des hiesigen Studiengangs „Motion Pictures“.

Drehbuchautor Sebastian Weissgerber schreibt seit vielen Jahren auch für die Frankfurter Rundschau.
Drehbuchautor Sebastian Weissgerber schreibt seit vielen Jahren auch für die Frankfurter Rundschau. © privat

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