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Täter ohne soziale Kompetenz

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Weil sie ein Rentnerpaar brutal überfallen haben sollen, muss sich ein Geschwisterpaar vor Gericht verantworten. Die Angeklagten nahmen das Geschehen um sich herum eher gleichgültig zur Kenntnis.

Vor dem Darmstädter Landgericht wurde am Montag der Prozess gegen ein Geschwisterpaar fortgesetzt, das am Fastnachtssonntag in Rüsselsheim ein Rentnerehepaar in dessen Haus brutal überfallen hatte. Das Urteil wird für Montag, 8. Dezember, erwartet.

Auch am dritten Prozesstag nehmen die beiden Angeklagten Tanja N. und Said N. das Geschehen um sich herum eher gleichgültig zur Kenntnis. Vermutlich so gleichgültig, wie ihr bisheriges Leben verlaufen ist, das eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe durchleuchtet hatte. Said M. verließ die Schule ohne Abschluss und schmiss ein Berufsvorbereitungsjahr.

Auch in der Untersuchungshaft, wo Berufsqualifizierungsmaßnahmen angeboten werden, sei Said M. „sehr faul“. Auflagen, die er nach einem Diebstahldelikt bekam, erfüllte er nur zögerlich. Das Fazit der Jugendhilfe: Eine berufliche Integration sei nicht vorhanden und nicht zu erwarten, die Sozialprognose schlecht. Da der 20-Jährige Entwicklungsdefizite habe, sei er nach Jugendstrafrecht zu behandeln.

Ähnlich die Aussagen zu Tanja N. Die hat zwar 2010 ihren Hauptschulabschluss gemacht, dann aber eine Lehre als Bürokauffrau geschmissen, gelegentlich bei einer Zeitarbeitsfirma und zuletzt bei der Telekom als freiberufliche Mitarbeiterin gejobbt, um Kunden für Telefonverträge zu werben.

Arbeitsauflage nicht erfüllt

Eine vom Gericht erteilte Arbeitsauflage, die sie wegen Diebstahls bekam, habe sie nicht erfüllt, in der Untersuchungshaft zeige sie keinerlei soziale Kompetenz, auch hier sei die Sozialprognose ungünstig. Wie ihr Bruder sei die 21 Jahre alte Angeklagte nach dem Jugendstrafrecht zu behandeln.

Zuvor hatte ein Gutachter über die Verletzungen des Rentnerehepaares, das als Nebenkläger auftritt, berichtet. Keine einfache Aufgabe, denn die Kriminalpolizei habe hier nicht korrekt gearbeitet. Fotos, allerdings kaum brauchbar, gebe es nur von den Verletzungen des Mannes, von der Frau seien keine Bilder gemacht worden. Der Gutachter rügte, dass nicht unmittelbar nach der Tat ein Gerichtsmediziner hinzugezogen wurde, um die Verletzungen zu dokumentieren. Immerhin hätte die Tatausführung mit einem Elektroschocker und durch Schläge mit stumpfen Gegenständen bei beiden Opfern zum Tod führen können.

Die Rolle des dritten Angeklagten bleibt im Dunkel. Er hat von der Tat angeblich nichts gewusst und war nur nach Rüsselsheim gefahren, um das Auto der Geschwister abzuholen. Der junge Mann stand bereits mehrfach vor Gericht, weil er Kumpels mit dem Auto zu Einbrüchen gefahren hat, aber nie selbst daran beteiligt war. (hde)

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