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Therapie mit Lama

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White Boy und Chaekers stehen auf einer abgegrasten Weide am Molkenbachweg.
White Boy und Chaekers stehen auf einer abgegrasten Weide am Molkenbachweg. © Claus Völker

Spaziergänger wundern sich, Kinder machen große Augen: Auf einer Koppel am Altenzentrum Rosenhöhe stehen zwei Lamas. Die beiden Tiere gehören Beate Kuby. Sie will beide bei der tiergestützten Therapie ihrer Klienten einsetzen.

Wer zufällig am Molkenbachweg vorbeikommt, wundert sich über die beiden Lamas auf der Pferdekoppel. Wo kommen sie her? Die Bewohner des Altenzentrums an der Rosenhöhe haben sich schon an die Exoten gewöhnt. Der unerwartete Anblick verblüfft aber noch immer Erwachsene und entzückt Kinder. Weil der Laie wenig über Lamas weiß – außer, dass sie spucken können – werden die Kleinen vorsorglich davon abgehalten, sich ihnen zu nähern. Hunde stellen verblüfft fest, dass ihr Bellen die beiden Fremdlinge nicht etwa verschreckt, sondern sogar noch anlockt.

Hat das Vivarium etwa eine Zweigstelle an der Rosenhöhe eröffnet? Wem gehören die Lamas und zu welchem Zweck werden sie gehalten? Wer zur Fütterungszeit kommt, kann seine Fragen gleich bei Beate Kuby (42) loswerden.

Die Psychotherapeutin, Psychosomatikerin und Traumaspezialistin ist die Besitzerin des zweijährigen Hengstes White Boy und des vierjährigen Wallachs Chaekers. Sie will beide bei der tiergestützten Therapie ihrer Klienten einsetzen. Erfolgversprechend sei dies vor allem bei hochsensiblen oder autistischen Menschen.

Spiegel für Emotionen

„Lamas sind intelligent, neugierig, genügsam und unbestechlich“, schwärmt sie von ihren Therapiehelfern. Diese Kamelart gehört zu den ältesten Haustieren des Menschen. In den südamerikanischen Anden werden die zähen, robusten Tiere als Lasttiere genutzt. Da haben es White Boy und Chaekers in Darmstadt schon besser. Sie sollen lediglich, so die Psychotherapeutin, die Schwingungen von Menschen „spiegeln“, die den Zugang zu ihrer inneren Natur verloren haben. Lamas sind aber auch eigenwillig, biedern sich nicht an, reagieren selten auf Zuruf. Deshalb ist es immer wieder spannend mitzuerleben, wie sich Mensch und Tier einander nähern – schüchtern oder forsch, ängstlich oder freudig.

Wie baut ein Klient die Distanz ab, wie nimmt er Kontakt zu den Tieren auf, welche Assoziationen hat er dabei? Im anschließenden Gespräch wird das Verhaltensmuster analysiert. Wer sich von den Lamas abgelehnt glaubt, fühlt sich oft auch von anderen Menschen zurückgewiesen.

Zu den Lamas ist Beate Kuby über eine Klientin gekommen, deren Nachbarin Lamas züchtet. Von ihr bekam Beate Kuby White Boy und Chaekers geschenkt. Damit kann sie ihre tiergestützte Therapie, bei der sie bisher Pferde, Schafe und Hunde einsetzte, erweitern. Zunächst waren die Lamas in der Nähe von Beate Kubys Landpraxis in Ober-Ramstadt untergebracht, ab Mitte Januar will sie ihre Land- mit der Stadtpraxis zusammenlegen.

Da Lamas Schwielensohlen haben, massieren sie beim Gehen den Boden und seien daher richtige Landschaftspfleger, erklärt die Besitzerin. Dank ihres Mutes und ihrer scharfen Zähne könnten sie Hunde und Füchse vertreiben. Auf den bereits von Pferden abgegrasten Wiesen fänden sie immer noch genügend Nahrung. Trotzdem wird im Winter Heu und eine Körnermischung zugefüttert.

Vor Spuckattacken müssen sich Zweibeiner, die sich den Lamas auf dem eingezäunten Grundstück gegenüber dem Altenheim in friedvoller Absicht nähern, nicht fürchten. Diese klebrige Abwehrtechnik werde nur bei Rangkämpfen angewandt, versichert Beate Kuby. Hier aber sind die Fronten geklärt: Chaekers ist ein Wallach und Hengst White Boy daher der Chef. (pyp.)

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