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Teuer wohnen

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Darmstadt ist begehrt: Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt, die den steigenden Bedarf an Wohnraum aber nicht decken kann.

Die Mieten in Darmstadt sind vergleichsweise hoch. Das haben erneut Ranglisten bestätigt. So belegt Darmstadt bei einer Untersuchung des Bonner Forschungsinstituts Empirica den siebten Platz, beim Marktmietenindex von F?+?B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt Platz 23.

Während F?+?B das gesamte Wohnungsangebot erfasst und für Darmstadt auf durchschnittlich acht Euro pro Quadratmeter kommt, betrachten die Empirica-Forscher nur Wohnungen, die ab dem Jahr 2000 gebaut wurden, 60 bis 80 Quadratmeter groß sind und über eine höherwertige Ausstattung verfügen. Hier liegt Darmstadt für das zweite Quartal 2010 bei einem Mietpreis von durchschnittlich 9,84 Euro pro Quadratmeter und folgt damit in den Rankings auf München, Frankfurt, Hamburg, Heidelberg, Düsseldorf und Stuttgart.

Wenig Platz zum Bauen

„Wo Wohnraum knapp ist, gehen die Mieten nach oben“, kommentiert Margit Heilmann vom Mieterverein die Entwicklung. „Wir sind halt in einer florierenden Region.“ Darmstadt verzeichnet immer mehr Zuzug, kann den steigenden Bedarf an Wohnraum aber nicht decken, weil die Ausdehnungsmöglichkeiten begrenzt sind. Das liegt etwa an Richtlinien, die den Wohnungsbau wegen Fluglärms oder der Nähe zum Chemiekonzern Merck verbieten.

Die Verbraucherberaterin sieht im hohen Mietniveau vor allem für Menschen mit geringem Einkommen ein sich verschärfendes Problem. Immer mehr Menschen könnten sich die Mieten auf dem freien Markt nicht mehr leisten, weil Einkommen oder Rente nicht reicht. Da es sich nicht um Arbeitslose handelt, hätten sie aber auch keinen Anspruch auf eine öffentlich geförderte Sozialwohnung, von denen es seit 15 Jahren zudem immer weniger gebe.

Stadt setzt auf Militärflächen

Stadtrat Jochen Partsch (Grüne) bestätigt, dass es früher deutlich mehr geförderte Wohnungen gegeben habe, 2009 seien es 5426 gewesen. Pro Jahr bräuchte Darmstadt etwa 120 bis 150 solcher Wohnungen zusätzlich.

Was die Mieten auf dem freien Markt angeht, vertraut der Stadtrat dem Mietspiegel. Dieser weist für das höherklassige Segment im Gegensatz zur Empirica-Untersuchung nur 7,15 Euro aus. „Der Mietspiegel ist verbindlicher, da können sich Bürger drauf beziehen.“ Der Gruppe der Geringverdiener und Senioren mit einer kleinen Rente rät er, Wohngeld zu beantragen.

Ansonsten sei der Einfluss der Stadt beschränkt. Das Neubaupotenzial sei nun einmal stark reduziert. Zudem müsse es auch im urbanen Raum freie und grüne Flächen geben. Große Hoffnungen setzt Partsch daher in die frei gewordenen ehemaligen Militärflächen, wo neuer Wohnraum entstehen soll. „Wir werden noch bis 2020 wachsen“, stellt Partsch mit Blick auf demografische Entwicklung und Überalterung der Gesellschaft fest. Dann werde sich die Situation entspannen. Aktuell sei aber klar: „Die Mieten werden in den nächsten 10, 15 Jahren nicht fallen.“ (aw)

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