1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Tanzen aus Solidarität

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die Partygäste wünschen sich, dass der studentische Kulturbetrieb wieder öffnet.
Die Partygäste wünschen sich, dass der studentische Kulturbetrieb wieder öffnet. © Claus Völker

Mit einer Feier in der Centralstation wird gegen die Schließung des 603qm protestiert. Wegen Lärmbeschwerden und mangelnder Genehmigungen hatte das Ordnungsamt den Laden Ende Dezember bis auf weiteres geschlossen.

Pfffft – hinter Jürgens Rücken zieht Disconebel auf. Der 35 Jahre alte Maschinenbautechniker lehnt neben seinem Kumpel Wolf an der Bühnenkante und trinkt ein Bier. Es ist noch früh am Abend, die Tanzfläche noch recht leer. Doch die Tiefenbässe der Clubklänge dröhnen schon ordentlich aus den Boxen – Warmlaufen für eine Solidaritätsparty.

„Ich will, dass das 603 auch abends wieder auf hat“, begründet Jürgen seine Anwesenheit am Freitagabend in der Centralstation in Darmstadt bei der Soliparty für das 603qm in der Stoeferlehalle, das wegen Lärmbeschwerden und mangelnder Genehmigungen am 27. Dezember 2011 vom Ordnungsamt bis auf weiteres geschlossen wurde. Derzeit arbeiten die studentischen Betreiber an einem Konzept, um die Wiederöffnung für den Kulturbetrieb zu ermöglichen.

Bier zum Studentenpreis

Jürgen war dort zwei bis drei Mal die Woche zu Gast und ist auch als Veranstalter selbst aktiv gewesen. „Diesmal müssen wir leider auf die Weststadt ausweichen“, bedauert der junge Darmstädter. Ausweichquartiere seien rar gesät. „So ’ne Location wie das 603 gibt es nicht noch mal in Darmstadt.“ Es sei sehr zentral gelegen, hinzu komme der industrielle Look der ehemaligen Maschinenbauhalle. „Und die studentischen Preise“, ergänzt der 26 Jahre alte Wolf. „Das 603 ist einer der Dreh- und Angelpunkte in Darmstadt“, ergänzt er.

Es sind nicht nur Studenten, die den Wegfall des abendlichen Ausgehorts bedauern. „Wir wollen da unbedingt wieder hingehen können“, ruft Katharina im Kreise ihrer Freundinnen Paula und Julia gegen die laute Musik an. Die Drei sind jetzt 18 Jahre alt und häufiger zu Gast in der Halle auf dem Campus der Technischen Universität gewesen. Die ganze Zeit schon hätten sie sich darauf gefreut, 18 zu werden und richtig durchstarten zu können. „Und da hat’s zugemacht.“

Für Viktor Keil ist mit der Schließung noch mehr verbunden als der Wegfall eines Partyorts. „Ich habe mein Hauptgehalt dadurch abgedeckt, dass ich da abends gearbeitet habe“, sagt der 28 Jahre alte Student der Sozialen Arbeit. Um das Einkommen über die kürzeren Tagschichten zusammenzubekommen, müsste er fünf Tage die Woche arbeiten. „Da würde das Studium darunter leiden.“ Viele in ihrem Team mit rund 25 Kräften müssten sich nun zwangsläufig was Neues suchen. Auch ihm bliebe auf Dauer wohl nichts anderes übrig.

Da kommt es ihm sehr gelegen, dass er als Teil der Soliaktion an diesem Abend in der Centralstation an der Theke arbeiten und Geld verdienen kann. „Das ist super.“ Auch werde dadurch ein Zeichen gesetzt, dass man sich für das 603 einsetzt, es nicht in Vergessenheit gerät. „Früher oder später wollen wir dort weitermachen, wenn die Missverständnisse beseitigt sind.“ Dann wendet er sich wieder der Theke zu, an der es heute Bier zum vergünstigten 603-Preis gibt. „Ich habe gerade erfahren, dass wir ausverkauft sind“, sagt Viktor noch 45 Minuten vor Türöffnung um 22 Uhr. „Das wird ’ne lange Nacht.“

Damit rechnet auch Jonas Lufft von der Centralstation. „Super spontan“ sei die Idee für den Abend zustande gekommen. Ihnen sei eine Veranstaltung weggebrochen, und da sei ihnen das 603 eingefallen. „Das ist schon ein Thema in unserem Team, dass auch wir das wieder haben wollen.“ Fünfzig Prozent des Überschusses der Party gehe an das 603. (aw.)

Auch interessant

Kommentare