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Teile für Beschleunigeranlage in Darmstadt fehlen

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Von: Annette Schlegl

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20 Hektar groß ist das Gelände in Darmstadt, auf dem das Teilchenbeschleunigerzentrum entstehen soll.
20 Hektar groß ist das Gelände in Darmstadt, auf dem das Teilchenbeschleunigerzentrum entstehen soll. © M. Konradt/GSI/Fair

Russland war das größte Partnerland für die Teilchenbeschleunigeranlage, die in Darmstadt gebaut wird. Nach den Sanktionen fehlen nun wichtige Komponenten.

Die Sanktionen, die gegen Russland verhängt worden sind, haben auch Folgen für Wissenschaftseinrichtungen. In Darmstadt entsteht derzeit auf 20 Hektar das neue internationale Teilchenbeschleunigerzentrum Fair (Facility for Antiproton and Ion Research), eines der größten Forschungsvorhaben weltweit. Von Ende 2025 an sollen dort erste Experimente zum Aufbau der Materie und zur Entwicklung des Universums durchgeführt werden – und ausgerechnet Russland ist das größte Partnerland.

Darmstadt: GSI kooperiert mit Russland auf vielen Feldern

Technische Komponenten für die Anlage könnten durch das Einfrieren der Beziehungen zu Russland aktuell nicht geliefert werden, äußerte sich der Betreiber, das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, auf FR-Anfrage. Der wissenschaftliche Austausch könne nun ebenfalls nicht mehr stattfinden.

Sowohl bei der Entwicklung und Fertigung von Komponenten für die Beschleunigeranlagen als auch bei der Durchführung von wissenschaftlichen Programmen gebe es „Dutzende Kooperationen mit russischen Forschungseinrichtungen“, erklärte das Unternehmen. Aktuell untersuche man deshalb, ob denn der Zeithorizont 2025 mit bereits gelieferten Komponenten und „gegebenenfalls weiteren alternativen Lösungen“ eingehalten werden könne.

Teilchenbeschleuniger Fair in Darmstadt könnte erst später fertig werden

Schon Mitte Februar war bei einer Baustellenbesichtigung kommuniziert worden, dass sich die Arbeiten verzögern könnten, weil sich die Pandemie möglicherweise auf die Lieferketten auswirke. Die Kosten sind mittlerweile von ursprünglich geplanten 1,3 Milliarden auf inzwischen 3,1 Milliarden Euro gestiegen.

Der Ringbeschleuniger mit einem Umfang von 1100 Metern ist das Herzstück der Teilchenbeschleungeranlage.
Der Ringbeschleuniger mit einem Umfang von 1100 Metern ist das Herzstück der Teilchenbeschleungeranlage. © M. Konradt/GSI/Fair

Die Geschäftsführung stehe voll und ganz hinter den verhängten Sanktionen gegen Russland, auch wenn man dadurch nicht wie bisher mit russischen Einrichtungen an gemeinsamen Projekten arbeiten könne. Bis auf weiteres schließe GSI keine neuen bilateralen Kooperationsprojekte mit Forschenden in Russland ab, und laufende bilaterale Kooperationsprojekte mit diesen Forschern und Forscherinnen seien sofort eingefroren worden. Auch die Kommunikation mit „russischen Agenturen jeglicher Art“ habe man eingestellt.

Keine Diskriminierung von Russen und Weißrussen bei GSI

Zahlreiche der 1500 Beschäftigten hätten Familien oder Freunde in den umkämpften Gebieten oder berufliche oder persönliche Verbindungen zur Ukraine und zu Russland. Die Geschäftsführung hat deshalb an alle appelliert, nicht den Fehler zu machen, Kolleg:innen aufgrund ihrer Herkunft und Nationalität zu diskriminieren und sie für die Politik der russischen oder weißrussischen Regierung verantwortlich zu machen.

Um die Mitarbeitenden zu unterstützen, will das Unternehmen eine Task-Force einrichten, das die jeweilige Lage „sorgfältig analysiert und wenn nötig entsprechende neue Wege einleitet“. Auch Angebote wie die betriebliche Sozialberatung würden an die neue Situation angepasst.

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