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Teures Geschenk

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Vor allem Jugendmannschaften nutzen den Kunstrasenplatz, für den die Stadt einst eine Bürgschaft übernommen hatte.
Vor allem Jugendmannschaften nutzen den Kunstrasenplatz, für den die Stadt einst eine Bürgschaft übernommen hatte. © Roman Grösser

Das Regierungspräsidium prüft derzeit das 780.000-Euro-Hilfspaket der Stadt für SV Darmstadt 98. Darmstadts neuer Kämmerer André Schellenberg ist optimistisch, dass die Aufsichtsbehörde trotz der prekären Finanzlage der Stadt die Erlaubnis erteilt.

Ein Schuldenerlass über mehr als eine halbe Million Euro, die Finanzierung einer neuen Flutlichtanlage und die Sanierung des Kunstrasenplatzes: Mit zusammen 780?000 Euro will die Stadt den SV?Darmstadt?98 unterstützen. Zwar hat die Stadtverordnetenversammlung dieses Paket vor den Sommerferien bereits beschlossen. Ob dem jedoch auch der Regierungspräsident zustimmt, ist offen. Er lässt derzeit prüfen, ob sich die Stadt angesichts ihrer prekären Finanzlage diese Unterstützung leisten kann. Der neue Kämmerer André Schellenberg (CDU) ist optimistisch, dass die Aufsichtsbehörde die Erlaubnis erteilt.

„Das sind freiwillige Leistungen der Stadt. Wir wollen wissen, wie sie das finanzieren will“, sagt RP-Sprecher Gerhard Müller. Schließlich sei Darmstadt finanziell „nicht auf Rosen gebettet“. Seit Jahren legt der RP bei der Genehmigung der Haushalte besonderes Augenmerk auf die freiwilligen Leistungen, also Ausgaben, die die Stadt nicht zu zahlen verpflichtet ist. „Dazu zählt auch Geld für einen Profiklub“, sagt Müller. In einem Schreiben fordere die Finanzaufsicht vom Magistrat eine Erläuterung. Unter anderem auch Angaben darüber, wo stattdessen Geld eingespart werden soll.

780.000 Euro Unterstützung

Kämmerer Schellenberg teilt die Auffassung nicht, dass mit dem Hilfspaket Profifußball unterstützt wird. Der Kredit, für den die Stadt 2003 gebürgt habe, sei für den Bau eines Kunstrasenplatzes genutzt worden. „Darauf spielen aber nicht die Profis, sondern Amateur- und Jugendmannschaften“, sagt Schellenberg und folgert daraus: „Wir unterstützen damit also den Breitensport.“

Der Frage, ob die Stadt deshalb an anderer Stelle sparen werde, weicht Schellenberg aus. Er verweist auf die Haushaltsklausur des Magistrats, deren Ergebnisse am heutigen Freitag vorgestellt werden sollen. Zudem habe die Stadt das Geld ja bereits ausgegeben, denn im Rahmen des Insolvenzverfahrens habe die Bank vor Jahren die Bürgschaft eingefordert. Es gehe darum, ob der Verein den Betrag zurückzahle oder nicht. Der frühere Magistrat und das neue Stadtparlament haben die Frage mit ihren Beschlüssen beantwortet.

Nur lautete die Begründung der Vorlage anders als die aktuelle des Kämmerers. Der Verzicht auf die Forderung von 538?000 Euro sollte demnach erfolgen, „um den Verein auch nachhaltig wirtschaftlich zu stabilisieren und für den Spielbetrieb in einer höheren Liga vorzubereiten“.

Diese Formulierung und den Zeitpunkt des Magistratsbeschlusses (wenige Tage vor dem Aufstieg) hält André Schellenberg deshalb für „unglücklich“. Auch der Beschluss über den Bau der Flutlichtanlage wurde mit Auflagen für die Dritte Liga verknüpft. „Doch damit und mit der Sanierung des Kunstrasenplatzes investieren wir in die Infrastruktur des stadteigenen und nicht in fremdes Gelände“, sagt Schellenberg. Dies werde er auch dem RP schreiben.

In Vereinen wird indes darüber diskutiert, ob der Schuldenerlass Nachteile für andere Vereine bei mit sich bringt. „Es ist uns zugesagt worden, dass dies nicht geschehen werde“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Sportkreises?33, Thomas Arnold-Münzberg. Darauf würden die Vereine achten. (rf)

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