Darmstadt

SV 98 ehrt Verfolgten

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Karl Heß, von 1928 bis 1933 Vorsitzender des SV Darmstadt 98, wird posthum zum Ehrenvorsitzender ernannt.

Auf Initiative der Vereinsschreiber Thomas Spengler und Jürgen Koch ist Karl Heß, von 1928 bis 1933 Vorsitzender des SV Darmstadt 98, posthum zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden. Das Votum der Mitgliederversammlung am späten Mittwochabend war einstimmig; zwei Mitglieder enthielten sich.

Der in Darmstadt geborene Heß war 1933 als Deutscher jüdischen Glaubens aus rassistischen Gründen von den Nazis aus dem Amt gedrängt und mit einem Berufsverbot belegt worden. Er musste mit seiner Frau aus Deutschland erst nach Südfrankreich, dann 1934 ins brasilianische Exil fliehen. 1963 kehrte er nach Darmstadt zurück, musste jedoch in der Rechtsabteilung im Rathaus unter einem früheren Nazi arbeiten. Nach zehn Jahren sei Heß „desillusioniert und frustriert“ nach Brasilien zurückgekehrt wo er 1975 starb.

Vizepräsident Markus Pfitzner äußerte vor den Mitgliedern, es sei wichtig, dass sich der Verein seiner Werte bewusst sei und sich auch klar positioniere. „Wer unter der Woche ‚Ausländer raus‘ ruft, der kann nicht am Wochenende im Stadion ‚Wir sind Darmstädter‘ rufen“, sagte Pfitzner, der dafür starken Applaus erhielt. 

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