1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Superblock in Darmstadt: Mehr Lebensqualität durch weniger Autos

Erstellt:

Von: Claudia Kabel

Kommentare

Das Quartier rund um den Lichtenbergplatz im Martinsviertel würde sich für den Verkehrsersuch in Darmstadt eignen.
Das Quartier rund um den Lichtenbergplatz im Martinsviertel würde sich für den Verkehrsersuch in Darmstadt eignen. © Rolf Oeser

Die Stadt Darmstadt will im Martinsviertel die Idee der Superblocks testen. Der Initiative Heinerblocks geht es allerdings nicht schnell genug.

Darmstadt will nach dem Vorbild der spanischen Stadt Barcelona den ersten Superblock Hessens testen. Das haben die Stadtverordneten am Donnerstagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Malena Todt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, die gemeinsam mit CDU und Volt den Antrag einbrachten, sagte: „Das ist kein Wohlfühlantrag, es braucht Mut dafür, denn es geht um die Frage, wie wir den Platz in der Stadt verteilen.“

Superblocks sind Wohnquartiere, aus denen Autos weitgehend verbannt werden und die dadurch mehr Lebensqualität für die Anwohnenden bieten. Im nächsten Jahr soll der Modellversuch starten – wo genau steht noch nicht fest. Infrage kommt laut Beschlussvorlage ein Quartier im gründerzeitlichen Halbgürtel von Martins- und Johannesviertel.

Superblocks in Darmstadt: Durchgangsverkehr soll verhindert werden

Im Rahmen des Verkehrsversuchs will die Stadt erproben, wie durch „Diagonalsperren“ der Durchgangsverkehr weitgehend aus dem Viertel ferngehalten werden kann. Gleichzeitig sollen die Wohngebäude mit dem Auto weiterhin für Anwohnende oder Lieferverkehr erreichbar bleiben. Reduzierte Geschwindigkeiten sowie verkehrsberuhigte Bereiche vor Kitas oder entlang von Schulwegen sind auch vorgesehen. Innerhalb des Superblocks bleibt Parken aber möglich.

Alternativen zum Privatauto sollen gestärkt werden, etwa durch breitere Geh- und Radwege, den Ausbau von Radabstellanlagen und Carsharingangeboten. Außerdem sind neue Begrünungen und Sitzgelegenheiten vorgesehen, die zum Verweilen einladen und die „Nachbarschaft zu einem Ort der Begegnung machen“. Bei Erfolg sollten die Maßnahmen verstetigt werden, heißt es.

Die Stadt will zuerst ein Konzept erstellen, das dann unter Beteiligung der Anwohnenden im ersten Halbjahr 2023 weiterentwickelt und anschließend – möglichst gemeinsam mit der Parkraumbewirtschaftung – umgesetzt wird. Das Ganze soll wissenschaftlicher begleitet werden.

Superblocks in Darmstadt: Initiative übergibt Unterschriften

In der Bevölkerung hat die Idee offenbar einen großen Rückhalt. Die Initiative Heinerblocks, die sich dafür seit 2021 einsetzt, übergab am Donnerstag vor der Stadtverordnetenversammlung an Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) mehr als 2000 Unterschriften für die Einrichtung autoarmer Quartiere.

Die Initiativen Heinerblocks übergibt 2073 Unterschriften für die Einrichtung autoarmer Quartiere an OB Jochen Partsch (Mitte).
heinerblocks.jpg © privat

„Wir hoffen, das Hessens erster Superblock auch in andere Städte ausstrahlt“, sagte Mitinitiatorin Luisa Emrich. Jedoch geht der Initiative die städtische Planung zu langsam. Es sei wichtig, dass der erste Block schon im Frühjahr komme, damit die Menschen einen Sommer lang das Konzept erleben könnten. Dann könnte man im Herbst 2023 die Planungen der nächsten Blöcke beginnen, so Emrich. Auch Gerhard von der Initiative kritisiert: „Bis die Stadt entschieden hat, wo der erste Superblock umgesetzt werden soll, kann weder mit der Planung noch mit der Vorbereitung der Bürgerbeteiligung begonnen werden“. Das verschiebe die Umsetzung unnötig nach hinten. Anbieten würde sich der Lichtenbergblock im Martinsviertel.

Im Stadtparlament wurden aus Reihen der Opposition auch Bedenken geäußert, dass zum Beispiel angrenzende Viertel zusätzlich mit Verkehr und Parkenden belastet werden könnten. Auch könne nicht jeder auf sein Auto verzichten.

Infos: https://heinerblocks.de

Auch interessant

Kommentare