Herbstliche Idylle: Rund um den Teich an der Kastanienallee am Darmstädter Bürgerpark soll die neue Wohnsiedlung entstehen.
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Herbstliche Idylle: Rund um den Teich an der Kastanienallee am Darmstädter Bürgerpark soll die neue Wohnsiedlung entstehen.

Darmstadt

Teich soll als Wärmespeicher für neue Siedlung am Bürgerpark in Darmstadt dienen

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Im Rahmen eines innovativen Kooperationsprojekts mit der Technischen Universität Darmstadt soll nördlich des Bürgerparks ein energieautarkes Quartier entstehen.

Die geplante Wohnsiedlung in unmittelbarer Nähe zum Darmstädter Bürgerpark soll als energieautarkes Quartier konzipiert werden. Das hat Thomas Müller, einer von drei Partnern der Frankfurter Projektgesellschaft „Kastanienallee am Teich“, angekündigt. Auf dem Areal einer ehemaligen Ziegelei soll rund um ein 6000 Quadratmeter großes Gewässer eine Wohnquartier mit 47 Häusern entstehen. Vorgesehen ist nach den Worten Müllers, den Teich im Rahmen eines innovativen Projekts als Wärmespeicher zu nutzen.

Gegen das Projekt hat sich in Darmstadt die Bürgerinitiative „Pro Bürgerpark“ gegründet. Der Initiative gehört auch der Betreiber eines Biergartens an, der sich in unmittelbarer Nähe zu dem Baugrundstück befindet. An einem mit Ziegeln gemauerten Schornstein und vor einem schon seit vielen Jahren bestehenden Wohnhaus auf dem Areal, wo sich auch der benachbarte Biergarten befindet, hat die BI Plakate mit der Aufschrift „Stop: Bürgerpark kein Bauland“ befestigt.

Wohnquartier am Bürgerpark: Stadt Darmstadt prüft Stellungnahmen

Im Planungsamt der Stadt Darmstadt werden nach der erfolgten Vorlage eines Vorentwurfs für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan derzeit Stellungnahmen, Einwände gegen das Bauvorhaben sowie diverse Gutachten geprüft. Die bis Anfang Juli bei der Stadt – im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit – eingegangenen Anregungen sollen nach Auskunft von Baustadträtin Barbara Boczek (Grüne) im Rahmen der derzeitigen Prüfung abgewogen werden. Müller rechnet mit einer entsprechenden Vorlage seitens der Stadt Anfang nächsten Jahres.

Das Bauprojekt

Auf einem Grundstück zwischen dem Elfeicher Weg im Norden und der Kastanienallee im Süden in unmittelbarer Nähe zum Erholungsgebiet Bürgerpark Nord sollen auf einer Fläche von 5700 Quadratmeter 47 Einfamilienhäuser als Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser errichtet werden.

Der Entwurf sieht fünf Einzelhäuser, 22 Doppelhäuser und 20 Reihenhäuser vor. Die Höhe der Gebäude orientiert sich nach Angaben der Projektentwicklungsgesellschaft um den Frankfurter Unternehmer Claus Wisser sowie den Projektpartnern Thomas Müller und Tobias Rösinger mit zwei Vollgeschossen und einem zusätzlichen Staffelgeschoss an der Wohnbebauung entlang der Kastanienallee und der dort, im gültigen Bebauungsplan festgesetzten Zahl der Vollgeschosse orientieren.

Die Projektgesellschaft kooperiert bei der Entwicklung des Areals auch mit Wissenschaftlern der Technischen Universität (TU) Darmstadt. Auf dem Gelände soll laut Boris Lehmann, der als Professor am Fachbereich für Wasserbau und Hydraulik der TU tätig ist, und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Steve Borchardt die Energie des bis zu zehn Meter tiefen Gewässers zur Beheizung sowie zur Kühlung der Häuser in dem Quartier genutzt werden. Der Teich wird von Grundwasser gespeist.

Innovatives „Vorzeigeprojekt“ am Bürgerpark in Darmstadt geplant

Die Rede ist von einem „Vorzeigeprojekt“, das es nach Darstellung von TU-Professor Lehmann so in Deutschland bislang nicht gibt. Bereits seit 2019 führen die Wissenschaftler in dem kleinen See Temperaturmessungen durch, um zu ermitteln, in welchen Abständen mehrere technische Geräte installiert werden können, um den Teich als Wärmespeicher zu nutzen.

Ähnlich wie bei einem Heizkörper sollen natürliche Konvektionsströme und physikalische Effekte genutzt werden, um mit Hilfe von Wärmetauschern, Pumpen, Rücklaufleitungen und einer Ringleitung die natürliche Temperatur des Teichs zur Energiegewinnung zu nutzen. Die Nutzung des stehenden Gewässers im Rahmen eines „Kaltwärmenetzes“ soll nach den Worten von TU-Professor Lehmann bis zu 40 Prozent effizienter sein als eine Nutzung von Luft.

Auf allen Häusern in dem Wohnquartier sollen nach Angaben von Projektentwickler Müller zudem Photovoltaikanlagen installiert werden. Auch eine extensive Begrünung der Gebäude sei geplant.

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