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Teures Ticket

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Nur wenn die Klassen an der Gutenbergschule voll besetzt sind, müssen Eltern die Anfahrt zu Schulen in der Stadt nicht bezahlen.
Nur wenn die Klassen an der Gutenbergschule voll besetzt sind, müssen Eltern die Anfahrt zu Schulen in der Stadt nicht bezahlen. © Roman Grösser

Eberstädter Schülern werden die Fahrtkosten zum Lichtenberg-Gymnasium in Darmstadt nicht erstattet. Die Eltern bleiben auf den Kosten sitzen. Eine streitbare Mutter hat jetzt Widerspruch gegen den abschlägigen Bescheid eingelegt.

Karin Abenhausen ist sauer. Die alleinerziehende Mutter aus Eberstadt hat Post von der Stadt bekommen. Ihr Antrag auf Erstattung der Schülerjahreskarte Mobitick für ihren Sohn wurde abgelehnt. Mehr als 150 Familien im Stadtteil hätten den gleichen Brief bekommen, sagt sie.

Der Fünftklässler besucht seit September das Lichtenberg-Gymnasium in Darmstadt. Angeblich wird das Ticket nicht bezahlt, weil es an der Gutenbergschule in Eberstadt, einer kooperative Gesamtschule mit neun Jahren bis zum Abitur, noch fünf freie Plätze gebe.

Nach dem Hessischen Schulgesetz (Paragraf 161, Absatz 4) muss der Schulträger, also die Stadt, bei einem Schulweg von über drei Kilometer Länge nur die Beförderung „zur nächstgelegenen, aufnahmefähigen Schule“ erstatten, „deren Unterrichtsangebot es der Schülerin oder dem Schüler ermöglicht, den gewünschten Abschluss am Ende der Mittelstufe (Sekundarstufe I) ohne Schulwechsel zu erreichen“. Damit gibt sich Abenhausen nicht zufrieden. Sie ist Elternvertreterin in der neuen Klasse ihres Sohnes und hat Widerspruch eingelegt. Über ihn ist noch nicht befunden worden. Die streitbare Mutter sieht eine ganze Reihe von Ungereimtheiten. „Wenn die Stadt kein Geld mehr hat und sparen muss, soll sie es doch sagen.“

Die städtische Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel verweist dagegen auf die eindeutigen Formulierungen im Schulgesetz. Das Problem sei, dass viele Eltern ihre Kinder nicht auf eine Gesamtschule, sondern lieber auf ein traditionelles Gymnasium schicken. Die Folge sei, dass Eberstädter Schüler zur Lichtenbergschule streben. „Das Schulgesetz unterscheidet nicht zwischen verschiedenen pädagogischen Konzepten. Auch die Frage G?8- oder G?9-Abitur spielt keine Rolle.“

Wenn es an der Gutenbergschule freie Plätze gebe, habe man als Schulträger gar keine andere Wahl, als darauf zu verweisen, so die Pressesprecherin. So verfahre man schon seit Jahren; von Sparmaßnahme könne nicht die Rede sein.

Dass mehr als 150 Familien nun die Erstattung der Kosten von 264 Euro für die Zeitkarte verweigert werde, wie die Mutter angibt, kann Dreiseitel nicht bestätigen. Bisher lägen lediglich sieben Widersprüche vor. Unterschiedliche Darstellungen gibt es auch in einem anderen Punkt: Im vergangenen Jahr wurden Mobitick-Anträge Eberstädter Eltern noch genehmigt. Darin stimmen Karin Abenhausen und die Pressesprecherin überein. Die Kinder besuchen jetzt Klasse sechs der Lichtenbergschule.

2009 habe die Leitung der Gutenbergschule eine Vollbesetzung ans Schulamt gemeldet, sagt Dreiseitel. Daher habe man gemäß Schulgesetz das Ticket erstattet. Laut Vorgaben darf eine Klasse an Gymnasien mit maximal 28 Schülern besetzt sein, dazu kommen zwei Notplätze. Sie werden für Zuzüge, Klassenwiederholer und ähnliche Fälle gebraucht. Karin Abenhausen sagt dagegen, aus dem Sekretariat habe sie erfahren, dass damals 25 Kinder in der Klasse saßen, es also auch 2009 freie Plätze gegeben habe. Dazu Sigrid Dreiseitel: „Wir halten uns an die offiziellen Zahlen.“ (ryp)

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