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Tagsüber fast 100 Züge mehr auf der ICE-Trasse Frankfurt-Mannheim

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Von: Annette Schlegl

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Ein Plakat an der Brücke über die A5 zeigt den Protest gegen die Streckenführung der geplanten ICE-Trasse auf.
Ein Plakat an der Brücke nach Wixhausen zeigt den Anwohnerprotest gegen die Pläne der Bahn auf. © Renate Hoyer

Bei den neuen Prognosen für die geplante ICE-Strecke von Frankfurt nach Mannheim schnellen die Zugzahlen in die Höhe. Außerdem wird der Knoten Darmstadt überarbeitet.

Es gibt neue Vorhersagen zu den Zugzahlen für die geplante zweigleisige Neubaustrecke Frankfurt–Mannheim. Nach der Prognose zum Deutschlandtakt sollen im Jahr 2030 im Personenverkehr nun viel mehr Züge zwischen Zeppelinheim und der Nordanbindung Darmstadt unterwegs sein. Im Gegensatz zur bisher angewandten Zugzahlprognose 2030 des Bundesverkehrsministeriums, die seit 2018 zur Verfügung steht, geht die Bahn jetzt für diesen Abschnitt tagsüber von fast 100 Personenzügen mehr aus.

Am Montag tagte das Beteiligungsforum Frankfurt–Mannheim, in dem Vertreter von Kommunen, Kreisen, Behörden, Ministerien, Verbänden und Bürgerinitiativen sitzen. Dabei informierte die Bahn anhand einer Präsentation zum aktuellen Sachstand in den jeweiligen Planungsabschnitten der ICE-Neubaustrecke.

Für Abschnitt bis zur Nordanbindung Darmstadt sind tagsüber 268 Personenzüge prognostiziert

Mit erstaunlichen Zahlen: Nach der Prognose 2030 Deutschlandtakt werden zwischen Neu-Isenburg-Zeppelinheim und Weiterstadt beziehungsweise der Nordanbindung Darmstadt nicht mehr insgesamt 175 Züge zwischen 6 und 22 Uhr im Fern- und Nahverkehr unterwegs sein, sondern 268. Der Deutschlandtakt besagt, dass Deutschlands größte Städte alle 30 Minuten zur selben Zeit durch Fernverkehrszüge verbunden sein sollen und der Regionalverkehr auf die halbstündliche Taktung in den Knotenbahnhöfen ausgerichtet werden soll. Das soll die Fahrgastzahlen bis zum Jahr 2030 verdoppeln. Außerdem soll der Anteil des Schienengüterverkehrs auf mindestens 25 Prozent steigen.

Im Einzelnen sehen die prognostizierten Zahlen für den Abschnitt von Zeppelinheim bis zur Nordanbindung Darmstadt so aus: Im Fernverkehr sind tagsüber statt bisher 143 Zügen nun 206 Züge vorhergesagt, sowie nachts zwischen 22 und 6 Uhr nun 18 statt 17 Züge.

Güterverkehr-Zahlen ändern sich für Abschnitt Zeppelinheim-Nordanbindung Darmstadt nicht

Im Nahverkehr geht die Bahn nun tagsüber von 62 statt 32 Zügen aus, nachts reduziert sich die Zahl der Nahverkehrszüge von 7 auf 6. Die Zahlen für den Güterverkehr bleiben allerdings gleich: tagsüber keine Güterzüge zwischen Zeppelinheim und der Nordanbindung Darmstadt, nachts wie bisher 45.

Der Zugverkehr vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Mannheim soll mit dem Bau der Neubaustrecke optimiert werden.
Der Zugverkehr vom Frankfurter Hauptbahnhof nach Mannheim soll mit dem Bau der Neubaustrecke optimiert werden. © Monika Müller

Trotz der gestiegenen Zugzahlen im Personenverkehr bleibt es im Korridor zwischen Frankfurt und Mannheim bei zwei Gleisen. Allerdings müsse die Ausgestaltung der Nordanbindung Darmstadt noch einmal geprüft werden, erklärte eine Bahnsprecherin auf FR-Nachfrage. Ursprünglich war dort von 46 Zügen die Rede, mit neuer Prognose sind es jetzt 77.

Planung zur Nordanbindung Darmstadts soll überarbeitet werden

Deshalb soll nun geprüft werden, ob es notwendig ist, in Weiterstadt im Bereich der Kreuzung mit der Landesstraße 3113 die geplanten Gleise der Nordanbindung mit bestehenden Gleisen der nördlichen und südlichen Stockschneise zu verbinden. Die ursprüngliche Planung sah vor, die Gleise der Nordanbindung direkt in die Bestandsstrecke Mainz-Darmstadt einlaufen zu lassen.

Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) sieht das positiv. Eine Überschneidung mit den Bestandsstrecken könne so vermieden und eine reibungslose Einfahrt von der Hauptstrecke in den Darmstädter Hauptbahnhof ermöglicht werden. Bei der Südanbindung Darmstadt setze sich die Stadt für einen Tunnel ein, der nur für den Personenverkehr ausgelegt sein und bis zur Autobahn 5 gebaut werden soll. Die Entscheidung werde 2023 fallen.

Geplantes Trog-Bauwerk in Weiterstadt wird nicht überarbeitet

Weiterstadts Bürgermeister Ralf Möller (SPD) hatte schon Mitte November gehofft, dass die gestiegenen Zugzahlen für seine Stadt einen Tunnel statt eines nach oben offenen Trog-Bauwerks als Schallschutz erforderlich machen. Jetzt hieß es vonseiten der Bahn, die Planungen des Trogs bei Weiterstadt seien von einer möglichen Überarbeitung nicht betroffen.

Die DB hatte im Oktober bekanntlich ihren Antrag auf Planfeststellung – also auf Baugenehmigung – für den Abschnitt zwischen Neu-Isenburg-Zeppelinheim und Weiterstadt beim Eisenbahnbundesamt zurückgezogen. Aktuell werden die Antragsunterlagen nun mit den neuen Zugzahlen überarbeitet. Die Schallgutachten werden aktualisiert; sie sind die Grundlage für zusätzlichen, über dem gesetzlichen Maß liegenden Schallschutz, den einige Kommunen in der Region fordern. Diese Forderungen würden 2023 gemeinsam mit der Region erarbeitet, heißt es vonseiten der Bahn.

Auf der Strecke der Riedbahn verdoppelt sich durch den Neubau der ICE-Strecke der Güterverkehr

Werner Krone aus Darmstadt, Mitglied im Beteiligungsforum Frankfurt-Mannheim, sagte, die ICE-Neubaustrecke sei „planungsmäßig ein Putsch der Bahn“ gewesen. Sie habe das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens, das 2004 abgeschlossen wurde, „überhaupt nicht beachtet“. Die Trasse entlang der A5 habe sich raumordnungstechnisch als beste erwiesen, die Bahn wolle aber eine Trasse entlang der A5 und A67 realisieren, obwohl diese durch Wasserschutzgebiete führe. „Die A67 wird auf sechs Spuren verbreitert und dazu wird auch noch eine Bahnstrecke gebaut“, sagte er.

Außerdem sollen künftig auf der Strecke der Riedbahn mehr als doppelt so viele Güterzüge unterwegs sein. Allerdings sei der Abschnitt zwischen Groß-Gerau-Dornberg und Groß-Gerau-Hauptbahnhof „betriebstechnisch problematisch“. Das werde bisher aber nicht beachtet.

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