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Konrad Mutschler, Hubert Schlemmer und Antonia Wolf schlüpfen in zahlreiche Rollen.

Staatstheater Darmstadt

Theater für die Ohren

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Der Regisseur Eike Hannemann inszeniert das Hörspiel „Billy Backe“ für Kinder am Staatstheater Darmstadt - mit der selben Sorgfalt wie ein Erwachsenen-Stück.

Kinder sind ein anspruchsvolles Theater-Publikum. „Ich würde sagen, sie sind mindestens genauso anspruchsvoll wie Erwachsene“, sagt der Regisseur Eike Hannemann, dessen Hörspiel-Inszenierung „Billy Backe“ am Sonntag Premiere am Staatstheater Darmstadt feiert. „Kinder sind sogar eher noch gnadenloser, weil sie Widersprüche nicht verzeihen.“ Hannemann hat den Vergleich: Der frei Regisseur inszeniert auch viel für Erwachsene, in diesem Frühjahr beispielsweise die Groteske „Auf hoher See“ in Erlangen.

Hörspiele sind – bei aller medialer Reizüberflutung – ein Dauerbrenner im Kinderzimmer. Und auch viele Erwachsene begeistern sich für das „Kino für die Ohren“, wie es manchmal genannt wird. Denn Hörspiele lassen der Fantasie viel Raum. Im Staatstheater hat man mit solchen Live-Hörspielen auf der Bühne beste Erfahrungen gemacht. Regisseur Hannemann inszenierte hier bereits für größere Kinder die „Reise um die Erde in 80 Tagen“ nach dem berühmten Roman von Jules Verne als Hörspiel, zuletzt zu sehen im Dezember.

Regisseur Eike Hannemann wird am Premierentag von „Billy Backe“ 44. 

Jetzt wagt er sich mit „Billy Backe“ erstmals an ein Stück, bei dem die Zuschauer im Kindergarten-Alter sind. Getestet hat er es mit einer Darmstädter Kita, die auch mehrmals zu Besuch ins Staatstheater kam. „Wir haben uns zum Beispiel gemeinsam gefragt, wie Wind klingt oder wie die Figuren kostümiert sind“, erzählt Hannemann, der selbst Vater von zwei sechs und neun Jahre alten Söhnen ist. Natürlich entstehen die Geräusche auf der Bühne, wo zum Beispiel ein Wasserbecken bereitsteht.

„Mit Lauchstangen kann man wunderbare Sachen machen“, berichtet Hannemann. „Damit entsteht zum Beispiel das Geräusch von schlagenden Flügeln, und auch Knochenbrechen kann man damit imitieren. So macht man das sogar bei der Synchronisation von Kinofilmen.“

„Billy Backe“, das komische Kinderstück nach einem Buch von Markus Orths, steckt voller möglicher Geräusche, Wald- und Meeresrauschen etwa, und voller wunderbarer zungenbrecherischer Wörter wie Walle-Wacke-Land. Die Figuren haben so schöne Namen wie „Polly Posthörnchen“, „Mini-Murmel“ oder eben „Billy Backe“, es geht um das Land der Tollpatschen und das der Strumpfnasen, die die Helden auf einer abenteuerlichen Reise auf der Suche nach dem verschollenen Vater von Mini-Murmel durchqueren müssen.

Gespielt werden die zahlreichen Rollen von nur drei Schauspielern, Konrad Mutschler, Hubert Schlemmer und Antonia Wolf aus dem Ensemble. Geprobt wird seit Wochen. „Wir haben die Textbücher daliegen wie Musiker eine Partitur“, erzählt der Regisseur. „Alle Geräusche erzeugen wir live bei der Aufführung, Vogelpfeifen, Wasserplätschern und vieles mehr. Und natürlich ist das auch nicht so, dass man da steif dasteht, sondern man geht mit, wenn man seine Rollen spricht. Das ist selbst bei Studioaufnahmen so, und das ist ja auch der Spaß dabei.“

Eigentlich sei, sagt Hannemann, bei dieser Inszenierung der einzige Unterschied zu einem Erwachsenen-Stück die Premierenfeier. „Die ist nämlich bei Billy Backe schon nachmittags!“

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