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Teure Ästhetik

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Die denkmalgerechten Steine hielten den Belastungen kaum acht Jahre stand.
Die denkmalgerechten Steine hielten den Belastungen kaum acht Jahre stand. © Roman Grösser

Die gerade mal acht Jahre alten Natursteine im Pflaster vor dem Hauptbahnhof müssen nun für 300.000 Euro ersetzt werden. Die Busse und Straßenbahnen, die über den Nahverkehrsknoten tagtäglich rumpeln, haben ihnen den Garaus gemacht.

Der Gleisbereich vor dem Haupteingang des Darmstädter Hauptbahnhofs muss wegen gravierender Schäden erneuert werden. Einer entsprechenden Magistratsvorlage stimmte der Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend zu.

„Das ist ein ärgerliches Thema“, sagte gleich zur Eröffnung der Bauausschuss-Vorsitzende Ctirad Kotoucek (CDU). Der Ärger kostet 300?000 Euro. Diesen Betrag muss die Stadt aufwenden, um die Pflasterung am Nahverkehrsknoten vor dem Hauptbahnhof komplett auszutauschen.

Beton soll her

Erst vor acht Jahren war die Fläche parallel zur Bahnhofssanierung angelegt worden – aus Naturstein, um den optischen Eindruck des prachtvollen Bahnhofsbaus optisch zu unterstützen. Die Entscheidung aus ästhetischen Gesichtspunkten rächt sich nun. Denn das Natursteinpflaster war den Belastungen durch tonnenschwere Busse und Straßenbahnen nicht gewachsen. „Es haben sich Setzungen und Spurrinnen gebildet“, heißt es in der Magistratsvorlage zum Thema. „Der Pflasterverband hat sich bereits teilweise gelöst. Der lose Pflasterverband führt zu Beschädigungen an den vorhandenen Straßeneinbauten wie Schachtabdeckungen und Schieberkappen. Schäden sind außerdem an den technischen Einbauteilen der Gleisanlagen der Heag-Mobilo zu verzeichnen.“

Rettung und Erhaltung des Natursteinpflasters seien mit zu hohen Kosten verbunden, fasste Baudezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne) den Erkenntnisstand zusammen. An seiner Stelle soll nun ein Betonsteinpflaster verlegt werden. Das ist in Darmstadt gut bekannt: Es liegt auch auf dem Luisenplatz, und zwar wesentlich länger als acht Jahre. Dort hat es den Härtetest gut bestanden. Die Unterhaltungskosten für diesen Belag halten sich den Erfahrungen nach auch in Grenzen, Lindscheid bezifferte sie für den Bahnhofsvorplatz auf 2450 Euro im Jahr.

Aus der Verwaltung war zu erfahren, dass vom ausführenden Unternehmen bereits während der Verlegung 2004/05 Bedenken geäußert worden waren, ob das gewählte Pflaster den Belastungen auch tatsächlich gewachsen sei.

Regress aussichtslos

Der denkmalgerechte Naturstein sei aber von der Politik damals ausdrücklich gewünscht worden. Schon deswegen seien auch Regressansprüche an die Baufirma aussichtslos.

Die Ausschussmitglieder aller Fraktionen stimmten der Vorlage „zähneknirschend“ zu, wie Erich Bauer von Uwiga es formuliert – mit Ausnahme von Wieland Wiese (Uffbasse), der den Platz lieber gleich betonieren wollte. Ein neues Pflaster sei „kein sinnvoll investiertes Geld“.

Das Stadtparlament entscheidet am 25. April. „Bisweilen ist es hilfreich“, schloss der Vorsitzende Ctirad Kotoucek am Dienstagabend die Debatte, „auf Hinweise der ausführenden Firmen zu hören.“ (bad.)

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